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Bruch in der SPÖ: Neudauer Ortschef montiert eigenen „Vize“ ab

Es knirscht in der SPÖ Neudau: Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Wolfgang Dolesch bricht mit seinem „Vize“ Klaus Taucher-Thaler. Auslöser war Uneinigkeit über eine Personalentscheidung.

Bei der Angelobung vor drei Jahren war die Welt noch in Ordnung: Bürgermeister Wolfgang Dolesch mit Noch-Vizebürgermeister Klaus Taucher-Thaler (Mitte) und Bezirkshauptfrau Kerstin Raith-Schweighofer
© Gemeinde Neudau
Bei der Angelobung vor drei Jahren war die Welt noch in Ordnung: Bürgermeister Wolfgang Dolesch mit Noch-Vizebürgermeister Klaus Taucher-Thaler (Mitte) und Bezirkshauptfrau Kerstin Raith-Schweighofer
Daniela Buchegger
Redakteurin Regionalredaktion Hartberg & Fürstenfeld

Paukenschlag in der Gemeinde Neudau: Noch-Vizebürgermeister Klaus Taucher-Thaler (SPÖ) muss seinen Platz räumen. Nicht freiwillig, wie er sagt. Sein Parteikollege und Bürgermeister Wolfgang Dolesch habe ihn abgesetzt, berichtet Taucher-Thaler, der das Amt drei Jahre lang innehatte. Bei der Klubsitzung am Montag sei der Wahlvorschlag für seinen Nachfolger von mehr als der Hälfte der SPÖ-Gemeinderatsfraktion abgesegnet worden. Vollzogen werden soll der Wechsel mit der Wahl bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag.

Dolesch, der auch Landtagsabgeordneter ist, bestätigt, dass Taucher-Thaler von Werner Korrer abgelöst werden soll. Er spricht von einem „internen Diskussionsprozess“, der der Entscheidung vorangegangen ist.

Seit 2015 ist Klaus Taucher-Thaler im Gemeinderat, seit 2023 war er auch Vizebürgermeister
© KLZ / Daniela Buchegger
Seit 2015 ist Klaus Taucher-Thaler im Gemeinderat, seit 2023 war er auch Vizebürgermeister

Mit diesem Bruch eskaliert ein seit mehreren Wochen schwelender Konflikt. „Seit Juli hat der Bürgermeister nicht mehr mit mir geredet“, sagt Taucher-Thaler. Auch von geheimen Fraktionssitzungen ohne ihn ist die Rede. Auslöser für das Zerwürfnis war eine strittige Personalentscheidung in der Gemeinde, die mittlerweile auch das Arbeitsgericht beschäftigt, wie man hört.

Entweder man macht das, was der Bürgermeister möchte, oder man ist weg.

— Klaus Taucher-Thaler, Noch-Vizebürgermeister von Neudau

Taucher-Thaler und zwei weitere SPÖ-Gemeinderäte, die einander familiär nahestehen, haben die Entscheidung nicht mitgetragen. Infolge soll sie Dolesch dazu aufgefordert haben, aus dem Gemeinderat auszuscheiden, schildert der Unterlimbacher. Darauf angesprochen, entgegnet Dolesch, dass es jedem freistehe, sein Mandat auszuüben. Mehr wolle er dazu nicht sagen, weil er „Vertrauliches, sowohl aus der Gemeinderatssitzung als auch SPÖ-Interna, nicht an die Öffentlichkeit trage“.

„Vertrauen gebrochen“

Just diese Vertraulichkeit sei jedoch von „manchen Personen“ zuletzt gebrochen worden, so Dolesch. Der nunmehrige Schritt sei deshalb für ihn alternativlos: „Arbeit kann nur dann gut funktionieren, wenn sie auf Vertrauen aufbaut und dieses Vertrauen wurde einige Male gebrochen.“

Wolfgang Dolesch ist seit 20 Jahren Bürgermeister von Neudau
© Carmen Oster
Wolfgang Dolesch ist seit 20 Jahren Bürgermeister von Neudau

Während Taucher-Thaler indes an seiner Parteimitgliedschaft festhält, haben die zwei anderen bereits Konsequenzen gezogen. „Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen, ich war eigentlich befreundet mit dem Bürgermeister, aber die Vorgangsweise in der letzten Zeit ist für mich nicht mehr vertretbar“, sagt Taucher-Thalers Fraktionskollege, der nach mehr als 30 Jahren aus der SPÖ ausgetreten ist, aber nach wie vor Gemeinderat bleiben will.

Nur Ja-Sager hat es nie gegeben. Das sind Unterstellungen, wenn einem die Argumente ausgehen.

— Wolfgang Dolesch, Bürgermeister von Neudau

Das will auch Taucher-Thaler, der mit seinen Aussagen nicht die Partei schädigen, sondern vielmehr aufzeigen wolle, wie es soweit gekommen sei. „Entweder man macht das, was der Bürgermeister möchte, oder man ist weg. Er will nur Ja-Sager im Gemeinderat.“ Dem widerspricht Dolesch klar: „Nur Ja-Sager hat es nie gegeben. Das sind Unterstellungen, wenn einem die Argumente ausgehen.“

Im Gegenzug ortet er in den Entwicklungen auch persönliche Motive im Familienverband der Involvierten: „Wenn jemand ganz offensichtlich nicht nach bestem Gewissen und Wissen für die Bevölkerung arbeitet, ist das selbsterklärend.“ Taucher-Thaler weist das hingegen zurück: „Das war die falsche Personalentscheidung, dazu sind wir gestanden. Das ist nur Meinungsfreiheit.“