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Was bleibt von zehn Jahren UN-Generalsekretär Guterres?

Zum letzten Mal wird António Guterres am Dienstag die UNO-Generalversammlung eröffnen. Nach zehn Jahren im Amt übergibt er Ende 2026 die Vereinten Nationen in der Krise.

António Guterres‘ Bilanz ist durchwachsen
© AFP/Fabrice Coffrini
António Guterres‘ Bilanz ist durchwachsen
Maria Schaunitzer
Außenpolitik und International

Seit António Guterres vor zehn Jahren das Amt des UN-Generalsekretärs übernommen hat, hat sich die Welt maßgeblich verändert. Angefangen von der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, der Corona-Pandemie, zahlreichen neuen Konflikten, wie dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Kriegen im Nahen Osten, bis hin zu rasanten Entwicklungen der KI. Die Welt ist heute eine andere, und auch der neunte Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlässt eine andere Staatengemeinschaft. Am kommenden Dienstag wird der Portugiese das letzte Mal einen seiner eindringlichen Appelle bei der UN-Generalversammlung an die Mitglieder richten.

Die UNO steckt in der Krise. Das kann man nicht beschönigen – auch ihr Generalsekretär weiß das. Der Frieden gerate immer weiter aus dem Blick und der Sicherheitsrat sei weitgehend blockiert, bedauerte António Guterres bereits vor einiger Zeit. Es gibt heute einen Rekordwert an Konflikten, erfolgreiche Friedensmissionen hinterlässt der 77-Jährige nicht.

Trump stürzte die UNO weiter in die Krise

Wenn man heute an die UNO denkt, denkt man eher an den Kampf gegen den Klimawandel und an humanitäre Hilfe. Auch das ist die Handschrift des Portugiesen. Eigentlich ist der am 30. April 1949 in Santos-o-Velho, Lissabon, geborene Guterres ein studierter Ingenieur, 1971 schloss er das Instituto Superior Técnico mit Höchstnoten ab. Seine Ferien verbrachte der Ex-Premier des Partido Socialista als Kind jedoch häufig auf dem Land. Das einfache Leben dort schärfte schon früh seinen Blick für die Ärmsten. Von 2005 bis 2015 war der Portugiese auch UN-Flüchtlingskommissar. Um den Planeten zu heilen, bemühte sich der vielsprachige Portugiese unermüdlich und lautstark um Kooperation, doch die Staatengemeinschaft scheint heute geteilter denn je.

Die Geringschätzung, die US-Präsident Donald Trump und seine Regierung der UNO entgegenbringen, schwächt die Organisation noch zusätzlich. Unter dem US-Präsidenten sind die USA erneut aus dem Klimaabkommen ausgestiegen. Auch aus der Weltgesundheitsorganisation zieht sich seine Regierung zurück. Zudem haben die USA die Finanzierung aller UN-Organisationen noch in der ersten Woche von Trumps zweiter Amtszeit blockiert oder gestrichen.

US-Präsident Donald Trump und UN-Generalsekretär António Guterres
© IMAGO/Bianca Otero
US-Präsident Donald Trump und UN-Generalsekretär António Guterres

Auch das Verhältnis der UNO zu Israel befindet sich auf einem historischen Tiefpunkt. Insbesondere nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 eskalierte der Konflikt zwischen der israelischen Regierung und dem UN-Generalsekretär bis hin zum vollständigen diplomatischen Bruch.

„Unsere Welt gerät aus den Fugen“, warnte ein sichtlich frustrierter Guterres vor dem Ende seiner Amtszeit. Das ist unübersehbar. Derzeit sucht die UNO nach einer Nachfolgerin für ihn. Die Aufgaben, die er hinterlässt, sind nicht weniger geworden. Doch er hinterlässt eine Staatengemeinschaft, die in ihren Grundzügen noch funktioniert und weiterhin alternativlos ist.