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Die Freundschaft, die aus dem Krieg entstand

Die Ukrainerin Olga und die Österreicherin Helga verbindet eine tiefe Freundschaft. Ohne den Krieg in Olgas Heimat hätten sich die zwei Frauen nie kennengelernt.

Olga (links) und Helga (rechts) verbindet eine tiefe Freundschaft
© Daniel Winter
Olga (links) und Helga (rechts) verbindet eine tiefe Freundschaft
Tobias Kurakin
Redakteur Steiermark-Ressort

Das war alles nicht geplant, alles nicht vorhersehbar. Dass die Ukrainerin Olga und die Wahlsteirerin Helga hier auf einer Bank am Grazer Augarten sitzen, sich die Sonne ins Gesicht strahlen lassen und miteinander über ihre Freundschaft sprechen, ist das Produkt aus vielen Faktoren. Einer davon ist der Krieg in der Ukraine. Ohne den Überfall Wladimir Putins auf das Nachbarland wäre Olga vor viereinhalb Jahren nicht nach Österreich gekommen. Sie hätte sich nicht bei der Caritas gemeldet und sie hätte nicht Helga kennengelernt.

Zu Beginn ihrer Freundschaft steht ein Formular des Caritas-Projekts „Malala im Museum – Patenschaften von Frau zu Frau“. Das Ziel davon: Frauen ab 16 Jahren sollen mit Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung eine Patenschaft gründen, gemeinsam Aktivitäten unternehmen, Deutsch sprechen und im besten Fall eine Freundschaft aufbauen. Das Universalmuseum Joanneum begleitet das Projekt, sponsert eine Jahreskarte für die Museen, sodass gemeinsame Aktivitäten leichter werden. Im Formular, das Helga, die sich für das Projekt meldet, bekommt, wird Olga beschrieben. Ohne Foto, ohne Namen. Wenige Sätze erzählen jedoch von Olgas Lebensgeschichte. Im Formular steht, dass die heute 54-jährige Ukrainerin aus Kiew stammt, als Lehrerin und als Reisemanagerin gearbeitet hat. Das Formular beschreibt Olga als kulturinteressiert, reiselustig und intelligent.

Die Kunst verbindet

Die heute 71-jährige Helga erkennt Parallelen zu ihren Interessen, ihren Hobbys. Die beiden Damen treffen sich, es macht klick. Helga hat jahrelang in Polen gearbeitet, hat ein Interesse für die slawische Kultur und ein Herz für Menschen. Wenn die beiden Frauen über den Anfang ihrer Freundschaft sprechen, wird einem klar: Da haben sich zwei gefunden. Helga spricht von ihrem großen Interesse an Kunst, Olga spricht davon, dass sie selbst malt. Helga wischt auf ihrem Handy herum, zwei Klicks braucht sie, um zu finden, was sie gesucht hat. Sie zeigt Fotos von Olgas Bildern. Kräftige Zwetschkenbäume, dunkelblau, auf mattem beigen Hintergrund hat Olga auf einer Leinwand festgehalten. „Sie ist eine großartige Malerin, hat enormes Talent“, sagt Helga. Olga lächelt verlegen.

Olgas Gemälde von einem Zwetschgenbaum
© privat
Olgas Gemälde von einem Zwetschgenbaum

Klar ist: Sozialkontakte erleichtern die Integration. Gerade beim Spracherwerb helfen Sparringspartner, die eine emotionale Bindung zum Gegenüber aufbauen. Aktuell befinden sich mehr als 360 Frauen in Caritas-Patenschaften. Im Idealfall entsteht eine Freundschaft, die nicht nur Integration erleichtert, sondern das ganze Leben bereichert. Olga atmet durch, blickt auf Helga, wartet kurz, überlegt und sagt: „Helga hat mir einen Halt gegeben. Als ich nach Österreich gekommen bin, hatte ich nichts, ich war einsam und mit meinen Gedanken verloren. Helga hat mich aufgefangen.“.

Sie ist eine großartige Malerin, hat enormes Talent.

— Helga über Olga

Helga trägt eine luftige, helle Hose, Olga eine enge schwarze Jeans. Olgas Haar ist schulterlang goldblond, Helgas Haare kurz weiß. Olga hat sich einen hellblauen Blazer über das weiße T-Shirt gezogen, Helga trägt ein schwarzes Langarm-Shirt. Die Unterschiede sind kein Kontrast, vielmehr sind sie die Vollendung der anderen. Die beiden Damen erzählen nicht nur voneinander, sie schwärmen voneinander. Olga betont Helgas Großherzigkeit, ihre positive Ausstrahlung. „Sie ist ein unfassbar freundlicher, liebenswerter und hilfsbereiter Mensch – nicht nur bei mir, sondern bei allen“, sagt sie. Helga schmunzelt geschmeichelt und betont Olgas Eifer, ihre Ehrlichkeit und Ruhe. „Es ist schön eine Freundin zu haben, auf die man bauen kann, der man vertrauen kann, die einfach da ist“, sagt Helga.

Sie ist ein unfassbar freundlicher, liebenswerter und hilfsbereiter Mensch – nicht nur bei mir, sondern bei allen.

— Olga über Helga

Das Gute ist: Freundschaften muss man nicht planen. Sie passieren einfach. Man wächst zusammen, lernt zusammen, lacht zusammen. Bei Helga und Olga geht es längst nicht mehr um Olgas Integration in Österreich zu erleichtern. Helga sagt: „Zu Beginn war es ein Engagement, wieso ich mich mit Olga getroffen habe, jetzt ist es ein Bedürfnis.“.