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Nicht am Ziel: Wie barrierefrei sind die steirischen Bahnhöfe?

Nicht alle Bahnhöfe in der Steiermark sind barrierefrei zugänglich. Die ÖBB geloben Besserung, der steirische Behindertenanwalt sagt: Das geht viel zu langsam.

Das Bild zeigt einen Zug, der an einem Bahnsteig vorbeifährt
© Martin Huber
Wie steht es um die Barrierefreiheit auf den Bahnhöfen?
Tobias Kurakin
Redakteur Steiermark-Ressort

Etwas mehr als ein Dutzend Schritte. Mehr sind es nicht. Allein sie werden aber schon zur Hürde. Am Bahnhof Krieglach ist der Weg zum Bahnsteig kurz und doch für viele zu weit. Denn: Wer im Rollstuhl sitzt oder gehbehindert ist, kann die Stufen, die zur Plattform führen, nicht überwinden. Barrierefrei sieht anders aus.

Der Bahnhof im Mürztal ist weder Ausnahme noch Regelfall. Viele Bahnhöfe in der Steiermark sind bereits barrierefrei und bieten auch mobilitätseingeschränkten Personen die Möglichkeit, zum Zug zu kommen. Das Problem ist: Viele sind nicht alle. Eine Erhebung der ÖBB selbst zum Thema Barrierefreiheit an Bahnhöfen vom November 2025 zeigt, dass 27 steirische Bahnhöfe weder für Personen mit elektrischem noch für Personen mit mechanischem Rollstuhl barrierefrei nutzbar sind. Konkret heißt das: „Eine selbstständige Benutzung der Verkehrsstation ist aufgrund der vorhandenen Zugangsbarrieren selbst mit Hilfestellung nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. In diesem Fall wird die Nutzung der nächstgelegenen barrierefreien Station empfohlen.“

Wer kommt zum Zug, wer bleibt auf der Strecke?

Die ÖBB betonen, Barrierefreiheit sehr ernst zu nehmen und das Thema auf der Agenda zu haben. Diese Einschätzung teilt auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Von dessen Policy-Referentin Klara Schenk heißt es: „Es passiert hier wirklich etwas.“ Aktuell sind in Österreich rund 44 Prozent der Bahnhöfe barrierefrei. Klingt wenig. Zur Wahrheit gehört auch: Diese Bahnhöfe fangen 88 Prozent der Fahrgäste ab. Die ÖBB lassen wissen: Man verfolge das Ziel, den öffentlichen Verkehr möglichst barrierefrei und attraktiv zu gestalten. „Gleichzeitig müssen Ausbaumaßnahmen nach nachvollziehbaren Prioritäten umgesetzt werden, um die verfügbaren öffentlichen Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für Fahrgäste erzielen“, so eine Stellungnahme der Bundesbahnen.

Die ÖBB haben seit 2006 Zeit gehabt, ihre Bahnhöfe zu modernisieren und barrierefrei zu machen. Seither ist zwar etwas passiert, aber noch immer viel zu wenig.

— Siegfried Suppan, Anwalt für Menschen mit Behinderung in der Steiermark

Teilweise Kritik kommt von Siegfried Suppan, Anwalt für Menschen mit Behinderung in der Steiermark. Er sagt: „Die ÖBB haben seit 2006 Zeit gehabt, ihre Bahnhöfe zu modernisieren und barrierefrei zu machen. Seither ist zwar etwas passiert, aber noch immer viel zu wenig.“ Allein mit Blick auf demografische Entwicklungen würde sich das Thema jedenfalls verschärfen. Menschen werden älter, Menschen werden gebrechlicher. „Darauf muss man reagieren“, so Suppan.

Das Bild zeigt Siegfried Suppan
© KK
Siegfried Suppan ist Anwalt für Menschen mit Behinderung in der Steiermark

Die ÖBB wiederum verweisen auf eine klare Prioritätenliste. Zuerst werden hochfrequentierte Bahnhöfe umgebaut, später jene, die in der Nähe von Rehazentren und Ähnlichem sind. Das Problem: Umbauten kosten Geld und Zeit. Gerade kleinere Bahnhöfe bleiben demnach vorerst auf der Strecke. Bei Bahnhöfen mit weniger als 1000 Fahrgästen pro Tag sieht das Bundesbahngesetz zudem eine Kostenbeteiligung der Gebietskörperschaften vor. Neben den ÖBB müssen sich also auch Bund, Länder und Gemeinden auf einen Umbau verständigen und die Kosten aufteilen. In wirtschaftlich angespannten Zeiten gibt es leichtere Kompromisse.

Die Umbauten gehen weiter

Die Situation bleibt schwierig. Suppan und Schenk sagen: Jeder nicht barrierefreie Bahnhof ist einer zu viel, schließt Menschen mit Behinderung vom öffentlichen Verkehr aus und widerspricht dem generellen Ziel der Verkehrswende. Die ÖBB versprechen Verbesserungen. 2027 sollen jene Bahnhöfe mit 90 Prozent der Fahrgäste in Österreich barrierefrei nutzbar sein.

Und in Krieglach? Hier heißt es, dass ein Aufzug bereits geplant sei, um die schwellenfreie Erreichbarkeit der Bahnsteige zu ermöglichen. Umgesetzt werden soll das Vorhaben bis 2031. Das Genehmigungsverfahren für das gesamte Projekt ist aber noch ausständig.