Tagelange Brände an der Amalfiküste: „Kriminelle Aktion“
Die Amalfiküste in Italien ist seit Montag von mehreren Waldbränden betroffen. Flammen bedrohten Häuser und Hotels. Spekulationen über Brandstiftung.

Die Amalfiküste brennt. Seit Montagabend kämpfen zahlreiche Feuerwehren ohne Unterbrechung gegen mehrere Waldbrände in der Urlaubsregion im Süden von Italien. Starke Winde schürten die Flammen immer wieder an und erschwerten die Löscharbeiten im steilen Küstengelände.
Wo es möglich war, wurden Hubschrauber und Löschflugzeuge eingesetzt. „Wir haben die regionalen Luftmittel aktiviert und die Unterstützung der nationalen Flotte angefordert, während am Boden ein umfangreiches Freiwilligenkontingent im Einsatz ist. Die starken Windböen erschweren die Arbeiten erheblich, doch die Einsätze gehen auf alle Fronten ohne Unterbrechung weiter“, sagte Fiorella Zabatta, Regionalrätin für den Katastrophenschutz.
Evakuierungen
Es war eine Nacht der Angst, in der die Flammen bis dicht an die Häuser heranreichten.
— Gabriella Guida, Bürgermeisterin von Positano
Zahlreiche Brandfronten reichten bis Mittwoch dennoch an Häuser und Hotels und bedrohten etwa die Gemeinden Positano, Amalfi, Tovere oder Tordigliano. In Agerola wurden Anrainer und Urlauber evakuiert. Am Mittwoch mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden.
„Es war eine Nacht der Angst, in der die Flammen bis dicht an die Häuser heranreichten“, erklärte Gabriella Guida, Bürgermeisterin von Positano, gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. In einigen Beherbergungsbetrieben haben sich angesichts der Bedrohung durch die Flammen Gäste freiwillig entschieden, frühzeitig und eigenständig abzureisen.
Die Amalfiküste
Die Amalfiküste ist ein atemberaubender Küstenabschnitt an der Südseite der Sorrentiner Halbinsel in Italien, der für seine dramatischen Klippen und malerischen, bunten Dörfer bekannt ist. Entlang der steilen Hänge schmiegen sich weltberühmte Orte wie Positano und Amalfi, die mit ihren engen Gassen, geschichtsträchtigen Kirchen und dem Blick auf das tiefblaue Mittelmeer jährlich Millionen von Besuchern verzaubern. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen landschaftlichen Schönheit und kulturellen Bedeutung gehört die Region seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Brandstiftung?

Derzeit werden weder Schäden an Wohngebäuden noch Verletzte verzeichnet, teilte die Feuerwehr mit. Die meisten Brände konnten mittlerweile unter Kontrolle gebracht werden, die starken Winde sorgen aber weiterhin für ein erhöhtes Risiko.
Das war eine kriminelle Aktion. Jemand hat das Feuer gelegt.
— Luca Mascolo, Bürgermeister von Agerola
Der Grund für das Entstehen der Brände ist noch unklar. Aufgrund der zuvor relativ kühlen Temperaturen und den zeitnahen Ausbrüchen an mehreren Stellen gehen die Gemeindeverantwortlichen aber von gezielter Brandstiftung aus. Luca Mascolo, Bürgermeister von Agerola, sagte gegenüber Corriere della Sera: „Das war eine kriminelle Aktion. Jemand hat das Feuer gelegt." Der Gemeindechef von Amalfi, Daniele Milano, meinte, er wisse zwar nicht wer oder was hinter den Bränden stecken würde, er sei sich aber sicher, „es war kein natürliches Feuer“.
Enorme Schäden
Auch für Gabriella Guida spreche viel dafür, dass es sich um vorsätzlich gelegte Brände handle. „Momentan können wir das Ausmaß der Schäden noch nicht abschätzen, sie werden vor allem langfristig zu beurteilen sein. Jahrhundertealte Bäume sind in Flammen aufgegangen, daher befürchte ich eine erhebliche hydrogeologische Instabilität, deren Ausmaß wir erst in Zukunft erkennen werden.“
Laut Angaben der Feuerwehr entspannte sich die Lage am Mittwochabend. An der Amalfiküste (Provinz Salerno) ist das Feuer weitgehend gelöscht. Es stehen jedoch noch Nachlöscharbeiten an, um verbliebene Glutnester und Asche zu beseitigen. Auch auf der Halbinsel von Sorrent, im Gebiet von Agerola oberhalb von Positano, gilt das Feuer als gelöscht. Dennoch führen die Canadair-Flugzeuge weiterhin Löschabwürfe durch, um Stellen zu behandeln, an denen noch Rauch aufsteigt.
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