Auf der grausamsten aller Geraden kann YART Geschichte schreiben
Das YART-Team aus Heimschuh kann ab Samstag in Le Castellet erstmals den Titel bei der Langstrecken-WM der Motorräder erfolgreich verteidigen.
360 Stundenkilometer – und das alle zwei Minuten für 26 Sekunden. Die berühmte Mistral-Gerade des Circuit Paul Ricard in Le Castellet (FRA) machte schon Motoren aller Art den Garaus. Dass in der Langstrecken-WM die Strecke 24 Stunden lang durchgehend befahren wird, macht die Sache nicht einfacher – und das ist auch der Grund, warum Manfred Kainz mehr eine Hassliebe mit dem letzten Saisonrennen verbindet. „Ein paar Stunden geht das gut, aber 24 Stunden lang ist das schon grausam und motorenmordend“, sagt der Teamchef des Yamaha-Teams YART unverblümt.
Überlebt der Motor, dann winkt Historisches: Das in Heimschuh ansässige Team könnte beim am Samstag (15 Uhr) beginnenden Rennen erstmals den Titel bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft erfolgreich verteidigen.
In den Jahren 2009, 2023 und 2025 stand YART nach dem vierten und letzten Saisonrennen, das traditionell im Rahmen des „Bol d‘Or“ in Le Castellet ausgetragen wird, an der Spitze der WM-Wertung. Zum Saisonstart feierte Kainz mit seinem Team den Sieg beim prestigeträchtigen Rennen in Le Mans – und das ist ein gutes Omen: Hat sein dreiköpfiges Team dort gewonnen, stand es stets auch in der Endabrechnung ganz oben. „Aber wenn es nicht schon so oft schief gegangen wäre, wäre ich nicht so pessimistisch“, sagt Kainz und spricht jene Rennen in Le Castellet an, die auch schon einen WM-Sieg gekostet haben: „Dort kann jederzeit alles passieren, bis zur letzten Minute ist es dort spannend.“
In der Mistral-Geraden hat YART einen faktischen Nachteil: Gegenüber der schnellsten Konkurrenz verliert es dort 0,7 Sekunden. In den darauffolgenden Kurven kann sein dreiköpfiges Team Karel Hanika (CZE), Marvin Fritz (GER), und Leandro Mercado (ARG) Zeit gutmachen, „aber niemals so viel. Das ist nur mit einer fehlerfreien Vorstellung zu kompensieren.“ Die Stärken von YART liegen in der Konstanz und in der Erfahrung – und die ist in 24 Stunden viel wert. 19 Punkte dünn ist der Polster auf das zweitplatzierte BMW-Team, das um seinen ersten WM-Titel fährt – und für das weit mehr auf dem Spiel steht als für Kainz und Co, denen ein dritter Platz reichen könnte. „Am härtesten ist es, wenn du dir Druck machst. Für uns bricht die Welt nicht zusammen, wenn es nicht reicht.“
Mit Nico Thöni ist auch ein Steirer in Le Castellet dabei: Der Brucker lenkt die Kawasaki des Schweizer Privatteams Bolliger, das vor dem Saisonfinale auf Rang sieben liegt.

