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Wie Sprengstoffspürhunde die MotoGP in Spielberg sicherer machen

Einsatz mit kalter Schnauze: Bevor die MotoGP-Fans den Red Bull Ring betreten, sorgen Vierbeiner vorsorglich für Sicherheit. Wir haben Polizeihund „Neptun“ am Donnerstag begleitet.

„Neptun“ im Einsatz: Auf den Tribünen sorgt der Rüde für Sicherheit
© Richard Purgstaller
„Neptun“ im Einsatz: Auf den Tribünen sorgt der Rüde für Sicherheit
Sarah Ruckhofer
Stv. Ressortleiterin Regionalredaktionen Steiermark, Teamleiterin Regionalredaktion Murtal & Murau

Neptun ist hochkonzentriert. Wenn Herrchen Helfried Sprengel ihm sacht übers Fell streicht, weiß der holländische Schäfer – jetzt geht‘s los. Seine Aufgabe ist so einfach wie komplex: Der siebenjährige Rüde muss die noch leeren Tribünen am Red Bull Ring auf Sprengstoff durchsuchen. Aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd geht es los, Neptun steckt seine Schnauze in Betonritzen, schnüffelt an leeren Eistruhen, begutachtet Feuerlöscher an der Wand. Helfried Sprengel ist immer an seiner Seite und beobachtet den Hund genau. „Wenn hier im Feuerlöscher etwas wäre, würde Neptun regungslos erstarren“, erklärt der Diensthundeführer der steirischen Polizei.

Jeden Tag, bevor die Fans die Rennstrecke betreten dürfen, sind Polizeihunde im Einsatz. Sie durchsuchen Tribünen, Paddock, Pit Lane – kurzum alle Bereiche, wo viele Menschen anzutreffen sein werden. Präventiv wird so für Sicherheit gesorgt, tatsächliche Funde gab es in all den Jahren Großveranstaltungen am Red Bull Ring zum Glück noch nie. Trotzdem: Sicherheit geht vor. Zeigt der Hund einen verdächtigen Gegenstand an, kommt Christian Tieber zum Einsatz. Der Polizist ist ein sogenanntes „Sprengstoffkundiges Organ“ und tritt mit dem Diensthundeführer und seinem Vierbeiner stets im Team auf. „Zunächst wird der verdächtige Gegenstand begutachtet. Oft melden uns auch die Sicherheitskräfte ungewöhnliche Wahrnehmungen, etwa ein Rucksack, der stehen gelassen wurde.“

Eingespieltes Team: Christian Tieber, Helfried Sprengel und Neptun
© Richard Purgstaller
Eingespieltes Team: Christian Tieber, Helfried Sprengel und Neptun

Tierwohl ständig im Blick

Häufig sind es aber auch ganz alltägliche Gegenstände wie Powerbanks oder Solarpaneele, die für Bedenken sorgen. „Wir haben schon viel Erfahrung mit Alltagsgegenständen“, schildert Tieber. Kann ein Gegenstand nicht identifiziert werden und zeigt der Diensthund entsprechend an, rückt der Entschärfungsdienst der Polizei an und übernimmt. 24 Stunden sind die Teams während der MotoGP in Rufbereitschaft.

Zurück zu Neptun und seiner Super-Schnauze: Rund eine halbe Stunde dauert am Donnerstag der Einsatz auf der Start-Ziel-Tribüne, der Hund beginnt gegen Ende immer stärker zu Hecheln. Jede Suche nach Sprengstoff erfordert enorme Konzentration, der Diensthundeführer hat das Tier ständig im Blick. Wird es zu anstrengend, wird der Einsatz unterbrochen. „Neptun ist bereits mein vierter Sprengstoffspürhund“, erzählt Helfried Sprengel. Wie alle Polizeihunde hat Neptun eine Art Grundausbildung als Schutz- und Stöberhund durchlaufen, im Anschluss wurde er speziell auf Sprengstoffe trainiert. Seit seinem zweiten Lebensjahr kann er nicht nur Fährten suchen oder Schutzaufgaben erledigen, er kann auch viele verschiedene militärische und zivile Sprengstoffgerüche identifizieren.

Auch die Feuerlöscher werden ganz genau inspiziert – so wie jeder Gegenstand, der Sprengstoff enthalten könnte
© Richard Purgstaller
Auch die Feuerlöscher werden ganz genau inspiziert – so wie jeder Gegenstand, der Sprengstoff enthalten könnte

Nicht bellen, nicht kratzen

Anders als andere Diensthunde darf Neptun nicht bellen oder an verdächtigen Gegenständen kratzen, um einen Fund anzuzeigen – das ist bei Sprengstoffen schlicht zu gefährlich. „Er zeigt passiv an, legt sich hin oder steht ganz still“, erklärt sein Herrchen. Der Tierschutz steht immer im Vordergrund, durch ihre Einsätze etwa bei Fußballspielen sind die Hunde viele Leute und Lautstärke aber gewohnt. „Neptun ist ein Familienmitglied, er ist ein wunderbarer Hund“, schwärmt sein Herrchen.

Hundertprozentige Sicherheit liefert natürlich auch ein Sprengstoffhund nicht. „Er ist ein Hilfsmittel, in erster Linie aber ein Lebewesen, das auch Fehler machen kann“, so Herrchen Sprengel. Einem Hund im Dienst sollte man sich übrigens nie nähern, ohne vorher gefragt zu haben. Das stört nicht nur die Konzentration, der Hund könnte eine Situation auch falsch interpretieren – immerhin sind alle Polizeihunde auch auf Schutz trainiert.

Vorsorglich werden jeden Vormittag alle Tribünen durchsucht
© Richard Purgstaller
Vorsorglich werden jeden Vormittag alle Tribünen durchsucht

45 Polizeihunde gibt es in der Steiermark insgesamt, sie sind auf unterschiedlichste Aufgaben trainiert: Die Suche nach Suchgift, nach Datenträgern, nach Brandmitteln, Spezialfährten oder auch Blut oder Leichenteile. Sie alle stehen auf Abruf bereit – gebraucht werden sie an diesem MotoGP-Wochenende hoffentlich nicht.

Am Ende des Einsatzes gibt es für Neptun Leckerli und sein Lieblingsspielzeug. Die Konzentration ist vorbei, jetzt wird ausgelassen getobt – wie ein ganz normaler Hund eben.

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