714 zu 60: OM-Bauern sagen deutlich Ja zur Berglandmilch
Am Dienstag stimmten die OM-Genossenschaftsmitglieder über die Zukunft der steirischen Molkerei ab und bekannten sich dabei klar zur Berglandmilch.

Ein altes Sprichwort besagt, drei Bauern unter einen Hut zu bringen, sei eine schwierige Angelegenheit. Bei der Obersteirischen Molkerei ist das am heutigen Dienstag allerdings gelungen. Zwar gingen die Meinungen über die geplante Einbringung des operativen Molkereigeschäfts in die Berglandmilch im Vorfeld weit auseinander. Bei der entscheidenden Abstimmung herrschte dann aber große Einigkeit.
In der bis zum Bersten vollen Zechner-Halle in Kobenz war die Nervosität vor Beginn deutlich zu spüren. „Es geht um alles“, war von Bauern zu hören. Die Abstimmung erfolgte offen.
OM-Obmann Jakob Karner warb eindringlich emotional für den Schritt. Es gehe um die Molkerei, die Mitarbeiter und die bäuerlichen Familien, sagte er. „Nicht jede Veränderung ist eine Bedrohung, sondern kann eine Absicherung für die Zukunft sein.“ Eine kleine Molkerei kenne ihre Bauern und stehe für Qualität, stoße aber angesichts steigender Investitionskosten und eines härteren Wettbewerbs an Grenzen.
„Was nutzt die Unabhängigkeit, wenn wir morgen nicht mehr konkurrenzfähig sind?“, fragte Karner. Die Einbringung sei nicht das Ende der OM, sondern ein neues Kapitel.
Was sich für die Bauern ändert
Geschäftsführer Michael Riegler präsentierte anschließend noch einmal das Konzept, wie er es bei den vergangenen Infoveranstaltungen bereits getan hatte: Die OM bleibt als Genossenschaft bestehen. Das operative Milchgeschäft wird in die Berglandmilch eingebracht. Knittelfeld und Spielberg gehen an Berglandmilch, St. Michael und Kapfenberg bleiben im Eigentum der OM. Die bestehende Hofabholung soll mindestens fünf Jahre erhalten bleiben.
Auch die finanzielle Seite wurde erläutert. Die OM hat laut Riegler Verbindlichkeiten von 33,8 Millionen Euro. Nach der Einbringung sollen davon 22 Millionen Euro bei der OM verbleiben. Die Geschäftsanteile der Mitglieder werden von 22 auf 17 reduziert, wodurch Geld steuerfrei an die Höfe zurückfließen soll.
Warum alles so schnell gehen musste? Es gebe gewisse Deadlines, die man einhalten müsse: Nur mit einer geprüften Bilanz könne man eine Einbringung machen, lediglich bis 30. September sei eine rückwirkende Einbringung möglich. „Veränderung ist die Basis für Entwicklung, es ist ein historischer Moment. Dieses Konzept ist zukunftsträchtig“, schließt Riegler.
In der anschließenden Diskussion wurden dennoch kritische Stimmen laut. Ein Bauer aus Fohnsdorf sprach vom „OM-Begräbnis“ und warnte vor einer „Sklaverei“. Andere fragten nach langfristigen Sicherheiten für die Standorte, die Marke OM und den künftigen Milchpreis.
Auch UBV-Obmann Rudolf Gutjahr, der wenige Tage zuvor noch 24 Fragen zur geplanten Einbringung öffentlich gemacht hatte, zeigte sich nach den Antworten zufrieden: Alle Fragen seien aus seiner Sicht ausgeräumt, die Gespräche konstruktiv gewesen.
714 Bauern sagen Ja
Dann wurde abgestimmt. Das Ergebnis war deutlich: Von 791 stimmberechtigten Mitgliedern wurden 774 gültige Stimmen abgegeben. 714 stimmten für die Einbringung, 60 dagegen. Damit wurde die notwendige Zweidrittelmehrheit von 516 Stimmen deutlich überschritten. Vier Mitglieder enthielten sich, 13 Stimmen wurden nicht abgegeben, 17 waren ungültig. Einen Notar brauchte es nicht, der Stimmenzähler wurde von der Generalversammlung bestimmt. Nach der Verkündung brandete tosender Applaus auf.
Damit ist die Entscheidung der OM gefallen. Nun sind Berglandmilch und anschließend die Bundeswettbewerbsbehörde am Zug. Berglandmilch-Obmann Stefan Lindner sprach nach der Abstimmung von einem wichtigen Schritt. Auf dem europäischen Markt müsse man Kräfte bündeln, um gegenüber großen Konkurrenten bestehen zu können. „Unser Auftrag ist die Erwirtschaftung eines angemessenen Milchpreises“, sagte er, und fügte mit einem Augenzwinkern eingangs erwähntes Sprichwort hinzu: „Wir haben es geschafft, doch mehr als drei Bauern unter einen Hut zu bringen.“


