Nach ADA-Pleite: Kroatischer Unternehmer übernimmt die Möbelfirma
Die Prima Grupa, größter Möbelkonzern Kroatiens, übernimmt die insolvente Möbelfabrik ADA. Die Marke soll erhalten bleiben. Es werde auch geprüft, ob wieder in der Steiermark produziert wird.
Es war das Ende einer Ära: Über Jahrzehnte prägte die Möbelfabrik ADA den kleinen Ort Anger und die Oststeiermark. Zu Hochzeiten gab es um die 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist lange her, große Teile der Produktion wanderten in den 1990er-Jahren in die drei Werke in Ungarn und Rumänien. Der Sitz der ADA Möbelwerke Holding ist heute in Raaba.
Dann der Schock im März 2026. 30 Millionen Euro Schulden, die Holding und die ADA Möbelfabrik GmbH waren zahlungsunfähig. Im März 2026 wurde ein Sanierungsverfahren eingeleitet, zwei Masseverwalter übernahmen die Leitung der Betriebe. Das Werk in Anger wurde nach einem Abverkauf geschlossen.
Die Firma ADA
Um 1900 gründete Karl Derler in Anger bei Weiz eine kleine Seilerei (ADA). Sein Sohn Alois Derler übernahm den Betrieb 1930. 1950 begann dieser mit zwei Mitarbeitern mit der Produktion von Matratzen. 1957 startete die Möbelfabrikation.
1970 verstarb Gründer Karl Derler. Rund 300 Beschäftigte gab es bereits in dem Werk. Derlers Enkel Oskar baute das Werk, in dem Polstermöbel und Matratzen fabriziert wurden, zu einem der größten Möbelhersteller des Landes aus.
Im Jahr 1995 gab es bei ADA in Anger rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Ende März 2026 wurde die Insolvenz beantragt und ein Sanierungsverfahren eröffnet. Die Überschuldung des Unternehmens mit dem Stammwerk in Anger, der Dachgesellschaft in Raaba bei Graz und drei Produktionsstätten in Rumänien und Ungarn betrug rund 30 Millionen Euro. Es gab rund 165 Gläubiger, dazu gehörten regionale Lieferanten genauso wie Unternehmen in Deutschland oder Italien.
Barbara Schmid und Christian Pfandl (Anwaltskanzlei Aschmann & Pfandl) wurden als Insolvenzverwalter der Holding bestellt, Philipp Casper (Rechtsanwaltskanzlei Kaan Cronenberg in Graz) fungiert als Insolvenzverwalter in Anger.
Anfang April 2026 gab es bei ADA in Österreich nur noch 65 Beschäftigte: 44 im Werk in Anger, 21 bei der Dachgesellschaft in Raaba. Anfang März waren es noch 179 Personen (85 in Anger, 94 in Raaba). Bei den beiden Werken in Ungarn (Körmend und Nova) waren es um die 550, im Werk in Salonta (Rumänien) ebenfalls rund 550 Beschäftigte.
Ein erhoffter Neustart für die ADA
Nun hofft man auf einen Neustart: Die ADA Möbelwerke Holding AG erhält mit Renato Radić aus Kroatien einen neuen Eigentümer. ADA soll als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden, mit eigener Geschäftsführung, eigenem Vertrieb und eigener Marke. Der Hauptsitz bleibt in Österreich, produziert werden die Polstermöbel weiter in den Werken in Körmend und Nova (Ungarn) sowie in Salonta (Rumänien). Alle Liefertermine und Serviceleistungen bleiben bestehen, Aufträge werden abgearbeitet, Verträge gelten weiter.

Renato Radić ist seit mehr als 30 Jahren in der Möbelindustrie tätig. Er baute die Möbelfirma „Prima“ mit auf, ist heute Eigentümer und Direktor der „Prima Grupa“. Das Familienunternehmen aus Bjelovar ist der größte Möbelhersteller in Kroatien. „ADA ist ein österreichisches Unternehmen und soll es bleiben“, wird Radić in einer Aussendung zitiert. „Meine Aufgabe ist es jetzt, Stabilität und Kapital einzubringen. Ich komme selbst aus einem Familienunternehmen, das 1995 in einer kleinen Werkstatt begonnen hat. Deshalb weiß ich, was ein Name wie ADA wert ist.“
Radić schließt nicht aus, dass wieder in Österreich produziert werden könnte. „Für die weitere Zukunft ist auch eine Wiederaufnahme der Fertigung in Österreich ein Thema, das wir gerade eingehend prüfen.“
Versteigerung der Gegenstände aus der Möbelfabrik
Das riesige Werk in Anger wird das aber nicht mehr retten. Bis kommenden Freitag werden die letzten Überbleibsel aus der Möbelfabrik versteigert. Danach werden die Schauräume sowie die Produktions- und Lagerflächen geräumt. „Die Verwertung der Möbelfabrik läuft gut“, bestätigte Masseverwalter Philipp Casper. Und: „Es gibt Anfragen und Interessenten für die Hallen.“
Übrigens: Ab 20. September findet eine große Möbelmesse in Bad Salzuflen (D) statt. Da werden auch ADA-Möbel ausgestellt.
