Felix Gall bestätigte bei der Vuelta seinen Platz unter den Besten
Zweites Podest bei einer Grand Tour in einer Saison – nun steht der Wechsel zu Lidl-Trek unmittelbar bevor

Felix Gall hat seine Zugehörigkeit zum Kreis der weltweit besten Rundfahrer mit dem zweiten Grand-Tour-Podium innerhalb weniger Monate untermauert. Der Osttiroler zeigte sich bei der Vuelta a España wie auch schon beim Giro d'Italia über die drei harten Wochen in herausragender Verfassung. Besser als der 28-jährige Kletterspezialist waren nach dem Sturz-Aus von Topstar Tadej Pogačar nur der Spanier Enric Mas und der Slowene Primož Roglič.
Den Rest des Feldes hatte Gall im Griff. Der ehemalige Juniorenweltmeister konnte sich bei seinem höchstwahrscheinlich letzten Einsatz für den Decathlon-Rennstall einmal mehr auf seine große Stärke in den Bergen verlassen, mit der er auch seine Defizite im Zeitfahren kompensierte. Ein Etappensieg blieb ihm aber wie auch schon auf dem Weg zum historischen zweiten Rang beim Giro verwehrt – zunächst stand Pogačar im Weg, ohne den Dominator ließ man Ausreißergruppen so weit ziehen, dass diese auch am Berg nicht mehr einzuholen waren. Im Mai hatte Gall 69 Jahre nach Adolf Christian bei der Tour de France den erst zweiten österreichischen Podiumsplatz bei einer der drei großen Rundfahrten erreicht.
Zur Person
Felix Gall (28), geboren am 27. Februar 1998 in Nußdorf-Debant
Wohnort: Salzburg
Größe/Gewicht: 1,78 m/63 kg
Hobby: Golf
Team: Decathlon CMA CGM (FRA) bis Ende 2026. Davor: 2017-2019 Development Team Sunweb, 2020-2021 Sunweb/DSM
Etappensiege: 1 Etappe Tour de France 2023, 1 Etappe Tour de Suisse 2023, 1 Etappe Vuelta a Burgos 2026.
Gesamtwertung: Zweiter Giro d‘Italia 2026, Dritter Vuelta a España 2026, Fünfter Tour de France 2025, Achter Tour de France 2023 und Vuelta a España 2025, Gesamtsieg Vuelta a Burgos 2026.
Juniorenweltmeister Straße 2015
Österreichs Sportler des Jahres 2023
Bevorstehender Teamwechsel und Rückkehr zur Tour
Setzt Gall seinen 2023 mit dem Königsetappensieg bei der Tour so richtig gestarteten Erfolgsweg weiter fort, darf der Wahl-Salzburger auch in den kommenden Jahren mit den Superstars um die wichtigsten Rundfahrtentitel kämpfen. Die mit Sturzverletzungen rekonvaleszenten Jonas Vingegaard und Pogačar sind im Vollbesitz ihrer Kräfte aber durchaus noch eine Stufe über ihn zu stellen.
Bei der Frankreich-Rundfahrt wird man Gall ziemlich sicher nächstes Jahr wiedersehen – und zwar in einem neuen Team. Die Verkündung seines kolportierten Transfers zu Lidl-Trek steht unmittelbar bevor. Für den finanziell und personell sehr stark aufgestellten Rennstall mit deutscher Lizenz soll Gall, ausgestattet mit einem sehr lukrativen Vertrag, in den kommenden Jahren auftrumpfen. Unterstützen wird ihn dabei weiterhin Gregor Mühlberger. Sein in Spanien durch einen Sturz verletzt ausgeschiedener Edelhelfer und Trainingspartner soll gemeinsam mit ihm wechseln.
Mühlberger war ein sehr wichtiger Erfolgsbaustein in Galls fünfter Decathlon-Saison, in der er unmittelbar vor der Vuelta bei der gewonnenen Burgos-Rundfahrt seinen erst dritten Profisieg feierte. Die volle Konzentration auf zwei weit auseinanderliegende Saisonhöhepunkte und damit einhergehend lange Rennpausen erwies sich ebenso als goldrichtig. Als Basis für den Giro und die Vuelta absolvierte Gall, angeleitet von seinem Coach Stephen Barrett, ausgiebige Höhentrainingslager, die auch für viele andere Profis längst unverzichtbar sind.
Außerdem blieb Gall im Gegensatz zu Pogačar sowie den bei der Tour ausgefallenen Vingegaard und Florian Lipowitz von Sturzverletzungen verschont. Als Abschluss seines formidablen Rennjahres fährt er übernächste Woche noch das WM-Straßenrennen in Kanada. Die dort wartenden zahlreichen kürzeren Anstiege sind aber nicht sein Lieblingsterrain, obwohl er seine Bergaufspritzigkeit durch gezieltes Training heuer noch einmal deutlich verbessert hat.
Letzte Etappe an Norweger
Am letzten Teilstück der 82. Auflage änderte sich an der Spitze der Gesamtwertung nichts mehr, in den Kampf um den Etappensieg griffen die Topfahrer nicht ein. Diesen sicherte sich der Norweger Tobias Halland Johannessen. Die Zeiten für die Gesamtwertung waren bereits vor der letzten Runde gut zehn Kilometer vor dem Ziel eingefroren worden. Damit kamen die Organisatoren dem Wunsch der Fahrer nach, die auf den gefährlichen Kurs hingewiesen hatten. Mas sorgte für den ersten spanischen Vuelta-Sieg seit Alberto Contador 2014. „Ich hatte während der gesamten Vuelta riesigen Spaß. Alles lief super, ich habe jeden Kilometer genossen“, sagte Mas und fügte hinzu: „Ich habe in all der Zeit viele schwierige Momente erlebt, aber eine Vuelta zu gewinnen, ohne zu leiden, ist unmöglich. Man arbeitet darauf hin, einen solchen Tag zu erleben. Davon habe ich geträumt.“