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Suche gestartet: Energie Steiermark soll Investor an Bord holen

Seit 2023 ist die Energie Steiermark zu 100 Prozent im Landeseigentum. Um Milliardeninvestitionen stemmen zu können, soll sich das wieder ändern. Land Steiermark befürwortet Kapitalerhöhung, dafür soll wieder ein Finanzinvestor als Minderheitseigentümer an Bord geholt werden.

Die Zentrale der Energie Steiermark in Graz
© FKLZ/Jürgen Fuchs
Die Zentrale der Energie Steiermark in Graz
Manfred Neuper
Wirtschaft

Für viele Beobachter kam es durchaus überraschend: Im Februar 2023 gab die damalige schwarz-rote Landesregierung bekannt, dass man um rund 533 Millionen Euro die Anteile (25 Prozent plus 150 Aktien) an der Energie Steiermark zurückkaufen wird. Seither ist das Land Steiermark Alleineigentümer des Energieversorgers. Bereits damals war von einer „temporären“ Maßnahme die Rede, man wolle sich – ohne Zeitdruck – alle Optionen offen halten, vom Weiterverkauf bis hin zum Börsengang.

Landeshauptmann Mario Kunasek und Stellvertreterin Manuela Khom teilten am Montag – gemeinsam mit den Vorständen Martin Graf und Werner Ressi sowie Aufsichtsratschef Karl Rose mit –, dass nun ein Prozess für eine Kapitalerhöhung bei der Energie Steiermark gestartet werde. Wie berichtet, will der Energiekonzern bis zum Jahr 2035 rund 5,8 Milliarden Euro investieren – in die Stromnetze, die Strom- und Wärmeerzeugung sowie in Speicher und Wasserstoffprojekte. Um dieses Volumen stemmen zu können, ist Eigenkapital nötig, das nun via Kapitalerhöhung sichergestellt werden soll. Konkret soll das Kapital um 25 Prozent angehoben und neue Aktien ausgegeben werden. Dafür soll ein Finanzinvestor gefunden werden, der mindestens jene 533 Millionen Euro einbringt, die damals für die Anteile bezahlt wurden. Das Land bleibe überwiegender Mehrheitseigentümer, bestehende Aktien würden nicht zur Sanierung des Landesbudgets verkauft, betont Kunasek. Es sei daher auch kein „Ausverkauf“.

Martin Graf (Vorstand Energie Steiermark), LH-Stv. Manuela Khom, LH Mario Kunasek, Werner Ressi (Vorstand Energie Steiermark), Karl Rose (Aufsichtsratsvorsitzender Energie Steiermark)
© <em>Land Steiermark</em>
Martin Graf (Vorstand Energie Steiermark), LH-Stv. Manuela Khom, LH Mario Kunasek, Werner Ressi (Vorstand Energie Steiermark), Karl Rose (Aufsichtsratsvorsitzender Energie Steiermark)

Erlöse fließen direkt ins Unternehmen

Der Unternehmenswert soll damit größer als 2023 sein, eine zusätzliche Belastung des Landesbudgets erfolge nicht, da sämtliche Erlöse direkt ins Unternehmen fließen sollen, um den Ausbau in volatilen Zeiten zu beschleunigen. „Damit würde das Unternehmen zu einer neuen Größe wachsen und die raschere und umfangreichere Umsetzung des Investitionsprogramms gesichert würde“, so Kunasek, der mit Khom am Montag auch die Landtagsklubs der Opposition über die Pläne informierte. Der Investor müsse gewillt sein, „eine langfristige Partnerschaft einzugehen – mindestens bis zum Ende der Investitionsphase 2035“. Er erwarte sich „vom zukünftigen Investor und von der Energie Steiermark klare Vorteile für die Kunden bei der Preispolitik“. Davon sollen „die steirische Wirtschaft, die heimische Industrie, der Arbeitsmarkt, vor allem aber die Kunden profitieren“, so der Landeshauptmann. Es brauche „mehr erneuerbare Energie, mehr Netze und mehr Speicherkapazitäten, wenn wir unsere Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sichern wollen“, sagt Khom.

Zuversicht für Partnersuche

„Vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen müssen wir die Importabhängigkeit von Energie noch rascher reduzieren, um die heimische Wirtschaft vor Versorgungsengpässen und steigenden Preisen zu schützen“, betonten Graf und Ressi. Das Bekenntnis des Eigentümers zur Kapitalerhöhung unter geeigneten Rahmenbedingungen stärke das Unternehmen. Der weitere Fahrplan? Bis Ende des Jahres sollen die Strukturierung des Prozesses sowie die Auswahl begleitender Berater durch die Energie Steiermark erfolgen. Dann sollen mögliche Partner geprüft werden und Verhandlungen starten. Ein Abschluss des Prozesses werde im dritten Quartal 2027 angestrebt. Management und Aufsichtsrat zeigen sich mit Blick auf jüngste Transaktionen in europäischen Ländern zuversichtlich, einen geeigneten Partner zu finden. Zur Erinnerung: Bis 2023 war die australische Fondsgesellschaft Macquarie an der Energie Steiermark beteiligt, davor bis 2015 der französische Energieriese „Électricité de France“ (EDF). Ein Investor aus der Energiebranche wird nicht gesucht, sondern wieder ein Finanzinvestor, der langfristig bis mindestens 2035 an Bord bleibt. Mögliche Auswirkungen auf die Vorstands- oder Aufsichtsratsbesetzung oder auch die künftige Dividendenhöhe lassen sich noch nicht abschätzen, wird betont.

Reaktionen

Die NEOS sehen in den Plänen für die Kapitalerhöhung grundsätzlich eine Chance: „Die Steiermark braucht massive Investitionen in Netze und erneuerbare Energie. Ein privater Partner kann dabei doppelt helfen: Er bringt zusätzliches Geld für notwendige Investitionen und mehr externe Kontrolle in ein Unternehmen, das heute stark von der Landespolitik geprägt ist“, so Klubobmann Niko Swatek in einer Aussendung. Es müssten aber klare Bedingungen gelten. „2023 hat das Land mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgegeben, um wieder Alleineigentümer zu werden. Drei Jahre später darf niemand billig bei der Energie Steiermark einsteigen. Die Bewertung muss stimmen und die Rechte des neuen Partners müssen transparent auf dem Tisch liegen.“ Bei der Kontrolle des Unternehmens müsse sich etwas ändern, „heute teilen sich FPÖ und ÖVP die Sitze im Aufsichtsrat auf, ein privater Miteigentümer bringt eigene Vertreter in den Aufsichtsrat und kann damit den parteipolitischen Einfluss zurückdrängen“.