Social Media: Die Altersgrenzen der Republik

Ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige ist sinnvoll. Eine höhere Altersgrenze könnte dagegen zu einem demokratiepolitischen Problem werden.
Rund 160 Stellungnahmen sind im Laufe der Begutachtungsfrist eingelangt – und die Regierung bekommt durchaus Lob für ihren Entwurf für ein Social-Media-Verbot für Kinder. Abgesehen von Datenschutzbedenken sind es aber vor allem Suchtexperten, die bei den Plänen Verbesserungspotenzial sehen: Die Altersgrenze bei 14 sei zu niedrig angesetzt, das Gehirn zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht fertig entwickelt.
In dieser Hinsicht würde wohl einiges für ein höheres Alterslimit sprechen. Die Möglichkeit, Social Media zu nutzen, unterscheidet sich allerdings in einem wesentlichen Punkt von Alkoholtrinken, Autofahren, dem Besitz von Waffen oder anderen Tätigkeiten, die in Österreich erst ab 16, 18 oder gar 25 erlaubt sind. Das hängt mit einer anderen entscheidenden Altersgrenze in der Republik zusammen: dem Wahlrecht ab 16.
Parteien nutzen Social Media intensiv
Ob soziale Medien mit ihren Echokammern und einem algorithmusbedingten Hang zur Aufregung der beste Ort für politische Meinungsbildung sind, sei dahingestellt. Die Parteien nutzen die Plattformen allerdings intensiv. Wer womöglich bis kurz vor dem Wahltag nicht sehen darf, was Kandidatinnen und Kandidaten auf Instagram, TikTok und Co. treiben, tut sich schwer, ein vollständiges Bild von Arbeit, Forderungen und Auftreten der Parteien zu bekommen.
Eine Social-Media-Altersgrenze bis 14 ist aus vielen Gründen sinnvoll, sei es das Suchtpotenzial der Plattformen, mögliches Mobbing oder die Gefahr von politischer Radikalisierung. Eine höhere Grenze könnte allerdings schnell zu einem demokratiepolitischen Problem werden.