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Wie sich vermeidbare Fehler im medizinischen Alltag verringern lassen

Tag der Patientensicherheit: Etwa eine von zehn Personen im Rahmen der Gesundheitsversorgung von einem unerwünschten Ereignis betroffen. Wie die Patientensicherheit im medizinischen Alltag erhöht werden kann.

Eine besondere Herausforderung in Bezug auf die Patientensicherheit ist die Übergabe von Informationen zwischen unterschiedlichen Einrichtungen: etwa vom Hausarzt zum Spital und wieder zurück.
© Adobestock
Eine besondere Herausforderung in Bezug auf die Patientensicherheit ist die Übergabe von Informationen zwischen unterschiedlichen Einrichtungen: etwa vom Hausarzt zum Spital und wieder zurück.
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Begibt man sich mit einem gesundheitlichen Problem in eine Ordination oder eine Spitalsambulanz, dann hofft man auf Hilfe und Unterstützung, vor allem aber auf eine wirkungsvolle Behandlung. Und in einem überwiegenden Großteil der Fälle kann die moderne Medizin Patientinnen und Patienten helfen, Beschwerden zu lindern und im besten Fall künftiges Leid zu verhindern. Doch, wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch, können in Spital und Ordination Fehler passieren. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa eine von zehn Personen im Rahmen der Gesundheitsversorgung von einem unerwünschten Ereignis betroffen. Und: Mehr als die Hälfte dieser Ereignisse gelten als vermeidbar.

Auch um diese Quote zu senken, lenkt der alljährliche Aktionstag am 17. September die Aufmerksamkeit auf das Thema Patientensicherheit. Der Begriff umschreibt das Unterfangen, Patientinnen und Patienten vor vermeidbaren Schäden und Risiken im Rahmen einer medizinischen Behandlung zu schützen. Patientensicherheit bedeutet daher Risiken systematisch zu reduzieren, sichere Abläufe zu etablieren und die Qualität der Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Bestehende Therapien immer wieder überprüfen

Im medizinischen Alltag bedeutet das für Philipp Bauer, Internist und Spezialist für Palliativmedizin am Klinikum Diakonissen in Schladming, aber vor allem auch in Zusammenarbeit mit den Patientinnen und Patienten laufende Therapien und Medikationen immer wieder zu überprüfen. Das sei besonders bei chronischen Erkrankungen wichtig. In diesem Jahr steht beim Tag der Patientensicherheit die sichere Versorgung eben dieser Betroffenen im Fokus. Denn Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes oder chronische Atemwegserkrankungen begleiten die Menschen oft jahre-, wenn nicht jahrzehntelang. „Diese Patientinnen und Patienten müssen oft eine Vielzahl von Medikamenten bzw. Therapien einnehmen. Die Notwendigkeit, die Mengen, die Wirkung – all das gehört im Sinne der Patientensicherheit regelmäßig überprüft“, erzählt Bauer aus der Praxis. „Denn das Fehlerrisiko ist bei einer Vielzahl an Interventionen theoretisch ein sehr hohes.“ Etwa aufgrund von Wechselwirkungen von Medikamenten.

Internist Philipp Bauer
© Studio NEXT – www.studionext.at
Internist Philipp Bauer

Eine besondere Herausforderung ist die Übergabe von Informationen zwischen unterschiedlichen Einrichtungen: etwa vom Hausarzt zum Spital und wieder zurück. Nur wenn alle behandelnden Personen wissen, welche Medikamente ein Patient erhält, können sichere und wirkungsvolle Entscheidungen getroffen werden. Und ein weiterer Faktor ist Zeit. „Ja, es gilt, möglichst viel Sicherheit in einem manchmal doch begrenzten Zeitraum unterzubringen“, sagt Bauer. Das kann unter anderem „anhand gesicherter Übergabeprozesse und -protokolle gelingen“. Vorbild sei hier etwa die Flugbranche mit ihren fixen Checklisten.

Funktionierende Fehlerkultur

Ein weiterer Faktor im Sinne der Patientensicherheit ist eine funktionierende Fehlerkultur. Passieren diese, müssen diese einerseits den Betroffenen kommuniziert werden, andererseits müssen sie analysiert werden. Damit der gleiche Fehler künftig eben nicht mehr passiert. „Diese Meldesysteme gibt es, die Mitarbeitenden müssen das aber wissen und sie müssen sie dann auch nutzen“, sagt Bauer. „Vor allem ist aber wichtig zu kommunizieren, dass jene Personen, die Probleme aufzeigen, dann nicht mit Schuldzuweisungen konfrontiert werden.“

In der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft Kages, dem größten Gesundheitsversorger des Bundeslandes, gibt es ein solches Meldesystem für Mitarbeitende. In den letzten beiden Jahren wurden pro Jahr rund 230 Meldungen eingegeben. „Nur wenn kritische Ereignisse und Beinahe-Ereignisse gemeldet werden, können wir daraus lernen und unsere Abläufe weiter verbessern“, so Manela Glarcher, Teamleiterin des Medizinischen Pflege, Qualitäts- und Risikomanagements. Weiters führt die Kages im Oktober 2026 erstmals eine unternehmensweite Speak-up-Befragung durch. Ziel ist es demnach, das Erleben der Sicherheits- und Kommunikationskultur systematisch zu erfassen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen in die weitere Entwicklung konkreter Maßnahmen einfließen.

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