Frage nach Motiv steht im Zentrum des Mordprozesses in Leoben
Am Montag steht die 39-jährige Leobener Mutter wegen Mordes vor dem Geschworenensenat am Landesgericht Leoben, die ihren elfjährigen Sohn mit zahlreichen Messerstichen getötet hat.
„Kein Mensch weiß, was diese Frau geritten und zu dieser Wahnsinnstat getrieben hat“, sind sich nicht nur die professionellen Prozessbeobachter einig. Ganz klar: Die Frage nach dem Motiv und den Hintergründen wird bei dem Mordprozess im Zentrum stehen, der am Montagfrüh startet.
Wegen Mordes vor Gericht
Jene 39-jährige Mutter, die Ende Jänner 2026 ihren elfjährigen Sohn mit zahlreichen Messerstichen in der gemeinsamen Wohnung in Leoben ums Leben gebracht hat, muss sich wegen der Bluttat vor einem Geschworenensenat, der von Strafrichter Roman Weiß geleitet wird, verantworten.
Seit einem guten halben Jahr beschäftigt die Menschen in Leoben und darüber hinaus die Frage nach dem Warum am allermeisten. Nachdem die Mutter bereits im Pflichtverhör durch den Untersuchungsrichter zugegeben hatte, ihren Sohn getötet zu haben, war bis zuletzt vollkommen im Dunkeln, warum sie ihn getötet hat. Die Frau selbst setzte noch einen Notruf ab, für den Buben kam aber jede Hilfe zu spät.
Lange äußerte sich die 39-Jährige bei weiteren polizeilichen Einvernahmen nicht zur Motivlage. Bei einem Verhör durch Beamte des Landeskriminalamtes machte sie dann doch Angaben. Allerdings wollte die Staatsanwaltschaft Leoben vor dem Prozess keine detaillierteren Auskünfte zu dieser heiklen Frage geben.
Motivlage noch immer unklar
„Pauschal kann man sagen, dass die Frau angegeben hat, dass sie ihren Sohn vor einem schlechten Leben bewahren wollte“, so Staatsanwalt Andreas Riedler Ende Juli im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Was und wie genau die Angeklagte bei dem Prozess aussagen wird, ist freilich vollkommen offen.
Nach umfassenden psychiatrischen Gutachten scheint klar, dass die 39-Jährige zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig gewesen sein muss. Außerdem belegt ein toxikologisches Gutachten, dass sie auch nicht durch Alkohol, Drogen oder andere Substanzen beeinträchtigt gewesen ist.
Großes öffentliches Interesse
Fest steht auch, dass das öffentliche Interesse an dem Mordprozess groß und der Saal C im Justizzentrum Leoben bestimmt bis auf den letzten Platz gefüllt sein wird. Im Zuge der Verhandlung wird sich zeigen, ob streckenweise bei sehr persönlichen Dingen ein Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt wird. Auf einen gänzlichen Ausschluss der Öffentlichkeit deutet indes nichts hin.
Ein Urteil im Prozess, in dem nicht nur die 39-Jährige befragt wird, sondern auch etliche Gutachter zu Wort kommen werden, wird noch für den Montag erwartet.