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Scheiblehner: „Nur gute Führungskräfte erkennen den Wert ehrlicher Rückmeldungen“

GAK-Trainer Gerald Scheiblehner spricht von Leadership, nervigen Spieler-Eltern, seinen Erfahrungen in der Schweiz und den Möglichkeiten, die er bei den Rotjacken sieht.

Gerald Scheiblehner blickt optimistisch in die Zukunft
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Gerald Scheiblehner blickt optimistisch in die Zukunft

Was haben Sie mit Bruno Kreisky gemein?

Gerald Scheiblehner: Ich kenne Bruno Kreisky nur als sehr guten Politiker, der volksnah war. Er hat die Geschichte geprägt in unserem Land und war, glaube ich, ein sehr sozialer Mensch, und das ist zumindest eine Erwartungshaltung an mich selbst, dass ich auch sozial und ein guter Leader bin.

Sie haben wie Kreisky den Mostdipf-Preis erhalten, der in Oberösterreich jährlich an Persönlichkeiten vergeben wird.

Das wusste ich nicht.

Sind Sie ein sozialer Typ?

Ja, ich denke schon. Aber sozial darf man nicht mit weich verwechseln. Ich denke, dass man bei drei Kindern in der Familie viel im Umgang lernt. Man muss Konflikte gemeinsam lösen. Das ist in einer Mannschaft nicht anders, da muss man je nach Konstellation die Spieler teilhaben lassen. Ich denke, dass es wichtig ist, eine klare Linie vorzugeben. Aber je nach Mannschaft und ihrer Zusammenstellung sollte man die Mannschaft teilhaben lassen. Unter sozial verstehe ich, dass man wertschätzend miteinander umgeht.

Wenn man eine Mannschaft übernimmt, stehen dann zuerst die menschlichen Dinge im Vordergrund oder rein die sportlichen?

Ganz klar steht das Sportliche im Vordergrund. Denn die Menschen kannst du erst mit Fortdauer der Zeit kennenlernen, das braucht einige Zeit bei etwa 35 Leuten. Du musst schauen, was du in einer kurzen Phase verbessern kannst. Welche Persönlichkeiten habe ich im Team, sind beispielsweise ängstliche Typen dabei. Dann entwickelst du ein Gefühl. Ich denke, das haben wir in den ersten drei Wochen gut hingebracht.

Haben Sie den GAK schon länger beobachtet?

Ich habe die Mannschaft genau analysiert und habe mir ein sehr gutes Bild gemacht. Und wenn du übernimmst, überlegst du, ob der eine oder andere Spieler auf einer anderen Position besser zur Geltung kommt. Jetzt müssen wir schauen, dass wir dranbleiben.

Gerald Scheiblehner im Jahr 1998
© GEPA
Gerald Scheiblehner im Jahr 1998

Warum ist Ihre Entscheidung auf den GAK gefallen?

Ich gehe gerne zu Vereinen, wo etwas los ist, in denen man etwas entwickeln kann und in denen ich eine gewisse Macht habe. Denn nur mit einer gewissen Macht kannst du etwas verändern. Und extrem wichtig war mir, dass ich meine Co-Trainer mitnehmen konnte. Die Menschen in meinem engsten Umfeld sind mir sehr wichtig.

Was trauen Sie dem GAK zu? Nicht nur kurz-, sondern auch mittel- und langfristig?

Langfristig heißt im Fußball zwei Jahre. Ein Trainer in Europa ist im Durchschnitt ein bis zwei Jahre im Amt. Ich traue dem GAK zu, dass man zumindest immer Jäger der Top 6 ist und dass man auch immer wieder mal überraschen kann. Wir müssen es schaffen, dass wir einfach die Top-Teams an einzelnen Spieltagen schlagen. Das muss sein. Solche Highlights fesseln auch die Fans.

Die emotionalen Schwankungen bei Anhängern sind ausgeprägt. Wie gehen Sie damit um?

Fans und Sponsoren dürfen jammern, das ist Teil des Fußballs. Aber die sportlich Verantwortlichen müssen positiv bleiben. Jammerer und Zweifler haben keinen Platz.

Sie halten nichts von sozialen Medien, sind aber dennoch auf Instagram.

Meine ehemalige Agentur hat mir das nahegelegt. Jetzt betreut mein Sohn meinen Account und verdient sich etwas dazu. Ich lese mir den Inhalt durch und entscheide, welcher Text erscheint.

Die Menschen in Ihrem unmittelbaren Umfeld sind Ihnen wichtig. Wer, abgesehen von der Familie, gehört da dazu?

Wenn man zwei, drei gute Freunde hat, ist das wichtig. Es ist auch angenehm, wenn man nicht immer über Fußball redet.

Werner Zöchling ist auch eine Vertrauensperson von Ihnen?

Vor etwa 15 Jahren habe ich bei einem Symposium teilgenommen, das 300 oder 500 Euro gekostet hat. Ich war der einzige Teilnehmer, der das Geld von einem privaten Konto überwiesen hat, alle anderen Gelder sind über Firmen gekommen. Werner Zöchling hat mich daraufhin gesucht und daraus ist eine Freundschaft entstanden. Er ist ein Soziologe, der sehr viel Erfahrung in Team- und Persönlichkeitsentwicklung hat. Er ist ein Wegbegleiter und wir tauschen uns regelmäßig aus.

Externer Input, Fortbildung, Weiterbildung - ist das etwas, was Sie generell anspricht?

Auf jeden Fall. Ich glaube, als Trainer oder grundsätzlich als Führungskraft bekommt man wenige ehrliche Rückmeldungen. Nur gute Führungskräfte erkennen den Wert von ehrlichen Rückmeldungen und entwickeln sich weiter.

Sie haben sich vom Jugendtrainer in die Bundesliga entwickelt und auch im Ausland gearbeitet. Haben Sie diese Karriere erwartet?

Im Nachwuchs hörte ich auf, weil ich die Eltern einfach nicht mehr ausgehalten habe, viele überschreiten ihre Grenzen. Oft wollen sie dann ihre eigenen gescheiterten Karrieren durch die Kinder wettmachen, und das finde ich schade. Mit ihrem übertrieben Ehrgeiz tun sie ihren Kindern nichts Gutes.

Wallern-Spieler Gerald Scheiblehner (rechts) im Cup gegen Sturms Günther Neukirchner
© GEPA
Wallern-Spieler Gerald Scheiblehner (rechts) im Cup gegen Sturms Günther Neukirchner

Wie viel mussten Sie in der Schweiz aushalten? Wie bewerten Sie Ihr Engagement bei Grasshopper Zürich?

Es war ein riesiger Aufwand zu Beginn und das war einfach sehr harte Arbeit. Aber ich habe extrem viel mitgenommen und bin dankbar, dass ich bei so einem Verein wie Grasshopper Zürich arbeiten konnte. Der Fußball war anders, die Journalisten waren anders. Das war ein Learning für mich.

Von Zürich zurück nach Graz. Erinnern Sie sich noch an den ersten Kontakt mit dem GAK?

Das war mein erstes und letztes Bundesliga-Spiel. Es war am 28. August 1998. Wir haben mit der Wiener Austria in Graz 0:0 gespielt.

Sie waren 15 Minuten auf dem Platz.

Leider! Ich war für die Startelf geplant, aber der Trainer hatte keinen Mut bewiesen und hat sich für die defensivere Variante entschieden. Das Erlebnis war cool, meine Karriere eher kurz.

Jetzt ist es wieder der GAK. Graz ist für Sie eine lebenswerte Stadt?

Graz ist für mich top. Man kann sich überall hinsetzen, essen, trinken und die Leute beobachten, auch das ist spannend.

Sind Sie ein Genussmensch?

Man muss Siege schon genießen. Ich glaube, wenn man als Trainer Siege nicht mehr genießen kann, muss man aufhören. Es gibt Phasen, in denen es nicht so gut läuft. Aber wenn man gewinnt, dann finde ich, dass man auch feiern gehen muss. Nicht immer, aber das ist schon ein wichtiger Teil. Das Leben soll ja auch Genuss beinhalten.