Weizer Volkshaus überlebte Stadtparkquartier und bekommt Podcast-Studio
Einst sollte es dem Stadtparkquartier II weichen. Jetzt bleibt es und wird aufgewertet. Über die Geschichte des Weizer Volkshauses und wer es heute nutzt.
Optischer Schandfleck oder Haus mit Geschichte? Die Meinungen gehen auseinander. Fakt ist, das Volkshaus in Weiz ist in die Jahre gekommen und erzählt seit seiner Eröffnung 1961 viele Geschichten.

Etwa jene des Anfangs: Elin-Arbeiter haben das Haus in der Franz-Pichler-Straße einst mitaufgebaut – wortwörtlich. „Sie haben einmalig den Lohnerlös ihres Tagesgeldes für das Volkshaus gespendet. Oder freiwillig mitgearbeitet. Es war ein Gemeinschaftsprojekt“, erzählt Traude Vidrich. Sie ist Vorstandsmitglied des Weizer Pensionistenverbandes (PVÖ). Eine politisch unabhängige, aber der SPÖ nahestehende Interessenvertretung älterer Menschen.

Wo heute Pensionisten Kaffee trinken und Gesellschaft genießen, fanden früher die Betriebsversammlungen der Firma Elin statt. „Um diesen Raum werden wir von anderen Vereinen sehr beneidet“, verrät Vidrich stolz.
„Wir bringen nicht das große Geld, aber ohne uns wüssten diese Leute nicht wohin“, sagt auch Helmut Kienreich. Er ist Vorsitzender der Ortsgruppe und Weizer Bürgermeister außer Dienst.
Kienreich war Elin-Lehrling und kann sich noch an die Anfänge des Volkshauses erinnern. „Die Leute haben Kultur praktiziert, aber das Haus hat gefehlt. In der Steiermark sind damals einige solcher Volkshäuser entstanden. Unseres ist ein Symbol für arbeitende Menschen und Zusammenhalt.“
Dass aus dem geplanten Umbau und dem Stadtparkquartier II nichts wurde, darüber sind manche gar froh. Quartier II sollte Richtung Norden direkt an den jetzigen Komplex mit Kino und Restaurant Ox anschließen. Es gab bereits einen fertigen Bebauungsplan. Daraus wurde schlussendlich nichts.
Die Kappas Steuerberatung hätte einziehen sollen, errichtete dann aber einen eigenen Bürokomplex. Die Baukosten explodierten zu dieser Zeit, das Volkshaus blieb – und damit auch sein Zustand.
Volkshaus wird aufgehübscht
Jetzt soll die Kulturstätte zumindest aufgewertet werden. „Das Haus hat ein hohen emotionalen Wert, vor allem für die ältere Generation und die Jugend. Ein Generationenhaus, ein Haus für das Volk“, sagt Bürgermeisterin Bettina Bauernhofer (SPÖ).
„Es steckt extrem viel Herzblut drinnen“, meint auch Johann König, der für die Spielstätte seitens der Stadt verantwortlich ist. Man möchte hier Kunst, kulturelle Bildung sowie Medienkompetenz niederschwellig und generationenübergreifend verbinden.

Gewerkelt wird bereits seit einigen Wochen: Der knarrige Parkettboden im großen Saal, hier haben um die 500 Personen Platz, wich einem schwarzen Kunststoffboden. Auch die Decke wurde schwarz gefärbt. Die mächtigen Holzverkleidungen an den Seitenwänden bleiben und erhalten mit den großen Lampen den Charme der Anfangszeit.
Verschönert werden soll heuer noch die Fassade des Hauses. Der Medienraum und Empfangsbereich ist Teil einer Leader-Förderung: Neue Technik soll angeschafft werden. „Wir möchten die Möglichkeit für Podcast-Aufnahmen schaffen. Für Schulen zum Beispiel. Auch Trainings sind geplant“, verrät König.
Schnuppertag am Freitag
Weiters soll die Engstelle auf der anderen Seite des Hauses (Eingang des PVÖ-Klubhauses) entschärft werden. Hier komme es immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern. Die BKS Bank Filiale sowie das Café Flair bleiben in ihren Lokalitäten.
Kürzlich neu in den ersten Stock des Volkshauses eingezogen ist die Kunstschule. Sie war davor im einstigen Arbeiterwohnheim und ehemaligen SG Elin Büro in der Dr.-Karl-Widmann-Straße beheimatet. Das Hannes-Schwarz-Zentrum wird noch im zweiten Stock untergebracht.
Einen ersten Eindruck der Räumlichkeiten und Kurse bekommt man am Freitag (25. September). Von 16 bis 19 Uhr lädt das Team rund um Anita Buchgraber und Gudrun Eggenreich zum Schnuppertag ein. Die Teilnahme ist kostenlos. Am 6. November findet ab 17 Uhr die große Eröffnung statt und man erhält Einblicke in die neuen Kursräume sowie die Künstler-Ateliers.