Auch auf Baustellen soll Diesel dem Strom weichen
Vom teilautonomen Straßenbau über E-Mobilität am Bau bis hin zu modular errichteten Brücken: Der größte Baukonzern des Landes zeigt seine jüngsten Innovationen.

Bei der letzten Leistungsschau zu Innovationen des größten heimischen Baukonzerns Strabag 2024 stand noch ein gigantischer Radlader im Fokus, betrieben mit Wasserstoff. Im Einsatz ist er im Steinbruch in Gratkorn. Doch Wasserstoff hat bei klimaschonender Mobilität am Bau nicht mehr die Pole-Position.
In nur zwei Jahren holte die Elektromobilität nicht nur auf den Straßen massiv auf, sondern auch auf Baustellen. In Prag präsentiert die Strabag verschiedene Baumaschinen und -fahrzeuge, die mit Strom betrieben werden. „Nichts davon konnte man vor zwei Jahren kaufen“, erzählt Marco Xaver Bornschlegl, der die Innovation und Digitalisierung bei der Strabag verantwortet. Elektrifizierung sei ein zentraler Hebel, um den enormen Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren. Der globale Gebäude- und Bausektor verursacht schließlich 38 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen.
Praxistext bereits bestanden
Adrian Krystyn zeigt auf einen mächtigen 25-Tonnen-Radlader chinesischer Provenienz. Den Praxistest hat das Riesengerät von LiuGong im slowenischen Steinbruch Lukovica bereits bestanden. Er verbraucht 40 kWh pro Stunde, sein dieselbetriebenes Pendant 15 Liter. Die Batterie hält elf Stunden durch.

Im Echteinsatz ist auch ein elektrisch betriebener Mobilbagger von Liebherr, ein Vorseriengerät. „Wir sind froh über europäische Partner“, betont Krystyn. Bis 2040 soll rund die Hälfte der großen und kleinen Baumaschinen elektrisch betrieben werden, gibt Strabag-CEO Stefan Kratochwill die Richtung vor. Einige Gerätegruppen können zur Gänze elektrifiziert werden, andere nicht. Die hohen Dieselpreise und günstigere Wartungskosten seien ein zusätzliches Argument für Stromer.
Teilautonomer Straßenbau
Baufahrzeuge und -maschinen werden aber nicht nur elektrifiziert, sondern auch (teil-)autonom. Mit dem semiautonomen Straßenfertiger sei es möglich, dass zwei statt drei Personen Asphalt aufbringen, künftig soll das riesige Gerät nur mehr von einer Person bedient werden können. Gleichzeitig steigen die Qualität und die Sicherheit beim Einsatz bei großer Hitze, erklärt Florian Ley.
Dutzende Innovationsprojekte stellt die Strabag in Prag aus, viele davon beschäftigen sich mit der Digitalisierung am Bau. Ein „Riesenthema sind Fertigteile“, sagt Kratochwill. Serielles Planen und Bauen soll den Wohnbau schneller und leistbarer machen, modulare Systeme den Brückenbau. Besonders bedeutend sei das in Deutschland, wo die Lage der Infrastruktur prekär sei, so Kratochwill: 18.000 Brücken sind zu sanieren oder zu ersetzen, pro Jahr sollen nun 400 Brücken erneuert werden. Vorgefertigte, in Modulen zerlegte Teile reduzierten die Bauzeit beispielsweise von vier Monaten auf vier Wochen. Vor Ort reichten dann oft Montageteams.

KI-gestütztes Tool für Planer und Architekten
Auf der A10 bei Spittal bereits praxiserprobt sind digitale Mess- und Analyseverfahren, um den Zustand ganzer Straßen bzw. Fahrbahnen zu erfassen und in 3D abzubilden, erzählt Jacob Zurl. Gemeinsam mit der Asfinag setze man Bodenradar, Laserscanning und digitale Modelle bereits ein – das spare Material und beschleunige die Bauarbeiten. Schon in der Frühphase eines Bauprojekts kommen „Generative Design“ und der „Bestand-Check“ zum Einsatz. Bei Letzterem setzt die Strabag auf den milliardenschweren Trend zum Bauen im Bestand. Mit 3D-Laserscans und einer Art „Ultraschall“ werden vorhandene Gebäude auf Herz und Nieren geprüft. Planer und Architekten erhalten ein KI-gestütztes Tool, das ausgehend vom Bebauungsplan zahllose Optionen aufzeigen soll, erzählt Jacob Wegerer.
CO2-reduzierter Beton
Die präsentierten Innovationen beziehen sich auch auf Materialien und Geschäftsmodelle. Dem beliebtesten Baustoff der Welt, Beton – der wenig klimafreundliche Eigenschaften besitzt – gelten weitere Forschungsprojekte. Ziel ist, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren, etwa durch alternative Rohstoffe und die Senkung des Klinkeranteils. Mit dem „Immokraftwerk“ errichtet die Strabag Energiezentralen bei größeren Objekten wie Bürokomplexen und Quartieren. Die Idee dahinter: Die Nutzer zahlen für den Betrieb eine planbare „Flatrate“. Erste konkrete Aufträge gebe es bereits, schildert Michael Bednar.
„Das gibt uns Sicherheit“
Kratochwill, seit Februar 2025 CEO der Strabag, ist mit dem laufenden Geschäftsjahr sehr zufrieden. Mehr als 14.000 Baustellen pro Jahr, eine erwartete Bauleistung von 23 Milliarden Euro, die EBIT-Marge steigt auf 5,5 bis 6 Prozent. Stark gewachsen ist der Auftragsbestand der Strabag um mehr als ein Viertel auf 36 Milliarden Euro: „Das gibt uns Sicherheit“, sagt Kratochwill. Die Strabag beschäftigt aktuell rund 90.000 Mitarbeiter.
Momentan sind sehr viele Aufträge am Markt.
— Stefan Kratochwill, Strabag-CEO
Deutlich mehr Geld für Infrastruktur
Spürbar gestiegen sind die staatlichen Budgets für Infrastruktur in Deutschland: um 30 bis 35 Prozent, so der Strabag-CEO. „Momentan sind sehr viele Aufträge am Markt.“ Und die großen Infrastrukturbudgets sollen erst 2027/2028 fließen. „Wir können uns nicht beklagen“, sagt Kratochwill. Anders gelagert sei es in Österreich, wo das Budgetdefizitverfahren „über allem hängt“. Gerade bei Bundes- und Landesstraßen müsse in der Sanierung ein Zahn zugelegt werden: „Wir investieren zu wenig in Straßen.“ Und auch der Wohnungsneubau lahme weiter aufgrund der zu hohen Zinslandschaft.
Weitere Zukäufe im Ausland
Positiv entwickelten sich für die Strabag die neu erworbenen Beteiligungen in Großbritannien und Australien. Weitere Zukäufe stünden womöglich bevor. Übernahmen in den USA seien hingegen weiter kein Thema. Viel Geld fließt in Europa in den Bau von Rechenzentren und Halbleiterfabriken. Bei sogenannten „Hightechbauten“ ist die Strabag gut im Geschäft, wie auch bei Produktionshallen, Kliniken und ähnlichen technischen Gebäuden. Kratochwill sieht eine Reihe weiterer Wachstumsfelder, etwa die Dekarbonisierung von Gebäuden (also deren Renovierung), die Errichtung und Sanierung von Energieinfrastruktur und PPP-Projekte mit der öffentlichen Hand, etwa zur Trinkwasserversorgung von Manchester.