Sie knüpft ein Auffangnetz für Angehörige von Demenzkranken
Astrid Brencic (61) ist die neue Obfrau der Gruppe „Selbsthilfe bei Demenz Klagenfurt“. Sie will Sprachrohr für Betroffene und Angehörige sein.

„Die Hilfe zur Selbsthilfe war für mich das größte Geschenk“. Astrid Brencic (61) erinnert sich an die Jahre, als sie ihre an Demenz erkrankte Mutter intensiv betreute und oft verzweifelt an ihre Grenzen stieß. Zuerst alleine, dann mit 24-Stunden-Betreuerinnen; die letzten eineinhalb Jahre war die Mutter im Pflegeheim. Erst drei Jahre vor deren Tod stieß Brencic auf die Demenz-Selbsthilfegruppe in Klagenfurt. „Sie war für mich ein großes Auffangnetz. Ich wurde gehört, verstanden, nicht bewertet. Ich bekam wichtige Informationen, wo man welche Hilfen bekommt: für meine Mutter und für mich selbst. Es war eine extreme Entlastung für mich. Ich lernte den richtigen Umgang mit meiner Mutter. Es war ein Weg der kleinen Schritte in einem langen Prozess, ich lernte auch Selbstfürsorge“, blickt die pensionierte Bankangestellte zurück, die am zweiten Bildungsweg an der Donauuniversität Krems das Studium der traditionellen chinesischen Gesundheitspflege absolvierte. In den 1990er-Jahren an Knochenkrebs erkrankt, musste der Klagenfurterin ein Bein amputiert werden. Sie lebt seither mit einer Prothese.
Hilfe auch online
Zweieinhalb Jahre nach dem Tod der Mutter dockte Brencic 2022 wieder bei der Gruppe „Selbsthilfe bei Demenz Klagenfurt“ an. Aus Dankbarkeit für die viele Unterstützung, fürs Kennenlernen der Gerontopsychologie, wollte sie etwas zurückgeben. Die Mutter einer Tochter, von zwei Bonuskindern und dreifache Oma ist seither bei den regelmäßigen Gruppentreffen mit Fachvorträgen (zu Rechtsfragen, Inkontinenz, Sturzprävention etc), beim Demenzcafé für Angehörige (mit durchschnittlich 30 Besuchenden, Tendenz steigend), und Zoom-Meetings dabei, gibt ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiter. Interessierte und Betroffene aus Wien, Niederösterreich, Salzburg, aber auch aus Deutschland oder Griechenland schalten sich online dazu.
Neue Pläne
Mitglieder gibt es nicht, aber an die 280 Besucherinnen und Besucher und 175 Netzwerkpartner, darunter Ärzte, Pflegenahversorger, Hospizteams, die ÖGK, Psychologen, Pflegestammtische, Gemeinden. Als im Mai dieses Jahres Langzeit-Obfrau Hannelore Pacher altersbedingt aufhörte, die mit dem Ehepaar Lackner und Gerontopsychologin Christine Leyroutz die Selbsthilfegruppe zu einer „großen Familie wachsen ließ“, war Brencic bereit, als neue Obfrau nachzurücken. „Ich will für die Betroffenen und deren Angehörige ein Sprachrohr sein. Durch meine eigene Behinderung kann ich viel Erfahrung einbringen.“ Jetzt sorgt Brencic mit den vier weiteren Vorstandsmitgliedern für die Aktivitäten des Vereins, für den monatlichen Newsletter. Geplant ist eine Selbsthilfegruppe auch für selbst Betroffene, „vor allem für junge Diagnostizierte, manchmal sind es 40-Jährige“, weiß Brencic, für die ihre Familie, Ehemann Raimund, die Natur, Musik und Kultur wichtige Tankstellen sind.