Felix Gall sicherte bei der Vuelta im Zeitfahren das Podest ab
Der Österreicher verlor erwartungsgemäß Platz zwei an Primož Roglič, sicherte den dritten Platz aber ab. Es führt weiterhin Enric Mas.
Mit schweren Tritten und in die aerodynamische Maschine hineingespannt rollte Felix Gall in Jerez de la Frontera dem Ziel entgegen. Während der Schweizer Stefan Küng (Tudor Pro Cycling) den Tagessieg holte, kam Gall mit einem für ihn sehr soliden Ergebnis ins Ziel und kann sich nun wieder auf seine Domäne, den Kampf in den Anstiegen, konzentrieren. „Ich habe keine Fehler gemacht und habe gegeben, was ich konnte“, sagte Gall (Decathlon CMA CGM) im Ziel. Die Tagesplatzierung (26.) spielte keine Rolle, der Abstand zu Primož Roglič hingegen schon. Der Slowene zeigte seine gewohnte Stärke im Kampf gegen die Uhr und überholte den Österreicher im Gesamtklassement, wie es zu erwarten war.
In Führung liegt weiterhin der Spanier Enric Mas (Movistar), der seinem ersten Gesamtsieg bei einer Grand Tour entgegenblickt. Aber auch Roglič hielt den Traum vom fünften Gesamtsieg – so oft hat noch niemand die Vuelta gewonnen – am Leben. Er hat einen Rückstand von 1:37 Minuten auf Mas. Gall, der heuer bereits den Giro d’Italia als Zweiter auf dem Podest beendet hat, fehlen 3:01 Minuten auf den Spanier nach einem Zeitfahren, das eindrucksvoll begonnen hat.
Denn die Startrampe wurde inmitten der „Real Plaza de Toros“, der im Jahr 1880 fertiggestellten Stierkampfarena von El Puerto de Santa María, aufgebaut. 99 Meter misst das Rund im Durchmesser, und die Fahrer durchspurteten es vom Zentrum aus im Wiegetritt. Schon beim Auftaktzeitfahren war die Szenerie mit dem Start im legendären Casino eindrucksvoll gewählt. Wo sonst die Matadore ihre traditionelle Kopfbedeckung, die „Monteras“, auf dem Haupt tragen, platzierten die Profis ihre großen, aerodynamischen Helme auf den Köpfen. Auch Gall verwendete wie beim Vuelta-Auftakt das direkt auf dem türkisfarbenen Helm montierte Visier und nicht wie beim Giro die Kombination mit einer Brille – es ging immerhin um jedes Watt, das durch Windschlüpfrigkeit gespart werden konnte. Als Letzter rollte unter dem Jubel der Fans der in Rot gewandete Gesamtführende Enric Mas auf den 32,1 Kilometer langen Kurs. Und der Jubel seiner Landsleute trug den Mallorquiner aus Artà in die harte Aufgabe, die er wahrlich gemeistert hat. „Ich habe mich wirklich gut gefühlt und die Zeit, die ich verloren habe, hat sich in Grenzen gehalten“, sagte der Spanier. Er war nur 33 Sekunden langsamer als Roglič – weniger als zu befürchten war.
Die Paella ist bei der dritten Grand Tour des Jahres aber freilich noch lange nicht verputzt, denn es warten zwei Bergetappen und der brutale Schlusskurs in Granada am letzten Tag. „Der Freitag wird ein wirklich langer Tag, und am Samstag wartet dann die Königsetappe. Da ist noch viel möglich, aber wir müssen schauen, wie wir uns fühlen werden. Jeder im Feld scheint schon ziemlich müde zu sein, und das merkt man“, sagte Gall nach der 18. Etappe. Er hat 2:16 Minuten Vorsprung auf den viertplatzierten Richard Carapaz (EF).
Am Freitag fällt die Entscheidung auf einer Strecke, die auch im Bergrennsport bekannt ist: Von der Costa del Sol geht es hinauf zur Bergankunft Peñas Blancas. 18,7 Kilometer lang und durchschnittlich 6,5 Prozent bieten eine gute Möglichkeit zu Attacken. Der erste Teil ist besonders steil, nach 2,5 Kilometern flacht die Strecke etwas ab. Doch dürfen die Besten nicht zu lange im „roten Bereich“ fahren, denn am Samstag warten mit vier langen Anstiegen zwar Chancen auf einen Umsturz, aber auch viele Gefahren. Der Collado del Alguacil ist der krönende Abschluss dieses Teilstücks: 8,3 Kilometer lang und mit durchschnittlich 9,8 Prozent Steigung entspricht er der schwersten Kategorie: „Especial“.