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Selbstanzeige: Kabarettist „Gunkl“ unter Missbrauchsverdacht

Der bekannte Kabarettist Günther Paal alias „Gunkl“ steht unter Kindesmissbrauchsverdacht. Gegen zwei weitere Personen ist in der Causa Anklage erhoben worden.

Günther Paal alias Gunkl
© APA / Eva Manhart
Günther Paal alias Gunkl

Am Dienstagabend hätte sein neues Programm (“Apropos übrigens“) in Wien Premiere gehabt. Am Dienstagnachmittag wurde die Veranstaltung jedoch aus „gesundheitlichen Gründen“ abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Keine 24 Stunden später sind nun auch die Hintergründe für die Absage bekannt. Günther Paal alias „Gunkl“ steht unter Missbrauchsverdacht. Bei ihm soll es sich um jenen Mann handeln, der im Zuge eines Falles von Kindesmissbrauch Selbstanzeige erstattet hat, wie das ORF-Mittagsjournal berichtete. Paals Anwalt Florian Höllwarth hat überdies in mehreren Medien den Namen bestätigt.

Gegen den Künstler läuft ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und wegen des Besitzes von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial. Hier liegt der Strafrahmen bei sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Laut seinem Anwalt, Florian Höllwarth, sollen die Tatbestände „teilweise über 13 Jahre zurückliegen“. Mittlerweile ist bekannt, dass gegen drei Beteiligte Anklage erhoben worden ist. Paal steht u.a. im Verdacht, sich an der Tochter einer Bekannten vergangen zu haben. Diese soll nicht zur Polizei gegangen sein, sondern den Künstler erpresst haben. Deshalb erstattete er nach der Zahlung mehrerer hoher Beträge im Mai schließlich Selbstanzeige.

Frauen wegen schwerer Erpressung in U-Haft

Die Anklage ist nicht rechtskräftig, wie es am Mittwoch hieß. Die Vorwürfe gegen den Künstler lauten sexueller Missbrauch von Unmündigen und Besitz von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial. Die Frauen müssen sich wegen schwerer Erpressung verantworten, sollte die Anklage rechtskräftig werden. Laut Höllwarth floss ein insgesamt sechsstelliger Betrag. Bei den beiden Beschuldigten handelt es sich neben der Kindesmutter - sie kennt den Künstler laut dem Anwalt seit 15 Jahren - um die Großmutter des Kindes. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Die Frauen sind wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr seit Anfang Juni bzw. Anfang Juli in Untersuchungshaft. Schwere Erpressung ist etwa dann der Fall, wenn die Erpressung gegen ein und dieselbe Person über eine längere Zeit hindurch fortgesetzt wird. Der Strafrahmen beträgt hier im Falle einer Verurteilung ein bis zehn Jahre Haft. Für die Frauen wie auch den angeklagten Kabarettisten gilt die Unschuldsvermutung.

Er war der „Experte für eh alles“

Jahrzehntelang war Gunkl ein geschätzter Angehöriger der heimischen Kabarettszene, bekannt für eine Komik, die statt auf schnelle Pointen auf skurrile Gedankengänge setzte. Seinen Ruf als Großmeister des gepflegten Verzettelns pflegte er in bisher 14 Solo-Programmen. Dem breiten Publikum bekannt wurde der Spezialist für Schachtelsätze in Alfred Dorfers Satiresendung „Dorfers Donnerstalk“ – von 2004 bis 2011 fungierte er dort regelmäßig als „Experte für eh alles“ und erklärte mit verschrobenem Witz komplexe Zusammenhänge. Davor moderierte er im ORF 1997 für kurze Zeit auch die „Kunst-Stücke“.

Gunkl, der Saxophon und E-Bass spielt, war auch als Musiker aktiv: Er spielte in der Band „Wiener Wunder“ und trat zuletzt gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen wie Manuel Rubey, Clara Luzia, Gerald Votava in der Band „Familie Lässig“ auf. Vor mehr als zwei Jahren machte er mit der Erklärung auf sich aufmerksam, er lebe mit dem Asperger-Syndrom – einer milden Form von Autismus. Sein Statement „Ich habe das Asperger-Syndrom, aber ich leide nicht daran – das tun andere“ wurde damals vielfach zitiert.