Steirische Landesgrenze bleibt für Laurena (7) zu Schulstart unüberwindbar
Das beeinträchtigte Mädchen kann weiterhin nicht die Sonderschule in Tamsweg besuchen, die Uhr tickt. Volksanwaltschaft hat Prüfungsverfahren eingeleitet. ORF-Bürgeranwalt dreht kommende Woche in Stadl an der Mur.

Drei Kinder, drei mögliche Lösungen – aber sind es wirklich Lösungen? „Für uns definitiv nicht“, schüttelt Martin Feuchter den Kopf. Die Geschichte seiner Tochter Laurena zog vergangene Woche weite Kreise, nachdem die Kleine Zeitung über das Schicksal der Familie berichtet hatte. Die siebenjährige Laurena ist körperlich und geistig beeinträchtigt, die Familie wünscht sich einen Besuch der Sonderschule in Tamsweg. Das liegt zwar in Salzburg, ist geografisch aber wesentlich näher am Wohnort in Stadl an der Mur als die nächstgelegene steirische Sonderschule in Judenburg. Das Problem: Das Land Steiermark zahlt die unbedingt notwendige Schulassistenz nur für Kinder, die steirische Schulen besuchen. Salzburg wiederum zahlt für Kinder, die ihren Wohnort in Salzburg haben. Damit fallen Laurena und zwei weitere Kinder durch alle Raster.
Noch vor Schulbeginn bemühten sich Land Steiermark und Bildungsdirektion am Freitag um Lösungen für die drei betroffenen Familien, allerdings um Lösungen auf steirischer Seite. Im Fall von Laurena wurde die Volksschule in Scheifling empfohlen. Fahrtzeit mit dem Sammeltaxi: Eine Stunde. „Und es ist keine Sonderschule“, so Martin Feuchter. Alternativ könnte Laurena mit Schulassistenz und mit einer sonderpädagogischen Lehrkraft die Schule im heimatlichen Stadl an der Mur besuchen. Auch das ist laut Familie nicht optimal: „Unsere Tochter gehört in eine Sonderschule. Was soll sie in einer Klasse mit 15 Kindern machen? Sie wird in eine Ecke geschoben, so hart das klingt“, ärgert sich ihr Papa. Die Schule sei für Kinder mit Beeinträchtigung weder baulich noch pädagogisch ausgerichtet. „In Tamsweg hätte sie Gleichgesinnte, es gibt spezielle Heilbehelfe und Physiotherapie.“
„Nicht zumutbar für andere Kinder“
Hinzu kommt, dass die nicht barrierefreie Schule in Stadl für Laurena umgebaut werden müsste. „Verschwendung von Steuergeld“, nennt das die Familie. Sie sorgt sich auch um den Unterricht für die anderen Kinder: „Laurena ist sehr aktiv, wir bezweifeln, dass das für die anderen Kinder zumutbar ist.“
Eine zweite betroffene Familie aus der Region nimmt das Angebot an und wechselt mit Assistenz an eine örtliche Volksschule, im dritten Fall – es geht um einen Schulbesuch im Burgenland – pocht die Familie weiterhin auf die Wunschschule. Gemeinsam mit der Bildungsdirektion Burgenland und der Schule wurde eine Zwischenlösung gefunden.
Laurenas Familie will indes nicht aufgeben. „Das müssen wir zur Kenntnis nehmen“, heißt es dazu aus dem Büro von Landesrat Stefan Hermann. Man könne nicht mehr tun, als auf steirischer Seite alle möglichen Alternativen aufzuzeigen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Zudem hält man fest, dass vorab keine Kontaktaufnahme der Eltern oder Gemeinde mit der Bildungsdirektion erfolgte. Das „Problem“ sei also sehr kurzfristig aufgetreten.
Schulrecht steht im Wege
Stand heute ist Laurena noch immer in Tamsweg angemeldet, mit der dortigen Bildungsdirektion steht man in engem Austausch. In ihrer Verzweiflung hat die Familie ursprünglich geplant, anfangs Laurenas Mama als Schulassistentin einzusetzen. „Das geht aber nicht, weil sie eine schulfremde Person ist. Plan B war, für die Kosten selbst aufzukommen“, so Martin Feuchter. Auch das scheitert am Schulrecht – ein Pflichtschulbesuch darf den Eltern nichts kosten. Bezahlt das Land Steiermark die Stunden der Schulassistenz nicht, kann Laurena die Aufnahme an der Sonderschule verweigert werden. Den Schulstart verbrachte das Mädchen am Montag daheim. Freilich gilt aber eine Schulbesuchspflicht, eine Lösung muss zeitnah gefunden werden.
Mit dem Fall sind mittlerweile nicht nur Behörden, Bildungsdirektionen und Landesregierungen auf beiden Seiten der Landesgrenzen befasst, sondern auch Behindertenanwalt und Volksanwaltschaft. Letztere hat ein Prüfungsverfahren eingeleitet. Nächste Woche wird in Stadl außerdem für die ORF-Sendung „Bürgeranwalt“ gedreht. Noch hoffen die Eltern auf eine Lösung über Landesgrenzen hinweg: „Es kann nicht sein, dass man mit einem schwer beeinträchtigten Kind so umgeht.“

