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SK Sturm: Eine Momentaufnahme, die Lust auf mehr macht

Die beiden Duelle mit LASK und Stade Rennes deuten das Potenzial des schwarz-weißen Kaders an. Warum dieses bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist.

Innenverteidiger Joshua Quarshie ist bislang eine positive Erscheinung
© APA
Innenverteidiger Joshua Quarshie ist bislang eine positive Erscheinung

Auch wenn Fabio Ingolitsch angesichts des Auftretens in der Schlussphase zwei weiteren Punkten nachtrauerte, war das 0:0 beim Europa-League-Auftakt gegen Stade Rennes erstens leistungsgerecht und zweitens nach dem 2:1-Erfolg gegen Meister LASK ein weiteres Indiz dafür, dass sich dieser im Transfer-Endspurt abermals veränderte Kader immer besser findet. Das ergebnistechnische Tief Ende August scheint überwunden zu sein.

„Wenn ich bedenke, wie viel Potenzial wir momentan noch gar nicht ausschöpfen können, macht das schon Lust auf mehr“, gibt der Trainer zu Protokoll, wie viel Spaß ihm die Arbeit mit seiner Mannschaft aktuell macht. Die Momentaufnahme ist in der Tat nicht nur aufgrund der Ergebnisse eine erfreuliche.

Fabio Ingolitsch trauerte einem Sieg gegen Stade Rennes nach
© IMAGO
Fabio Ingolitsch trauerte einem Sieg gegen Stade Rennes nach

Das betrifft etwa die Last-Minute-Zugänge. Sowohl Joshua Quarshie, Oumar Diakité und Valmir Matoshi deuteten in den vergangenen Tagen an, dass sie eine Bereicherung für die Grazer sein können. Wobei die beiden Ersteren noch gar nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind und Quarshie ursprünglich gar nicht hätte durchspielen sollen, aber wegen der Achillessehnenprobleme von Albert Vallci musste.

Ich bin noch nicht so lange dabei, aber es fühlt sich an, als wäre ich seit einem Jahr hier.

— Valmir Matoshi

„Ich hoffe, dass es Werbung in eigener Sache war“, erklärte Matoshi nach der Begegnung gegen Rennes und stellte fest, dass Sturm über einen Kader verfügt, in dem man nicht allzu viel Anlaufzeit benötigt, um menschlich anzukommen: „Ich bin noch nicht so lange dabei, aber es fühlt sich an, als wäre ich seit einem Jahr hier. Ob die Jungs oder der Staff: alles top Menschen.“

Das Trio hat zumindest die Anlagen, einen deutlichen Mehrwert auf dem Weg zum Ingolitsch-Ziel darzustellen, über ein starkes Kollektiv zu kommen. „Damit wir wegkommen davon, dass wir von Einzelpersonen abhängig sind“, so der Salzburger. Es ist keine allzu gewagte Prognose, dass die Mehrheit in diesem Zusammenhang zuerst an Otar Kiteishvili denkt.

Daniil Khudyakov demonstrierte einmal mehr seine gute Entwicklung
© IMAGO
Daniil Khudyakov demonstrierte einmal mehr seine gute Entwicklung

Mit gutem Recht, denn der Georgier ist nicht umsonst seit Jahren Sturms Um und Auf. In der Vorsaison hielt er Schwarz-Weiß als Torschützenkönig mehr oder weniger im Alleingang bis zum letzten Spieltag im Titelrennen. In dieser Saison kommt er nach langwierigen Wadenproblemen bislang auf drei Pflichtspiel-Einsätze für insgesamt 87 Spielminuten. Gegen Rennes stand Kiteishvili freiwillig nicht im Spieltagskader. „Er hat von sich aus die Entscheidung getroffen, dass es für ihn besser ist, dieses Spiel auszulassen und für Sonntag wieder ein Thema zu sein, weil er sich noch nicht in der Lage fühlt, alle drei Tage diese Belastung zu gehen“, verdeutlicht Ingolitsch.

Dass Sturm besser für ein Fehlen des Unterschiedsspielers gerüstet scheint, ist einer der Fortschritte der bisherigen Spielzeit. Wenn man die Anlaufschwierigkeiten des Starspielers, die Schulterverletzung von Seedy Jatta, die anhaltenden körperlichen Probleme von Nelson Weiper und die Rekonvaleszenz von Leon Grgic einrechnet, sollte klar sein, warum der Chefcoach noch brachliegendes Potenzial ortet. Darüberhinaus scheint international auch Axel Kayombo wieder dazuzukommen, dessen Türkei-Transfer endgültig gescheitert ist und der für den Europa-League-Kader nachnominiert werden könnte.

Daniil ist in diesem Kalenderjahr das erste Mal in diese Rolle geschlüpft, und wenn man ganz ehrlich ist, hat niemand gewusst, was dabei rauskommt.

— Fabio Ingolitsch

Als Rückhalt dieses Kollektivs diente auch gegen Rennes Daniil Khudyakov. Der Reifeprozess des 22-Jährigen schreitet unverändert fort, auch wenn Ingolitsch der Meinung war, dass der Tormann gegen die Franzosen bis auf die Doppelchance nach der Pause alle Schüsse auf sein Gehäuse halten musste: „Aber das war ein spielentscheidender Big Save.“ Generell sieht der 34-Jährige beim Russen „eine fantastische Entwicklung. Er ist in diesem Kalenderjahr das erste Mal in diese Rolle geschlüpft, und wenn man ganz ehrlich ist, hat niemand gewusst, was dabei rauskommt.“ Umso erfreulicher sind Khudyakovs Fortschritte. Sollten seine Vorderleute als Mannschaft in einem ähnlichen Tempo reifen, gibt es tatsächlich guten Grund für Optimismus. Aber um von Konstanz sprechen zu können, braucht es noch regelmäßiger Auftritte wie zuletzt.