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Die Revolution ist in Österreichs Eishockey weiter im Anrollen

Gruppe um die Vereine aus Graz und Wien bastelt weiter an einem neuen Vorstand des Verbandes rund um Ex-Kanzler Christian Kern. 99ers-Geschäftsführer Bernd Vollmann erklärt: „Das wäre ein Quantensprung für das österreichische Eishockey“.

Der österreichische Verband soll neu aufgestellt werden - 
zumindest, wenn es nach einem Konsortium rund um die Caps und die 99ers geht
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Der österreichische Verband soll neu aufgestellt werden - zumindest, wenn es nach einem Konsortium rund um die Caps und die 99ers geht
Michael Schuen
Ressortleiter Sport

Die Aufregung um den Eishockeyverband war beinahe größer als bei sportlichen Erfolgen, wie etwa jener bei der Männer-WM dieses Frühjahr. Der Konflikt mit dem österreichischen Frauen-Nationalteam, das sich erstmals für eine WM in der Division I qualifiziert hatte, ging durch alle Medien. Der Verband reagierte zunächst schleppend, dann unglücklich – und schaffte es schließlich doch nach langen Wochen eine Einigung zu finden, die offenbar alle Beteiligten zufriedenstellt. Und doch: Dieses Kapitel mit den Frauen war es, das eine Gruppe von Menschen dazu bewog, zu handeln.

Das Ziel ist nichts weniger als Revolution. Der Österreichische Eishockeyverband (ÖEHV) soll neu aufgestellt werden, Gerüchte ranken sich seit Wochen in immer lichtere Höhen. Fix ist jedenfalls: Ja, es hat sich ein „Konsortium“ gebildet, das ursprünglich vier Vereine umfasst: Die Vienna Capitals, die Graz99ers, die Black Wings Linz und den VSV, der zwischenzeitlich nach dem Ausfall von Geschäftsführer Martin Winkler aber wohl andere, im wahrsten Sinn des Wortes existenzielle, Sorgen hat. Warum? „Wir haben lange Zeit akzeptiert, dass es Stillstand gibt, aber in den letzten Wochen gab es Rückschritte“, sagt etwa Bernd Vollmann, General Manager der 99ers und ergänzt: „Speziell das Frauenthema war eine Rückkehr in Zeiten, die es einfach nicht mehr geben sollte und geben darf. Was da medial passiert ist, welch schlechten Ruf das Eishockey nicht nur in Österreich, sondern auch über die Grenzen hinaus bekommen hat, da haben wir gesagt: So geht es nicht mehr.“

Nicht mehr tragbar

Die Führung des Verbandes sei nicht mehr tragbar, weil sie nicht in der Lage sei „diesen wunderschönen Sport weiterzubringen“, sagt Vollmann. So begann die Suche nach Köpfen, die helfen können und wollen. Der Blick in den Fußball lag nahe: Dort ist es mit der Installation des ehemaligen Vizekanzlers Josef Pröll gelungen, die scheinbar dauernden Grabenkämpfe im Präsidium zu beenden. Aktuell ist der ÖFB auch dank der neuen Struktur mit einem Aufsichtsrat zumindest nach außen in viel ruhigeren Gewässern unterwegs – oder beinahe zumindest, wie aktuell auch wieder die Diskussion um die Abberufung von Sportdirektor Peter Schöttel zeigt. Im Eishockeyverband geht es um mehr, es geht um eine komplett neue Mannschaft. „Wir haben uns umgesehen, natürlich vor allem im Raum Wien – und ja, Christian Kern ist in der Wirtschaft und Politik bestens vernetzt! Wir sind aktuell dabei, ein Team rund um ihn aufzustellen“, sagt Vollmann.

Christian Kern gilt als Wunschlösung der treibenden Kräfte für den neuen 
Präsidenten
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Christian Kern gilt als Wunschlösung der treibenden Kräfte für den neuen Präsidenten

Diesem Team soll etwa auch Philipp Trattner, bis vor kurzem oberster Sportbeamter des Landes und davor erfolgreich im Basketballverband tätig, zugehören. Klar ist auch, dass es eine fixe Frauenquote im neuen Präsidium geben soll, ebenso eine Vizepräsidentin sowie Mitglieder im Sport- und Wirtschaftsbeirat. „Da sind einige Kapazunder aus den Bereichen Sport und Wirtschaft dabei“, sagt Vollmann, „wenn das alles aufgeht, dann wäre das ein Quantensprung für das österreichische Eishockey.“ Ein ganz wichtiger Punkt laut Vollmann: „Wir wollen die Liga mehr mit dem Verband verzahnen, jeweils ein Mitglied der anderen Institution soll da wie dort im Vorstand sein. Denn die letzten Jahre ist mehr gegeneinander gearbeitet worden, das hat man natürlich auch außen mitbekommen und das schadet beiden – und abermals vor allem dem Eishockey.“

Die Themen, die man sich selbst auf die „To-Do-List“ gesetzt hat, sind vielfältig und enden nicht bei der leidigen Diskussion über das Frauen-Eishockey-Nationalteam. „Wir wollen das Eishockey in seiner Gesamtheit weiterbringen. Und da kann nicht mehr jeder sein eigenes Süppchen kochen. Du musst zusammenarbeiten, um so Wachstum zu erzielen“, beschwört er alle, in dieselbe Richtung zu denken. Auch deswegen, weil der Verband sogar die Stiftung für den Nachwuchs angreifen musste, um laufende Kosten zu decken. „Zum Glück sind wir bei der WM weit gekommen, so gab es mehr Einnahmen und weniger Minus.“ Aber brennende Themen, wie etwa jenes der Infrastruktur, liegen brach. „Immer mehr Eishallen werden geschlossen, vom Verband kommt aber gar nichts“, bekrittelt nicht nur Vollmann, zudem vermisse man mehr Geld für den Nachwuchs: „Wir in der Liga versuchen viel, aber dafür brauchst du einfach einen Verband. Und die Kraft unseres Verbandes fehlt.“

Legionärsregelung neu denken

Ebenso soll etwa die Dauerproblematik der „Imports“, also der Legionärsregelung, neu gedacht werden, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Diese Lösung könnte in jene der Fußball-Champions-League gehen, in der man nicht mehr nur nach Geburtsland, sondern nach dem Ort der Ausbildung evaluiert. Mit anderen Worten: „Es gibt viel Potenzial für Verbesserungen. Das sieht offenbar auch Christian Kern, wenn er sich so lange damit beschäftigt.“

99ers-Manager Bernd Vollmann
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99ers-Manager Bernd Vollmann

Man hoffe auch, dass das aktuelle Präsidium den Weg der Vernunft wähle und für den Fall, dass es eine neue Liste gibt, den Weg frei machen wird. Vollmanns Sorge: „Mitunter scheint es momentan wichtiger zu sein, dass alle aus dem Präsidium bei der WM dabei sein können und die besten Hotels haben.“ Daher soll gehandelt werden, aktuell arbeitet man daran, die Vollmachten zu organisieren, die bei einer Wahl entscheiden sollen. Wann es die geben soll? Dazu braucht es eine außerordentliche Generalversammlung, die von zehn Prozent aller Vereine beantragt werden kann. Und das, sagt Vollmann, sei eine Frage von Wochen, wenn Christian Kern das O.K. gibt.