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Landwirtschaftskammer Kärnten präsentiert App für Bauern

Als erste bäuerliche Interessensvertretung in Österreich hat die LK Kärnten eine App. Dürre, Energiekosten und Bürokratie beschäftigen die Landwirte derzeit am meisten.

Die neue App der Landwirtschaftskammer Kärnten
© Lwk Kärnten
Die neue App der Landwirtschaftskammer Kärnten
Karin Hautzenberger
Stv. Leiterin Kärnten-Ressort

„Näher kannst du nicht bei den Bauern sein als am Handy“, sagte Kammeramtsdirektor Bernhard Rebernig zur neuen App der Landwirtschaftskammer Kärnten, die vor wenigen Tagen gelauncht wurde. Es ist damit die erste der bäuerlichen Interessensvertretungen in Österreich, die über eine App verfügt. Die Kammer versteht sich in Kärnten als modernes Dienstleistungsunternehmen, daher habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, sagt Rebernig.

Landwirte können dort nicht nur digital den Kärntner Bauern lesen, sondern erhalten auch Informationen zu Schulungen, können sich online für Beratungsgespräche anmelden und erhalten aktuelle Wetterprognosen für ihren Wohnort. Darüber hinaus ist es möglich, seine Interessen einzugrenzen: So hat etwa ein Rinderbauer die Möglichkeit, das Thema „Rinderzucht“ auszuwählen, aber auch Mehrfachauswahlen sind möglich.

Die neue App

Downloaden kann man die App unter dem Link www.lkon.at. Geboten werden den Bauern dort unter anderem aktuelle Wetterprognosen, wichtige Termine und Fristen, Tierärztenotdienst, Online-Anfragen für Beratungstermine, Buchung von Weiterbildungsveranstaltungen, Push-Nachrichten zu wichtigen Themen,
Aktuelles über Markt und Preise oder ein Agrar- und Waldatlas 

Die App ist aber nur eine Neuerung, die die Landwirtschaftskammer Kärnten in den vergangenen fünf Jahren auf Schiene gebracht hat. Am Montag präsentierte Rebernig gemeinsam mit Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber die Leistungsbilanz der vergangenen fünf Jahre. Denn bevor am 25. Oktober die rund 62.000 wahlberechtigten Kärntner Bauern ihre Interessenvertretung neu wählen, ist die Kammer verpflichtet, einen Tätigkeitsbericht abzulegen.

Wölfe, Erbhöfe und Laborfleisch

Diesen stellte man diesmal unter das Motto „Auf uns ist Verlass“. Damit wolle man einerseits zeigen, dass die Bevölkerung bei der Lebensmittelsicherheit auf die Bauern zählen kann, aber auch, dass die Kammer die Landwirte unterstützt. Unter anderem sei es mithilfe des Landes Kärnten gelungen, durch das Einwirken der Kammer in Wien und Brüssel die Kärntner Wolfsverordnung auf Schiene zu bringen und die Almbäuerinnen und Almbauern vor weiteren Nutztierrissen oder die Kärntner Erbhöfe durch ein neues Rechtsgutachten zu schützen. Dank der Petition „Laborfleisch? Nein Danke!“ und mithilfe von 43.000 Unterstützern aus Kärnten habe man bei der EU erwirkt, dass die Produkte aus dem Labor nicht mehr den Namen „Fleisch“ tragen dürfen.

Leistungsbilanz 2022 bis 2026

Zahlen. In den vergangenen fünf Jahren führte die Landwirtschaftskammer Kärnten mehr als 2000 Bildungsveranstaltungen mit 65.627 Teilnehmenden durch, davon knapp ein Drittel online. Die Berater der LK leisteten mehr als 121.300 Beratungsstunden jährlich mit einem Marktwert von rund 14,5 Millionen Euro, pro Jahr wurden über 6800 Betriebe beraten. Die Kundenzufriedenheit (Weiterempfehlungsrate) stieg von 73 auf 84 Prozent.

Weitere Leistungen. Unter anderem Hilfe in Notsituationen (Zivildiener, soziale Betriebshilfe, psychologische Beratungen), Hilfe bei Hofübergabe, Kampagnen, um den Wert bäuerlicher Arbeit in der Bevölkerung stärker zu verankern, Schutz von Hof und Eigentum, Lobby-Arbeit in Wien und Brüssel, etwa beim Kärntner Wolfsmanagement, Erbhöfen, Entschädigungszahlungen, Lagerung von Siloballen, Tierärztemangel und mehr.

Eine große Herausforderung jetzt und in Zukunft werden die Entbürokratisierung der Landwirtschaft, die Trockenheit und die enormen Preissteigerungen beim Treibstoff sein. Unter anderem berate man die Bauern dahingehend, dass sie mithilfe von Photovoltaikanlagen auf den Dächern samt Speicher Strom für den eigenen Betrieb produzieren, um Kosten zu senken. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass 3000 PV-Anlagen auf Dächern bis 2030 errichtet sind. Und hier sei man auf einem guten Weg, sagen Huber und Rebernig: „2021 waren es 758, 2026 sind es bereits 2182.“

Kammeramtsdirektor Bernhard Rebernig
© LWK/Helge Bauer
Kammeramtsdirektor Bernhard Rebernig

Wir hatten in Kärnten ein paar hundert Flächen, die wir nicht mähen durften, weil die europäische Kommission sie nicht freigegeben hat. Hierfür brauchen wir einen Notfallmechanismus.

— Bernhard Rebernig,, Kammeramtsdirektor der Landwirtschaftskammer Kärnten

In Hinblick auf die Trockenheit habe sich die Lage mittlerweile wieder beruhigt, Futterlieferungen und der Austausch unter den Bauern funktioniere und der Viehbestand sowie die Rinderpreise hätten sich stabilisiert, sagt Huber. Darüber hinaus appelliert man immer wieder an die Bauern, sich gegen Dürre zu versichern. Ein Problem habe allerdings auch hier die Bürokratie dargestellt, sagt Rebernig: „Wir hatten in Kärnten ein paar hundert Flächen, die wir nicht mähen durften, weil die europäische Kommission sie nicht freigegeben hat. Hierfür brauchen wir einen Notfallmechanismus, damit wir rascher handeln können. Dadurch kann man viel an volkswirtschaftlichem Schaden abwenden.“

Siegfried Huber, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten
© Paul Gruber /LK Kärnten
Siegfried Huber, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten

Die Lage auf den Höfen ist ernst. Da braucht es eine starke Interessensvertretung, die notwendige Maßnahmen klar formuliert und von der Politik einfordert.

— Siegfried Huber,, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten

Daher wolle man nächste Woche erneut nach Brüssel fahren, um dort diese und weitere Anliegen vorzubringen, sagt Huber: „Die Lage auf den Höfen ist ernst. Einerseits wirtschaftlich wegen der Dürre, den hohen Betriebsmittelkosten und den unfairen Wettbewerbsbedingungen, die Lebensmittelimporte zu Standards zulassen, die in der EU verboten sind. Andererseits emotional, weil die Betriebe aufgrund der steigenden Bürokratie und völlig überzogenen Naturschutzvorgaben genervt sind. Da braucht es eine starke Interessensvertretung, die notwendige Maßnahmen klar formuliert und von der Politik einfordert.“ Huber und Rebernig appellieren daher an die Bäuerinnen und Bauern, am 25. Oktober zur Wahl zu gehen - auch, um die zuletzt auf 36,6 abgesunkene Wahlbeteiligung wieder zu steigern.

Die Struktur der Landwirtschaftskammer Kärnten

Vollversammlung. Alle fünf Jahre wählen die rund 17.500 Kärntner Bäuerinnen und Bauern in Kärnten ihre Standesvertretung. Am 25. Oktober 2026 ist es wieder so weit. Nach der Wahl werden 36 Kammerräte in die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Kärnten entsendet. Sie wählen aus ihrer Mitte den Präsidenten, die Vizepräsidenten und den Vorstand der Landwirtschaftskammer. Die weiteren Aufgaben der Kammerräte:

  • Beschlussfassung: Grundsätzliche Richtlinien der Kammerarbeit, Budgetvoranschlag und Rechnungsabschluss beschließen.
  • Interessenvertretung: Forderungen, Anträge und Resolutionen zur Verbesserung der Situation in der Land- und Forstwirtschaft formulieren.
  • Begutachtung von Gesetzen: Stellungnahmen und Vorschläge zu Gesetzesentwürfen und Verordnungen von Bund und Land erarbeiten.
  • Entsendung in Ausschüsse: Die Kammerräte arbeiten in zehn Fachausschüssen mit und entsenden Vertreter in wichtige agrarische Organisationen.

Kammeramt. Dieses besteht aus sechs Fachbereichen, zwei Außenstellen und drei Betrieben (Bildungshaus Schloss Krastowitz, Obst- und Weinbauzentrum in St. Andrä im Lavanttal und Land- und Forstwirtschaft am Gut Ossiacher Tauern mit Pferde-Aufzuchthof). Insgesamt sind bei der Landwirtschaftskammer Kärnten rund 180 Mitarbeiter beschäftigt.