Flucht in die Höhe: Kärntner Bergbahnen sind Gewinner der Hitze
Die Sommersaison war für die Seilbahnen sehr erfolgreich. Rund 50 Millionen Euro haben die Betriebe in diesem Jahr investiert. Tageskarten in Skigebieten erstmals über 70 Euro.

Die diesjährige Sommersaison war für die österreichischen Seilbahnunternehmen sehr erfolgreich. 86 Prozent verzeichneten Zuwächse und kein einziges Unternehmen einen Rückgang, wie eine aktuelle Branchenumfrage der Wirtschaftskammer zeigt. „Das lässt sich auch auf unser Bundesland umlegen. Aufgrund der langen Schönwetterperiode hatten wir in Kärnten rund zehn Prozent mehr Öffnungstage“, zeigt sich Josef Bogensperger jun., Obmann der Fachgruppe Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Kärnten, zufrieden.
Die warme Jahreszeit gewinnt für die Branche an Bedeutung. „Unsere Zahlen im Winter sind stabil, im Sommer zeigt sich Wachstumspotenzial“, sagt Bogensperger. Nichtsdestotrotz bleibt für viele Kärntner Bergbahnen der Winter das Hauptgeschäft. In seinem eigenen Betrieb am Katschberg beziffert Bogensperger die Skisaison noch mit 90 Prozent des Geschäfts: „Doch es gibt in Kärnten auch einige Seilbahnen, wo der Sommer schon 30 Prozent ausmacht.“
Ein großes und millionenschweres Thema sind die Investitionen, die von den Seilbahnen laufend getätigt werden, um den Komfort für die Gäste weiter zu erhöhen. Allein in diesem Jahr schätzt Bogensperger das Investitionsvolumen bei allen Kärntner Bergbahnen auf insgesamt 50 Millionen Euro.
Tageskarten über 70 Euro
Bei den Investitionen aber auch bei Energie und Löhnen sind die Seilbahnen von massiven Kostensteigerungen betroffen, die sich in der kommenden Skisaison auch in den Liftpreisen niederschlagen. Wie berichtet, werden diesen Winter die Preise für die Tageskarten in einigen Skigebieten erstmals über der 70-Euro-Marke liegen. Konkret handelt es sich laut bisherigem Stand um sechs Skigebiete, nämlich Mölltaler Gletscher (72 Euro), Turracher Höhe (72,5 Euro) und Bad Kleinkirchheim, Gerlitzen, Katschberg sowie Nassfeld mit 73 Euro. Von einigen liegen noch keine Preismeldungen vor. Branchenvertreter raten zum Preisvergleich, Prüfen von Angeboten zum Beispiel für Familien und frühzeitigen Kartenkauf. In Heiligenblut gibt es zum Beispiel Dynamic Pricing, bei dem sich der Preis je nach Buchungszeitpunkt, Nachfrage und Wochentag ändert. Für Vielfahrer empfiehlt sich der Kärntner Skipass, dessen Vorverkauf in der Vorwoche begonnen hat und der bis zum 1. November vergünstigt ist.
Die gestiegenen Energiekosten schlagen sich bei den Seilbahnen kräftig zu Buche. Die Branche hat deshalb schon früh versucht, Einsparungspotenziale etwa durch PV-Anlagen auszuschöpfen. Die Palette reicht von der klassischen PV-Anlage auf den Dächern, über PV-Modulen an den Fassaden für die Gebiete, wo zu lange Schnee auf den Dächern liegt, bis hin zu PV-Parkplatzüberdachung wie etwa auf der Gerlitzen. „Unser Ziel ist, den Sommerverbrauch selbst zu erzeugen. Die Spitzenlasten im Winter sind wohl nicht zu schaffen“, meint Bogensperger. In Sölden entsteht aktuell ein „Wald“ mit 800 sogenannten Solarbäumen, die eine Spitzenleistung von 6,3 Megawatt-Peak erreichen soll. Dieses Tiroler Projekt wird auch in Kärnten mit großem Interesse verfolgt, weil es durchaus richtungsweisend sein könnte und auch für einige heimische Gebiete in Frage kommt.
Upcycling alter Liftanlagen
Vor allem für kleinere Kärntner Bergbahnen sind die Erneuerungen von veralteten Liftanlagen finanziell sehr schwer zu stemmen. Das Upcycling von in anderen Skigebieten abgebauten Liftanlagen kann ein Teil der Lösung sein, ist nachhaltig und schont die Umwelt. „Es handelt sich um Anlagen, die ausgetauscht werden, weil sie zu wenig Kapazität haben – also zu lange Wartezeiten verursachen. Sie werden technisch komplett überholt und auch optisch aufbereitet, dass sie praktisch neuwertig sind“, erklärt Bogensperger. Er beziffert das Einsparungspotenzial mit rund einem Drittel der Kosten. Es wurden in Österreich aber auch schon Upcycling-Projekte von Liftanlagen umgesetzt, die sogar 50 Prozent Kostenersparnis erzielt haben.