Beschossen, gesprengt, umgefahren: Die wohl gefährlichste Stelle für Radarkästen
Am Ossiacher See in Kärnten wurden Radarkästen mehrmals zerstört. Seit einem Unfall fehlt eines der Messgeräte – zum Leidwesen der Anrainer.

Das Nordufer des Ossiacher Sees in Kärnten dürfte eine der gefährlichsten Stellen für Radarkästen in Österreich sein. In den vergangenen Jahren wurden dort die Geräte mit Pyrotechnik gesprengt, mit einer Pistole beschossen und zuletzt umgefahren. Weil vor allem in den Sommermonaten zahlreiche Einheimische und Gäste dort am Weg zum See die Straße queren müssen, fordern diese einen Ersatz für das Gerät, das seither fehlt.

Der erste Vorfall ereignete sich in Annenheim in der Gemeinde Treffen im Jahr 2021. Damals wurde der dortige Radarkasten an der Ossiacher Straße (B 94) von Unbekannten mit Pyrotechnik gesprengt. Nur ein Jahr später gingen Unbekannte, denen die Geschwindigkeitsmessgeräte ein Dorn im Auge sein dürften, einen Schritt weiter: Im Herbst 2022 bemerkte man bei einer Kontrolle, dass der Radarkasten im Bereich Sattendorf-Stöcklweingarten in der gleichen Gemeinde mit einer Pistole beschossen worden war.
Radarkasten bei Unfall umgefahren
Während man das Gerät in Annenheim ersetzte, nahm jenes in Sattendorf durch die Schüsse kaum Schaden, beide waren seither weiterhin in Betrieb. Bis heuer: Da passierte am 10. Juli gegen 10.50 Uhr ein Unfall und der Lenker, der dabei laut Landespolizeidirektion Kärnten nicht verletzt wurde, erfasste ausgerechnet den „leidgeprüften“ Radarkasten in Sattendorf mit voller Wucht.

Ich habe einmal ein Ehepaar beobachtet, das sich fast nicht traute, die Straße dort zu überqueren.
— Walter Papst,, Anrainer
Seither steht dort nur noch der Sockel – zum Leidwesen der Anrainer und Urlauber, von denen zahlreiche am Weg an den See die stark befahrene Straße queren müssen. „Seit dort der Radarkasten nicht mehr steht, rasen manche Autofahrer extrem schnell vorbei. Ich habe einmal ein Ehepaar beobachtet, das ewig warten musste und sich fast nicht traute, die Straße dort zu überqueren“, erzählt Walter Papst, der dort üblicherweise selbst die Straße nicht queren muss, sich aber seit vielen Jahren gemeinsam mit anderen Anrainern für eine Verbesserung der Verkehrssituation am Ossiacher See einsetzt.
50 km/h-Beschränkung gefordert
„Wir fordern auch seit Jahren, dass dort eine 50 km/h-Beschränkung statt der bisher erlaubten 80 km/h verordnet wird. Dann wäre es auch möglich, dort einen Zebrastreifen einzurichten“, sagt Papst. Doch bisher habe sich die Behörde dagegen ausgesprochen, da es sich um kein Ortsgebiet und auch um keinen besonderen Unfallhäufungspunkt handle. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gegner einer Geschwindigkeitsreduktion in diesem Bereich: In den vergangenen Jahren erhielt Papst zahlreiche kritische bis bösartige Nachrichten und sogar anonyme Drohungen wegen seines Engagements. „Aber es ist dort wirklich gefährlich, über die Straße zu gehen“, sagt Papst. Und nur rund zwei Kilometer weit, in St. Urban in der Gemeinde Bodensdorf, sei es möglich gewesen, außerhalb des Ortsgebietes genau auf der gleichen Straße eine 50 km/h-Beschränkung einzurichten.

Über die Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren zur Entschärfung getroffen wurden – der Einbau von Verkehrsinseln, das Aufbringen von Flüsterasphalt und eben den Radarkasten – sei man dankbar. Aber mit einer 50 km/h-Beschränkung ließe sich die Sicherheit im Tourismusgebiet erhöhen und der Lärm reduzieren, ist Papst überzeugt. Daher werde man sich mit der Forderung erneut an die Behörden wenden: „Und wir fordern, dass zumindest der Radarkasten wieder aufgestellt wird.“
Zumindest was das betrifft gibt es für die Anrainer gute Neuigkeiten. Zuständig für das Radarmessgerät ist die Landesverkehrsabteilung der Polizei – dort liegt der Fall seither, klärt Polizeisprecher Matthias Kogelnig auf: „Der Radarkasten wird repariert. Allerdings handelt es sich um einen Versicherungsfall.“ Da zuerst die Formalitäten mit der Versicherung des Unfallenkers abgewickelt werden mussten, hat sich die Reparatur verzögert. Sobald diese abgeschlossen wurde, wird das Gerät aber wieder an seinem ursprünglichen Standort platziert werden.