Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Waldforscher für Artenvielfalt-Förderung "auf allen Ebenen"

Wie man die vielen Anforderungen an Europas Wald in Zeiten des sich verändernden Klimas unter einen Hut bringen könnte, hat ein Forschungsverbund untersucht. Fündig wurde man etwa im Vorarlberger Bregenzerwald, hieß es bei der Präsentation der Studie von Teaming up 4 Forests (TU4F), einer von der International Union of Forest Research Organizations (IUFRO) und dem Verpackungs- und Papierkonzern Mondi gegründeten Plattform. Artenvielfalt müsse mehr als "Asset" gesehen werden.

Im Bregenzerwald wird auch traditionell viel mit Holz gebaut
© APA/THEMENBILD
Im Bregenzerwald wird auch traditionell viel mit Holz gebaut

Die Finanzierung der Studie erfolgte durch die Firma Mondi, für die Durchführung zeichnet die in Wien ansässige IUFRO verantwortlich. Das TU4F-Waldforschungs-Netzwerk habe die umfassende Untersuchung unabhängig durchgeführt, wie in einer Aussendung betont wurde.

Ausgangspunkt dafür war das Faktum, dass die Ansprüche an die Wälder hoch seien: Vom touristischen Erholungsraum über den Klimaschutz bis zum Bereitsteller von Rohstoffen für allerlei Produkte reichen sie. Gleichzeitig kämpfen vor allem Europas Forste mit den in unseren Breiten besonders schnell fortschreitenden klimatischen Veränderungen mit stark gestiegenen Durchschnittstemperaturen und zunehmendem Extremwetter - von Dürre über Starkregenereignisse bis hin zu Windwurf, hieß es im Rahmen der Präsentation der Studie "Productive and Biodiverse: Managing Europe's Forests for Economic and Ecological Outcomes" vor Journalisten.

Es gebe kein Patentrezept, mit dem all die Ansprüche bedient werden können, betonten die Forschenden, Frank Krumm von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und Zuzana Dobšinská von der Technischen Universität Zvolen (Slowakei). Wie es regional abgestimmt gehen kann, lasse sich aber beispielsweise im Bregenzerwald beobachten: Hier verzeichne man traditionellerweise ein Dutzend Baumarten in den Wäldern. Der Artenreichtum macht den Forst widerstandsfähiger. Kommt eine Baumart durch geänderte Bedingungen oder Schädlinge unter Druck, gefährde das nicht gleich das gesamte Gefüge, wie etwa in den vielerorts lange dominanten Fichtenmonokulturen. Außerdem sei das Waldmanagement im Bregenzerwald "recht naturnahe" angelegt. Und: Das lokale Wirtschaftssystem setze auf die langfristige Nutzung des Holzes. So werde eben viel mit Holz aus der Region gebaut, erklärte Krumm.

Das ist auch im Sinne des Klimaschutzes, da in dem Rohstoff gespeicherter Kohlenstoff so sehr lange nicht durch Verbrennen wieder in die Atmosphäre gelangt und dort das Klima in Form von Treibhausgasen schädigt. Gleichzeitig wächst neuer Wald nach und bindet wieder neuen Kohlenstoff. Das Beispiel Bregenzerwald zeige, dass es ein "gutes Netzwerk" und gut abgestimmte Verwertungsketten zur sinnvollen Verwertung des Holzes benötige. Um so etwas zu etablieren, brauche es ergo "vielleicht auch unpopuläre Entscheidungen" - also beim Gebäudebau möglicherweise eher in Richtung jemandes aus der Region zu entscheiden, der sich auf Holzbau und die Substitution klimaschädlicherer Baustoffe versteht, so der WSL-Forscher. Damit so etwas aber funktioniert, müsse auch die Politik Anreize bieten.

Klar sei, dass sich angesichts von Verheerungen, die in den neuen, wärmeren Umfeldern vor allem Borkenkäfer angerichtet haben, möglichst alle, die mit dem Wald zu tun haben, zusammensetzen sollten, um über die künftige Nutzung zu sprechen. Nachdenken sollte man etwa über die Koexistenz von geschützten Flächen und dezidierten Wirtschaftswäldern, die eben nicht unbedingt wie Plantagen aussehen müssen.

Wenn bestimmte Arten, wie zum Beispiel die Fichte in tieferen Lagen klar zurückgehen oder gar verschwinden, könne man auch an die Etablierung von nicht-heimischen Arten denken. Hier benötige es aber viel Forschung, um nicht quasi dem versteckten Teufel den Teppich auszurollen, so Krumm.

Alles in allem gehe es nun vielerorts darum, Vertrauen unter den verschiedenen "Stakeholdern" aufzubauen und eben "Biodiversität als Asset" zu erkennen, sagte Dobšinská: "Integratives Waldmanagement" fördere langfristig gesehen den wirtschaftlichen Ertrag und die Vielfalt des Ökosystems. Während in den vergangenen Jahrzehnten vielfach die "Uniformität" von Wäldern auch politisch forciert wurde, gehe es jetzt um das Fördern von "Artenvielfalt auf allen Ebenen", betonte Krumm.

(S E R V I C E - Der Bericht online: https://teamingup4forests.com/resources/productive-and-biodiverse )