Warum Kilian Zündel wegen einer Vitamininfusion gesperrt wurde
„Longevity“ als Falle. Eishockeyspieler Kilian Zündel (25) wurde aufgrund einer Vitamininfusion für zwei Jahre gesperrt. Die 99ers haben ihn entlassen.
Es war wie bei den meisten Dopingfällen eine handfeste Überraschung, als ruchbar wurde, dass Kilian Zündel gegen die Anti-Doping-Regularien des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF verstoßen hat. Als Konsequenz wurde eine Sperre über zwei Jahre ausgesprochen. Der Grund soll eine durch eine Ärztin verabreichte Infusion gewesen sein. Diese zog zwar keine positive Dopingprobe nach sich, aber die identen Konsequenzen. Ein Social-Media-Posting über die Gabe der Infusion soll den Stein ins Rollen gebracht haben. „Mir ist natürlich völlig bewusst, dass ich einen Fehler gemacht habe“, wird Zündel zitiert, „umso wichtiger ist es mir jedoch, noch loszuwerden, dass ich keinerlei verbotene, gegen die Doping-Bestimmungen verstoßende Substanzen zu mir genommen oder verabreicht bekommen habe. Es handelte sich lediglich, nach einer kräfteraubenden Saison, um eine der Regeneration dienende Vitamininfusion.“
Die 99ers haben den Verteidiger entlassen. „Uns ist ein sehr guter Spieler und ein extrem guter Mensch abhandengekommen, der in der Mannschaft sehr beliebt ist“, sagt Sportdirektor Philipp Pinter. „Es war für uns vermutlich ein genauso schlimmer Schlag ins Gesicht wie für ihn.“ Nach einem schnellen Ersatz wird nicht getrachtet. „Wir müssen das erst einmal verdauen, und einen österreichischen Ersatz sehe ich nicht. Aber jetzt rücken junge Verteidiger wieder einen Platz nach oben und müssen sich beweisen. Das Wasser ist kalt, jetzt müssen sie schneller schwimmen lernen. Aber wir haben Vertrauen und Geduld, dass sie sich entwickeln können.“ Mittlerweile basiert etwa die Hälfte aller Doping-Sperren auf einer nichtanalytischen Beweisführung, also nicht auf einer im Labor als positiv bewerteten Probe. Neben der Manipulation sind das etwa der Besitz, Handel oder die Weitergabe von verbotenen Substanzen, die Verweigerung einer Probe sowie Verstöße gegen die Meldepflicht des Aufenthaltsortes.
Die Regeln der WADA (World Anti-Doping Agency) ziehen auch bei der Manipulation eine gewohnt harte rote Linie. Denn selbst wenn die verabreichte Substanz nicht auf der Verbotsliste geführt wird, sind Infusionen verboten, wenn mehr als 100 Milliliter der Flüssigkeit innerhalb von zwölf Stunden verabreicht werden. In Zündels Fall soll das überschritten worden sein. Dies fällt unter den Punkt M2 (Chemische und physikalische Manipulation). Das soll verhindern, dass verbotene Substanzen im Blut oder Urin durch die Flüssigkeit verschleiert werden. Das sollten Profisportler und Ärzte eigentlich wissen, oder im Zweifel nachschlagen. Die deutsche Anti-Doping-Agentur warnt auf ihrer Homepage sogar explizit vor der „Dopingfalle Lifestyle-Infusionen“. Dabei handelt es sich um Infusionen mit hochdosierten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, wie sie etwa in der „Longevity“-Bewegung beliebt sind. Ausgenommen sind freilich Infusionen während einer Behandlung im Krankenhaus, bei Operationen oder auch mit Kontrastmittel. Nur weil eine Infusion von einem Arzt durchgeführt wird, fällt die Behandlung nicht unter diese Ausnahmen. „Die Konsequenz müssen wir jetzt tragen, aber noch viel mehr er“, sagt Pinter, „er würde den Besuch bei der Ärztin bestimmt gerne rückgängig machen.“