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Der besondere erste Schultag von Willi Gabalier

Wilhelm Gabalier beginnt am Montag als Lehrer an der Mittelschule Viktor Kaplan in Graz. Er nimmt das sehr ernst, trotz oder wegen seiner Bekanntheit.

Wilhelm „Willi“ Gabalier beginnt am Montag als Lehrer an der Mittelschule Viktor Kaplan in Graz
© Klz / Daniel Winter
Wilhelm „Willi“ Gabalier beginnt am Montag als Lehrer an der Mittelschule Viktor Kaplan in Graz
Thomas Rossacher
Redakteur Bundesland Steiermark

Der Regen tröpfelt auf das Vordach, ein rosa Rad lehnt verlassen am Abstellplatz, ausrangiertes Mobiliar wartet auf den Abtransport. An diesem Freitag ist der Rummel, der ab Montag auch an der Mittelschule Viktor Kaplan in Graz herrschen wird, scheinbar weit weg. Anders im Schulinneren, wo sich Direktorin Bettina Katzensteiner und der Lehrkörper aufs neue Semester einrichten. 240 Kinder, darunter 50 mit „besonderem Förderbedarf“, werden unterrichtet. Integration wird dort großgeschrieben, heuer kommt eine polytechnische Klasse dazu. Neun Lehrkräfte sind neu: darunter Wilhelm Gabalier.

Profitänzer, Volksbildungswerk-Präsident, Musiker, Dancing-Star, Moderator, Hobbylandwirt, Podcaster, Baukultur-Erhalter, Kunstgeschichte-Absolvent oder Mitglied des Kulturkuratoriums: Der 44-Jährige hat viele Zuschreibungen, Pädagoge ist nicht darunter. Wobei: „Ich habe einmal im HIB Liebenau gewohnt und dort mit Schülern gearbeitet“, erzählt er.

Ich habe mein ganzes berufliches Leben mit Schülern zu tun. Und ich bin gerne mit jungen Menschen zusammen.

— Wilhelm Gabalier

Die Aufgabe in Andritz hat eine andere Dimension, wie man im Gespräch bald merkt. Der Steirer ist sicher, Schüler „über den kreativen, künstlerischen Zugang emotional leichter zu erreichen. Und solche, die einen speziellen Förderbedarf haben, besser abzuholen". Als das Chancenbonus-Programm von Minister Christoph Wiederkehr publik wurde, war Gabalier interessiert.

Mittelschule

Ergo hat er sich beworben und hineingekniet. „Das ist eine mehrstufige Prüfung, bis man das Zertifikat bekommt. Du brauchst auch ein abgeschlossenes Studium, du musst Berufserfahrung haben“, skizziert der Quereinsteiger und erzählt von der Instruktions- und Mentorenphase, der Qualitätssicherung und dem Hochschullehrgang, den er noch absolvieren muss. Kurz: „Da wird einem nichts geschenkt.“ Es werde „niemand auf die Kinder losgelassen, der keine Kompetenz hat“.

Schulleiterin Bettina Katzensteiner mit Wilhelm Gabalier in einem Raum im ehemaligen Physiksaal
© Klz / Daniel Winter
Schulleiterin Bettina Katzensteiner mit Wilhelm Gabalier in einem Raum im ehemaligen Physiksaal

Anfängliche Zweifel

Schulleiterin Katzensteiner sagt offen, mit dem bekannten Namen unter der Bewerbung vorerst wenig angefangen zu haben. Das ist ihrem neuen Kollegen nicht neu: „Die Leute denken, der macht das ja nur, weil er es so heißt.“ Aber nach dem einstündigen Gespräch waren die Zweifel dahin. „Es hat super gepasst. Und wir brauchen dringend mehr Bewegung und Tanz in der Schule“, sagt Katzensteiner.

Respekt ist auch beim Tanzen ein großer Faktor. Man muss auf seinen Partner acht geben

— Wilhelm Gabalier

Was genau unterrichtet denn nun „der Neue“? Kunst und Gestaltung, Bewegung und Sport? Das wäre zu eng gefasst, erfährt man in der Mittelschule. Beispielhaft: Der alte Physiksaal wurde umgebaut, moderne Raumeinheiten sind entstanden. Dort wird Gabalier ebenso zu treffen sein wie in den Klassen oder im Turnsaal. „Jeder bringt seine Kompetenzen ein, jeder hat andere Bedürfnisse.“

Pädagoge

Aufregung spielt natürlich mit, wenn der 44-Jährige an Schulbeginn denkt. Die Verwaltungsarbeiten, die Dokumentation, ... daran muss sich der Quereinsteiger erst gewöhnen. Von Parkett und Bühne völlig zurückziehen, wird er sich nicht. Aber leiser treten und auf die Schule achten. „Halbnackt kann ich nicht durch die Herrengasse tanzen“, lacht Gabalier.

 „Es hat super gepasst. Und wir brauchen dringend mehr Bewegung und Tanz in der Schule“, sagt Schulleiterin Bettina Katzensteiner 
© Klz / Daniel Winter
 „Es hat super gepasst. Und wir brauchen dringend mehr Bewegung und Tanz in der Schule“, sagt Schulleiterin Bettina Katzensteiner 

Wilhelm Gabalier über ...

Seinen Berufswunsch als Kind: „Ich wollte Bauer werden.“

Seine Lieblingsfächer als Schüler: Biologie und Religion. „Ich habe Theologie auf Lehramt studiert, aber nicht abgeschlossen.“

Sein „Sorgenfach“: Statistik auf der Uni bzw. Mathe in der Schule. „Heute finde ich Mathematik viel interessanter.“

Die Rückkehr in eine Schule: „Manche Dinge riechen noch so wie man das aus der eigenen Schulzeit in Erinnerung hat.“

Sein Lehrereinkommen: rund 2000 Euro.

Seinen Draht zu Schulen: „Ich habe in der Vergangenheit mit der Bildungsdirektion Schulprojekte gemacht und unterschiedliche Bildungsinitiativen mit dem Bund.“