Preiskapriolen bei Energie: Was bedeutet das für steirische Tarife?
Verwerfungen auf Energiemärkten: Was heißt das für die Tarife in der Steiermark? Der Landesenergieversorger Energie Steiermark hält an Milliardeninvestitionen fest. Bis 2035 sollen 5,8 Milliarden Euro fließen.

„Ja, die Volatilität auf den Energiemärkten hat in den letzten Wochen extrem zugenommen“, betont Martin Graf. Der Vorstand der Energie Steiermark verweist u. a. auf den europäischen Gaspreis, der vor Ausbruch des Iran-Kriegs bei 35 Euro je Megawattstunde (MWh) lag, und mittlerweile bei mehr als 70 Euro. Allein in den vergangenen drei Wochen ist der Wert um 40 Prozent nach oben gegangen. „Das belastet sowohl die Industrie als auch die Energieversorger, die zu diesen Preisen beschaffen müssen.“ Als Versorgungsunternehmen setze man auf langfristige Durchschnittsbeschaffungen, „das hilft, zumindest solche Preisspitzen abzufedern". Insbesondere der Einkauf von LNG-Flüssiggas habe sich verteuert. „Die Abhängigkeit hat sich von russischem Pipeline-Gas zu amerikanischem LNG verschoben, was ebenfalls mit Unwägbarkeiten und Volatilität verbunden ist“, so Graf.
Was bedeuten diese Entwicklungen für steirische Gaskunden? Der Gastarif ist an den Österreichischen Gaspreisindex gebunden, der sich an den Großhandelspreisen orientiert. „Beim Gaspreis gab es Mitte des Jahres eine Preissenkung von rund 12 Prozent“, so Vorstand Werner Ressi. Dieser Tarif gelte jedenfalls bis Jahresende. Mit Anfang 2027 kommt es dann wieder zu einer Indexanpassung, wie diese ausfallen werde, lasse sich noch nicht sagen, das werde man im Oktober wissen. Herangezogen werden als Grundlage rückwirkend jeweils die vergangenen neun Monate, daher ist tendenziell mit einer Erhöhung zu rechnen, wenn auch nicht in drastischem Ausmaß.
Fernwärme? „Keine unmittelbare Preisanpassung geplant“
Und die Strompreise? Die Energie Steiermark, so Graf, habe sowohl 2025 als auch 2026 die Fixtarife gesenkt, die heurige Juni-Anpassung, ein einjähriger Bonus, werde jedenfalls bis Juni 2027 gelten. „Die gestiegenen Preise haben zu teureren Tranchen im Einkauf geführt“, so Ressi. Eine genaue Prognose, wie es mit den Stromtarifen weitergehe, lasse sich ob der Volatilität nicht treffen. Ob sich bei den Fernwärmetarifen, die Fernwärme basiert im Großraum Graz zu einem großen Teil auf Erdgas, etwas ändern wird, lasse sich ebenfalls noch nicht sagen. „Die halbjährlichen Evaluierungstermine zeigen aber, dass keine unmittelbare Preisanpassung geplant ist.“
Ressi verweist in diesem Zusammenhang auf das eine halbe Milliarde Euro schwere Investitionsprojekt „Tiefenkraft“. Wie berichtet, setzt die Energie Steiermark gemeinsam mit der OMV ein Tiefengeothermieprojekt um, das ab 2030 den Großraum Graz mit Fernwärme versorgen soll – ab 2037 könnte so die Hälfte des Bedarfs abgedeckt werden. Insgesamt sollen damit Preisschwankungen, wie sie bei fossilen Energieträgern auftreten, der Vergangenheit angehören. Graf erinnert daran, dass „der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Gaspreissteigerungen die Grazer Fernwärmekunden insgesamt 50 Millionen Euro gekostet haben".
5,8 Milliarden Euro werden bis 2035 investiert
Die jüngsten Verwerfungen auf den Energiemärkten werten die Vorstände des Landesenergieversorgers als Bestätigung für den aktuellen Investitionskurs. „Von 2025 bis 2035 investieren wir 5,8 Milliarden Euro in die Erneuerbaren-Erzeugung, das Netz sowie in Speicher“, sagt Graf. Mit Jahresende werde man eine Milliarde dieses Volumens bereits umgesetzt haben, die Rekordinvestitionen von 400 Millionen Euro im Vorjahr werden heuer mit 600 Millionen, davon 300 Millionen Euro in die Netze, noch einmal getoppt. „Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt der jährlichen Investitionen zwischen 2016 bis 2020 bei rund 150 Millionen Euro.“
Ein dekarbonisiertes System und damit die Energiewende seien nicht aus ideologischen Gründen, sondern für die Versorgungssicherheit und die Preisstabilität unerlässlich, das haben die Ereignisse rund um den Ukraine-Krieg, den Iran-Konflikt und die extremen Hitzeperioden im Sommer klar bestätigt“. Auf der Freiländer Alm wurden, wie berichtet, neue Windräder installiert, in der Photovoltaik „werden derzeit 100.000 PV-Module installiert“. Ziel sei es, „bis 2030 300 Megawatt Photovoltaik-Leistung zu erreichen“, sagt Ressi. Davon seien 100 Megawatt bereits fertiggestellt, „weitere 100 Megawatt sind baureif und genehmigt“. Auch in der Wasserkraft habe es „positive Entwicklungen gegeben, wie der UVP-Bescheid für das Murkraftwerk in Leoben“ zeige. Die Pläne für Reformen im Energiesystem durch die Reformpartnerschaft auf Bundesebene verfolge man mit Interesse, so Graf, der auch gute Stoßrichtungen erkennt. Entscheidend sei aber, dass es zu keinen Hemmnissen beim Ausbau von Netzen und Erzeugung komme.
Interesse an der Energie Graz?
Die prekäre Finanzlage der Stadt Graz hat einmal mehr die Frage aufgeworfen, ob die Energie Steiermark weiterhin Interesse an einer Übernahme der Mehrheit an der Energie Graz hat, an der sie ja aktuell 49 Prozent hält. Graf und Ressi halten sich bedeckt, betonen aber, dass es dafür „eine klare Willensbekundung der Stadt benötigt“.