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Heuriger Sommer war Stresstest für Orgeln in Österreich

Der heurige Rekordsommer mit langen Temperaturperioden über der 30-Grad-Marke hat in Österreich besonders Organisten Schweißperlen auf die Stirn getrieben: Mechanik und viele aus Holz gefertigte Einzelteile von Orgeln verzogen sich in der Trockenheit. Die Folgen daraus wurden der Albtraum jedes Musikers vor der Aufführung: Heuler (eine Pfeife erklingt ohne eine Taste zu drücken), in sich verstimmte Instrumente oder klemmende Tasten, wie ein APA-Rundruf ergab.

Die Brucknerorgel im Stift St. Florian
© APA/THEMENBILD
Die Brucknerorgel im Stift St. Florian

"Das war so noch nie", wunderte sich Christian Kögler im APA-Gespräch, der mit seiner Orgelbau-Firma mit Sitz in St. Florian (Bezirk Linz-Land) in Oberösterreich rund 300 Orgeln in fast allen österreichischen Bundesländern und bis nach Südkorea betreut. Die ersten drei Augustwochen war sein Team auf Betriebsurlaub. "Dann kam ich zurück und das Telefon hat permanent geläutet." Unter anderem stand die berühmte Bruckner-Orgel im Augustiner-Chorherren-Stift St. Florian auf der Sommer-Auftragsliste. "So eine Trockenheit habe ich noch nicht gesehen," so das Resümee. Die Hitze wurde regelrecht zum Stresstest der "Königin" der Instrumente.

Undichte Tonventile standen österreichweit ganz oben auf der Notrufliste der Musizierenden. "Am meisten gelitten haben die Kegelladenorgeln", wie Kögler erklärte. Die im 19. Jahrhundert gebauten Instrumente haben neben vielen beweglichen Teilen ein kleines, kegelförmiges Ventil, das die Luftzufuhr öffnet oder schließt. Diese Kegel hatten sich in der Trockenheit verzogen, was dann den gefürchteten "Heuler" ergab. Dicht gefolgt von diesem Problem waren Regulierungsarbeiten und Änderungen bei der Einstellung der Mechanik für die Luftzufuhr neben dem Nachstimmen der Orgel.

Nur - wie werden Orgeln klimafit? Seit Jahrzehnten verzichtet der St. Florianer Fachmann beim Bau neuer Pfeifeninstrumente bewusst auf Nägel und Schrauben, wie er sagt. Besonders nötig beispielsweise für Kunden in skandinavischen Ländern mit 15 Prozent Luftfeuchte im Winter in den stark beheizten Kirchen, die aber auch rauf bis 80 Prozent gehen könne. "Da schaut man schon beim Bau, dass sich die Dinge bewegen können", so Kögler. Neue Orgeln würde er generell in einer Art "Baukastensystem" errichten. Ohne komplizierte Einzelteile könne zudem eine leichtere Pflege garantiert werden.

"Vor allem historische Instrumente leiden", weiß Wendelin Eberle, Geschäftsleiter der Orgelbaufirma Rieger mit Sitz in Schwarzach in Vorarlberg, die 250 Orgeln in Österreich und fast auf allen Kontinenten betreut. "Man hat damals bei allen Bestandteilen Massivholz verwendet." Bezüglich Orgel-Klimafitness denke man in seiner Firma bei Neubauten besonders bei Materialien um. "Wir verwenden zwar auch heute noch Massivholz, aber bei empfindlichen Teilen werden die Hölzer längs- und querverleimt, was ein Reißen so gut wie unmöglich macht."

Bezüglich weiterer Details gibt er sich zurückhaltend. Nur so viel lässt er durchblicken: "Moderne, gut gebaute Orgeln können gut auf Klimaschwankungen reagieren." So gab es beim Prestigeobjekt seiner Firma, der 2020 errichteten Hauptorgel im Wiener Stephansdom, mit 185 Registern und 12.616 Pfeifen zugleich größte Orgel Österreichs, gar keine Probleme. Ebenso wenig bei seiner im Jahr 2011 erbauten Orgel im Wiener Musikverein. Dass jährlich nachgestimmt werden muss, ließe sich wie bei allen Instrumenten nie vermeiden.

Möglichst kostengünstig gebaute Orgeln, insbesondere aus der Zeit der 1950er bis 1970er-Jahre erwiesen sich übrigens als am wenigsten an die Temperaturen angepasst. "Ich nenne sie Plattenorgeln", wie Christian Kögler scherzte. Mehrfach verleimte Spanplatten und bewusster Verzicht auf Massivholz gaben bei Temperaturschwankungen zu wenig Spielraum.

"In dieser Zeit zählte Hauptsache billig", wie sich Philipp Pelster, Salzburger Domorganist und Erzbischöflicher Orgelreferent im Gespräch mit der APA ärgerte. Auch er machte mit Instrumenten dieser Epoche besonders negative Erfahrungen im heurigen Hitzesommer. "Man hat einfach nicht mit der notwendigen Präzision gefertigt", wie der 42-jährige Musiker erklärte. Seine gleich sieben Orgeln im Dom richtet sich der gelernte Orgelbauer angesichts der Klimaschwankungen regelmäßig selbst. "Wöchentlich kontrolliere ich die Tastentiefgänge und klettere in die Orgel hinein". Bei rund 300 Konzerten im Jahr seien die Anforderungen besondere.

Dass eine Pfeifenorgel so ihre Eigenheiten hat, bestreitet der Dommusiker nicht. Beim Dauer-Reizthema "Digital-Orgel als Alternative" bleibt der Profi aber gelassen. Orgeln aus dem 17. Jahrhundert könne man noch immer tadellos reparieren. "Eine elektronische Orgel dagegen hält keine 50 Jahre." Er selbst hatte schon die Erfahrung machen müssen, dass Ersatzteile relativ rasch nach der Fertigung nicht mehr vorhanden waren.