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2,268 Euro je Liter: Dieselpreis in Österreich auf neuem Rekordhoch

Neuer Tageshöchstwert laut ÖAMTC am Mittwoch erreicht. Der Mobilitätsclub fordert eine Übergewinnsteuer auf EU-Ebene, die Wirtschaftskammer einen „Anti-Inflations-Pakt“ für Gewerbebetriebe.

Der Konflikt im Nahen Osten lässt die Treibstoffpreise weiter steigen
© IMAGO/Udo Herrmann
Der Konflikt im Nahen Osten lässt die Treibstoffpreise weiter steigen
Hannes Gaisch-Faustmann
Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Der Preis für Diesel hat am Mittwoch in Österreich einen neuen Tageshöchstwert erreicht. Mit 2,268 Euro je Liter wurde der Höchstwert von 2,245 von Ende März 2026 übertroffen, teilt der ÖAMTC mit. Bei Super liegt der Wert noch 14 Cent unter dem Höchstwert von 2,099 aus dem Juni 2022.

Auch in Deutschland war Diesel am Mittwoch so teuer wie nie zuvor. Ein Liter kostete im landesweiten Tagesdurchschnitt 2,453 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem April, wie aus Zahlen des ADAC hervorgeht.

Der ÖAMTC erinnert anlässlich dieser Höchstwerte einmal mehr an den Vorstoß mehrerer Finanzminister in Europa – darunter auch Österreich – für eine EU-weite Übergewinnsteuer auf die steigenden Profite der Mineralölindustrie.

Ruf nach Übergewinnsteuer

„Die Konsumentinnen und Konsumenten sind an der Zapfsäule mit Höchstpreisen konfrontiert und Konzerne erzielen außerordentliche Gewinne: Es wäre an der Zeit, endlich jene Menschen zu entlasten, die auf das Auto angewiesen sind. Mit einer europäischen Übergewinnsteuer könnte man die Mineralölsteuer und CO2-Bepreisung senken und so den Kostendruck reduzieren“, sagt Martin Grasslober, Verkehrswirtschaftsexperte des Mobilitätsclubs.

Unabhängig von der Debatte rund um die Besteuerung von Übergewinnen bekräftigt der ÖAMTC außerdem seine Forderung nach einer kritischen Untersuchung und stärkeren Reglementierung der internationalen Preisnotierungen für Diesel und Super: Nur durch verlässliche Notierungen seien faire Preise an den europäischen Zapfsäulen möglich.

Kammer für „Anti-Inflations-Pakt“

Auf die stark gestiegenen Treibstoffpreise reagierte am Donnerstag auch die Wirtschaftskammer Steiermark. Die Sparte Gewerbe und Handwerk schlägt einen Anti-Inflations-Pakt vor. Unternehmen sollen von Oktober bis Dezember 2026 für nachweislich gewerblich genutzten Treibstoff 25 Cent je Liter rückerstattet bekommen, so die Forderung.

„Unsere Betriebe brauchen jetzt eine wirksame Entlastung. Der Staat darf nicht zum Krisengewinner geopolitischer Verwerfungen an der Zapfsäule werden“, betont Obmann Johann Reisenhofer.

Seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis um mehr als 40 Prozent gestiegen. Für Unternehmen bleibt es dabei nicht beim höheren Preis für die eigene Tankfüllung: Steigende Treibstoffkosten verteuern gleichzeitig Anlieferung, Material, Montage, Service und Entsorgung. So wandert jeder Preisschub an der Zapfsäule durch die gesamte Wertschöpfungskette, argumentieren die Wirtschaftsvertreter. Davon betroffen sind unter anderem viele Handwerksbetriebe, die gestiegene Kosten – zumindest teilweise – den Verbrauchern weitergeben müssen.

Entlastung aus Mehreinnahmen?

Diesel macht rund ein Fünftel der gesamten Transportkosten aus, bei einzelnen Lkw-Transporten liegt der Anteil laut Wirtschaftskammer Österreich sogar zwischen 20 und 30 Prozent. Zusätzlich zum reinen Marktpreis verteuern staatliche Abgaben jeden Liter. Der nationale CO₂-Preis beträgt 2026 genau 55 Euro je ausgestoßener Tonne. Das entspricht einer Nettobelastung von rund 13,8 Cent je Liter Diesel beziehungsweise 12,5 Cent je Liter Benzin.

Dazu kommen Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer. Je stärker der Nettopreis steigt, desto höher fallen auch die absoluten Mehrwertsteuereinnahmen aus. Der Staat profitiert damit automatisch von einer Preisentwicklung, die Betriebe und Haushalte massiv unter Druck setzt.

„Wenn geopolitische Verwerfungen die Treibstoffpreise in die Höhe treiben, kann die Antwort nicht sein, bei jeder Tankfüllung höhere Steuereinnahmen zu kassieren und gleichzeitig zuzusehen, wie sich die Teuerung durch alle Branchen frisst“, erklärt Johann Reisenhofer von der WKO Steiermark.

Die geforderte Rückerstattung von 25 Cent je Liter gewerblich genutzten Treibstoffs könnte über Tankbelege, Tankkarten oder bereits bestehende betriebliche Abrechnungssysteme erfolgen. Dadurch ließe sich die Entlastung zielgerichtet und ohne den Aufbau einer neuen Förderbürokratie umsetzen, meint die WKO und betont, dass sie auf Bundes- und Landesebene bereits konkrete Grundlagen für eine Entlastung vorgelegt habe. Sie solle kurzfristig für drei Monate erfolgen. Eine Finanzierung wäre aus jenen Mehreinnahmen denkbar, die dem Staat infolge der höheren Treibstoffpreise zufließen.