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Gleisdorfer Sozialbegleiterin: „Es geht einfach ums Da-Sein“

Bettina Doupona ist eine von rund 20 Weizer Sozialbegleiterinnen von pro humanis. Im Oktober startet der Verein wieder mit seiner Ausbildung. Ein Schwerpunkt wird auf die Krankheit ME/CFS gelegt.

Bettina Doupona ist seit zwei Jahren ehrenamtlich als Sozialbegleiterin bei pro humanis tätig
Bettina Doupona ist seit zwei Jahren ehrenamtlich als Sozialbegleiterin bei pro humanis tätig
Nicole Stranzl
Regionalredaktion Weiz

„Für Menschen etwas zu tun, ist für mich das Selbstverständlichste auf der Welt“, sagt Bettina Doupona. Seit zwei Jahren ist sie ehrenamtliche Sozialbegleiterin für den Verein pro humanis und besucht einmal die Woche eine 48-Jährige im Bezirk Weiz. „Wir gehen in den Park oder ins Kaffeehaus“, erzählt die Gleisdorferin.

Ihre Klientin leidet seit zehn Jahren an einer Angststörung, seit 1996 an Depressionen. „Ich fühle mich nach der Begleitung einen Touch besser, das Leben fühlt sich leichter an“, sagt die Betroffene über die Sozialbegleitung. „Es ist gut, dass ich über alles Mögliche reden kann.“

Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen nicht am Rand der Gesellschaft leben, so Doupona, die sich wünscht, dass man nicht vorschnell urteilt. Die 46-Jährige schätzt an ihrem Ehrenamt: „Es ist ein Geschenk, das man anderen gibt. Es geht einfach ums Da-Sein.“

Pro Humanis

  • Der Verein pro humanis verfolgt seit 1992 das Ziel, psychisch kranken Menschen wieder Halt und Zuversicht zu geben.
  • In der Steiermark engagieren sich rund 300 ehrenamtliche Sozialbegleiterinnen und -begleiter, davon rund 20 im Bezirk Weiz.
  • Die nächste Schulung beginnt am 16. Oktober, erstmals wird auch die Krankheit ME/CFS thematisiert.
  • Nähere Infos: www.prohumanis.at
  • Kontakt: 0316 827707 oder office@prohumanis.at

Rund 20 Sozialbegleiter zählte der Verein pro humanis 2025 im Bezirk Weiz. In der gesamten Steiermark sind es rund 300, die auf ebenso rund 300 Klientinnen und Klienten kommen. 130 Betroffene stehen bundeslandweit auf der Warteliste. „Manchmal wartet man Monate, manchmal auch zwei bis drei Jahre“, sagt eine Mitarbeiterin des Vereins. Sie möchte nicht namentlich genannt werden. Der Grund? Sie berichtet von ihrer ME/CFS-Erkrankung.

Myalgische Enzephalomyelitis („ME/CFS“)

Es handelt sich um eine schwere, neuroimmunologische Erkrankung, die zu extremer Erschöpfung (Fatigue) und Belastungsintoleranz (PEM) führt. Symptome sind Schmerzen, neurokognitive Störungen und eine drastische Leistungsminderung.

Obwohl es sich dabei um keine psychische Erkrankung handelt, ist ME/CFS erstmalig Teil der neuen Sozialbegleiter-Schulung, die am 16. Oktober startet. Am 17. September findet ein Infoabend statt.

Online-Infoabend

Am 17. September um 18 Uhr findet ein Online-Infoabend für den neuen Ausbildungslehrgang zur ehrenamtlichen Sozialbegleiterin bzw. zum ehrenamtlichen Sozialbegleiter statt.

Mit diesem QR-Code kommt man direkt zu dem Online-Infoabend
© Pro Humanis
Mit diesem QR-Code kommt man direkt zu dem Online-Infoabend

Am 16. Oktober starten die Schulungen. Es sind keine Vorkenntnisse notwendig, um Sozialbegleiter zu werden. Die Schulungen, die an drei Wochenenden (Freitagnachmittag und Samstag) stattfinden, sind kostenlos. Pro Jahr werden sechs Supervisionen abgehalten. Für Studierende werden ECTS für die ehrenamtliche Tätigkeit vergeben.

Ursprünglich betreut pro humanis psychisch kranke Menschen, doch nachdem mehrere Anfragen von ME/CFS-Betroffenen kamen, erweiterte man das Angebot. „Es ist eine Multisystemerkrankung“, sagt die Mitarbeiterin, die vor vier Jahren diagnostiziert wurde. Zwölf Jahre dauerte es, bis die Diagnose gestellt wurde, denn ME/CFS ist eine noch sehr unerforschte Krankheit.

„Bei mir hat alles mit einem Infekt angefangen“, erzählt die 43-Jährige. Danach stieg sie wieder ins Berufsleben ein, merkte aber: Etwas stimmt nicht. Heute arbeitet sie Teilzeit bei pro humanis. „Ich darf mehr Pausen machen und häng die Zeit dann hinten dran“, erzählt sie von der Absprache mit ihrer Chefin. Manchmal muss sie sich während der Arbeit kurz hinlegen.

Bezeichnend für die Erkrankung ist extreme Erschöpfung (Fatigue). „Wenn ein gesunder Mensch über seine Grenzen geht, schläft er sich einen Tag oder ein paar Stunden aus. Bei mir bedeutet es ein paar Tage Krankenstand, Rückzug, im Dunkeln liegen“, erzählt sie. „Es gibt bessere und schlechtere Phasen.“

Man muss Zeit schenken wollen

— Mitarbeiterin pro humanis

Was künftige Sozialbegleiter von ME/CFS-Erkrankten also mitbringen sollten? Das Verständnis, wenn Treffen kurzfristig abgesagt werden, so die Mitarbeiterin. „Es kann auch passieren, dass sich der Klient während dem Treffen hinlegt oder nicht mehr redet. Anders als bei anderen psychischen Erkrankungen sollte man die Klienten nicht versuchen zu aktivieren, sondern einfach da zu sein und sie bei der emotionalen Achterbahnfahrt zu begleiten.“ Viele Betroffene haben finanzielle Schwierigkeiten, weil sie etwa nicht wissen, ob sie gewisse Medikamente bewilligt bekommen, ob sie es schaffen, ihrer Arbeit aufgrund der Erkrankung nachzugehen.

„Man muss viel aushalten und gut zuhören können und man muss Zeit schenken wollen“, fasst es die Mitarbeiterin zusammen. Das bezieht sich auch auf die Begleitung von psychischen Erkrankungen. Meldet man sich als Ehrenamtlicher, sollte einem zudem bewusst sein, dass die Begleitung zumindest ein Jahr lang durchgeführt wird, für cirka eine Stunde die Woche. Kontinuität sei wichtig. „Zeit schenken ist heilsam.“

Das Mindestalter für Sozialbegleiter liegt bei 20 Jahren. „Wir haben viele Leute um die 60, aber auch einige Studentinnen.“ Durch das Ehrenamt können ECTS-Punkte im Studium angerechnet werden.

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