Das Kennedy Center als Trumps narzisstische Projektionsfläche

Wenn es nach Donald Trump geht, soll Washingtons größte öffentliche Kultureinrichtung „Trump Kennedy Center“ heißen. Solange dem nicht so ist, bleibt es ohne Sanierung geschlossen.
Donald Trump lässt Washingtons größte öffentliche Kultureinrichtung - das Kennedy Center - umgehend schließen. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken und dringend nötige Renovierungsarbeiten, heißt es aus dem Weißen Haus. Wer das als wahren Grund glaubt, möge vortreten. Das nach dem früheren, 1963 erschossenen demokratischen US-Präsidenten John F. Kennedy benannte Gebäude triggert bei Trump seit jeher viel.

Als wahren Grund für die Schließung darf man die Posse um die geplante Unbenennung annehmen: Ein Bundesrichter hatte erneut Pläne gestoppt, den Namen des Republikaners am Gebäude anzubringen und daraus das „Trump Kennedy Center“ zu machen, daraufhin sprach sich das von ihm selbst seit Beginn seiner zweiten Präsidentschaft angeführte Kuratorium für die Schließung aus.

Laut Trump würde die Sanierung nur durchgeführt, wenn der Vorstand seine Pläne zur Anbringung seines Namens am Gebäude weiterverfolgen dürfe. Auch die nötigen Mittel seien daran geknüpft. Nun, man kennt das möglicherweise aus frühkindlichen, eher renitenten Phasen: Kinder bauen Sandburgen – und dann wird der Drang, die des anderen umgehend zu planieren, sofern man dort nicht seine eigenen Spielzeugfiguren platzieren kann, übermächtig. In späteren Lebensphasen kennt die Psychologie den Begriff des Narzissmus, ausdrücklich anwendbar auch auf 80-jährige Männer.
Bei der entscheidenden Sitzung des Kuratoriums, an der Trump persönlich teilnahm, ging der US-Präsident mit anhaltend desaströsen Umfragewerten sogleich persönlich auf die demokratischen Abgeordneten Joyce Beatty aus Ohio los.. Beatty steht einer Kampagne vor, mit der verhindert werden soll, dass Trump namentlich am Kennedy Center gewürdigt wird. Sie nannte Trump jemanden, der „extremen Schaden“ verursacht habe. Trump schimpfte Beatty „inkompetent“, sie „halte alles auf“. „Sie halten das ganze Land auf“, konterte Beatty treffsicher.
Auch John F. Kennedy selbst hätte vermutlich klare Worte gefunden.