Kurz, Kern, Köstinger und das Brodeln in der Comeback-Küche
Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion. Heute: Comeback-Gerüchte um ehemalige Spitzenpolitiker.
Das eindringliche „Elli, es ist vorbei“ von Matthias Strolz in Richtung Elisabeth Köstinger in einer sonntäglichen TV-Diskussion im Oktober 2021 hat längst Kultstatus erreicht. „Die Krise der ÖVP“ wurde „im Zentrum“ diskutiert – der Politologe Fritz Plasser sah die Partei nach dem Aufbrechen der Inseratenaffäre und dem Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler gar in der „schwersten Krise ihrer Parteigeschichte“. Der damalige Neos-Chef Matthias Strolz bezeichnet Kurz und seine Getreuen als „Kaltschnäuzige Karrieristenclique“, während Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger betonte, man wolle jetzt „Vertrauen wiederaufbauen und für Stabilität sorgen“. Strolz‘ „Elli, es ist vorbei“ wollte sie nicht wahrhaben. Für viele in der damaligen ÖVP war es freilich vorbei – es gab Ermittlungen, Rücktritte und Regierungsumbildungen am laufenden Band. Für Köstinger war es im Mai 2022 vorbei, als eine der letzten Vertrauten von Sebastian Kurz erklärte sie ihren Rücktritt als Ministerin und Abschied aus der Politik. Bundeskanzler und ÖVP-Chef war damals Karl Nehammer, der dann im Herbst 2024 noch einen bescheidenen Wahlkampf für die Partei führen sollte.
Wann immer es in der Volkspartei seit dem Ende der Ära Kurz holpert – und das kommt dann doch recht häufig vor – werden Comeback-Rufe laut. Und auch wenn er immer wieder als Welterklärer in TV-Sendungen auftritt und die Gerüchteküche am Brodeln hält, versichert Kurz, dass er nicht an eine Rückkehr in die Politik denke. Lieber inszeniert er sich als kosmopolitischen Investor und Vordenker. Nachdem die Partei unter Bundeskanzler Christian Stocker nicht so recht vom Fleck kommt, wird längst auch über andere Pläne spekuliert. Von Niederösterreich aus soll es Bemühungen geben, Köstinger zu einer Rückkehr in die Politik zu bewegen, wie Boulevardmedien kürzlich zu berichten wussten. Passend dazu lacht sie in einem Instagram-Posting von einem Foto einer Abendveranstaltung mit Kurz und Wolfgang Schüssel, einem anderen früheren Parteichef und Bundeskanzler.
„Wenn es nicht so gut läuft, wird eben spekuliert“, meint Köstinger trocken zur Kleinen Zeitung. Aber nein, für sie sei das „kein Thema“ und sie habe auch „überhaupt keine Pläne in diese Richtung“, betont sie. Mehr sei dazu auch nicht zu sagen. Jedes Wort ist eines zu viel. Lieber beschäftigt sie sich mit Investitionsprojekten im Bereich KI, Umwelt, Klima und Biotechnologie. Zudem sitzt Köstinger auch im Aufsichtsrat der Billigfluglinie Ryanair. In Wien teilt sie sich seit drei Jahren repräsentative Büroräumlichkeiten mit ihren Ex-Politkollegen Kurz und Gernot Blümel, der derzeit als philosophierender KI-Experte medial omnipräsent ist.
Beide ehemaligen Großparteien sind aktuell mit sich selbst beschäftigt und scheinen sich schwerzutun, Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit zu finden. Während die ÖVP noch eher hinter den Kulissen diskutiert, macht das die SPÖ mit Vorliebe auf offener Bühne. Statt Kurz und Köstinger geistern dort eben Christian Kern oder Gerhard Zeiler durch die Köpfe. Medienmanager Zeiler will gebeten und hofiert werden – Parteichef Andreas Babler will seinen Platz jedoch nicht räumen. Christian Kern hatte seine Chance Anfang des Jahres, als ihn mehrere rote Landeschefs an die Parteispitze hieven wollten, er aber einen Rückzieher machte. So hat er Zeit barfuß über Baumstämme zu balancieren, wie er es dieser Tage laut Instagram-Posting in Dorfgastein machte. Ein Balanceakt wäre auch eine Rückkehr an die Parteispitze – weshalb die in diesem Text Genannten, obwohl es dem Ego schmeicheln würde, darauf verzichten. Irgendwer wird schon vorangehen.
Einen diskussionsfreudigen Dienstag wünscht,
Wolfgang Fercher