Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Land greift ein: Keine Phantasietermine mehr bei Katarakt-Operationen

Algorithmus spielte bei Terminvergabe von Katarakt-Operationen verrückt: Warum Kages und Land Steiermark eingreifen – aber Augenärzte kritisch bleiben.

Auf Augen-Operationen (Katarakt/Grauer Star) gibt es immer noch lange Wartezeiten in der Steiermark
© stock.adobe.com (Symbolbild)
Auf Augen-Operationen (Katarakt/Grauer Star) gibt es immer noch lange Wartezeiten in der Steiermark
Didi Hubmann
Wirtschaft, Mobilität, Gesundheit

Die Empörung unter Katarakt-Patienten war groß. Die Kleine Zeitung berichtete über 10.794 offene OP-Termine für Katarakt-Operationen, offiziell wurden Wartezeiten von maximal 45 Wochen angegeben. Im Detail: 5647 vorgemerkte Termine von Patientinnen und Patienten zählt man am LKH Uniklinikum Graz in drei unterschiedlichen Dringlichkeitsstufen, mit Wartezeiten zwischen 25 und 45 Wochen. Im LKH Hochsteiermark stehen 5147 Termine auf der Liste (Wartezeit zwischen 22 und 44 Wochen).

Doch die von der Kages angegebenen Wartezeiten waren für eine Reihe von Patienten ein Ärgernis: Ein Leser zeigte auf, dass er erst in 62 Wochen für einen Termin vorgemerkt wäre, ein anderer in über 80 Wochen, der Rekord lag bei 150 Wochen mit einem Termin am 4. 9. 2029.

Das sagen die Patienten zu den Phantasieterminen bei Katarakt-Operationen

„Sechs Monate akzeptiert man, aber nicht über 60 Wochen“, erklärte ein Leser gegenüber der Kleinen Zeitung. Der Patient, der seinen Termin erst 2029 hat, sagt: „In einem Telefonat mit der Augenambulanz wurde mir die Richtigkeit bestätigt, da ich ja noch 70 Prozent Restsehstärke habe, sei es nicht so dringend. Inwieweit 30 Prozent Einschränkung nicht wesentlich sind, ist objektiv womöglich richtig, subjektiv ist diese Einschränkung sehr wohl wesentlich.“

Original-Einladung zur Katarakt-OP für 2029
© KLZ / Ulrike Hofer
Original-Einladung zur Katarakt-OP für 2029

Das Rätsel dieser Phantasietermine ist inzwischen gelöst, Land und Kages griffen aufgrund immer häufigerer Beschwerden jetzt ein. Das Computersystem, in das die Anmeldungen der Augenärzte einliefen, spielte angeblich verrückt – der Algorithmus für die Terminvergabe lief falsch.

Wie das Land die Katarakt-Operationen in den Griff bekommen will

Beim Land erklärte man zähneknirschend: „Für eine Reihe von Patienten wurden in der Vergangenheit vom automatisierten System zum Teil unrealistische Termine in einigen Jahren vergeben. Das führte verständlicherweise bei den betroffenen Patienten zu Verärgerung und Unzufriedenheit, auch wenn OP-Termine in der Realität in der Regel wesentlich früher stattgefunden haben.“ Man wolle das abstellen, deshalb wurde das System neu aufgesetzt.

Deshalb habe die Kages Ende August 2026 ihr Vormerksystem für Katarakt-Operationen modernisiert. „In diesem Zusammenhang wurden auch die Verständigungsbriefe überarbeitet, sodass keine vorläufigen bzw. noch nicht gesicherten Operationstermine mehr mitgeteilt werden. Die Patienten werden individuell rund drei Monate vor ihrem OP-Termin kontaktiert", heißt es seitens des Landes.

Augenärzte fordern mehr OP-Personal für Kages-Spitäler

Diese Umstellung beim Termin- und Wartelisten-Management sorgt aber weiter für schwere Irritationen bei den steirischen Augenärzten. Fachgruppenobfrau Elisabeth Sochor-Micheler betont: „So werden die Patientinnen und Patienten nur einer der Dringlichkeitsgruppen zugeteilt und sie bekommen eine geschätzte Wartezeit. Das ist einfach nicht gut. Das Land muss Geld in die Hand nehmen, es gibt zu wenig OP-Personal in den Kages-Spitälern, deshalb hinkt man hinterher.“

Niemand, der eine Katarakt-OP-braucht, soll länger als ein Jahr warten

Im Land betont man hingegen, dass man die Warteliste abbaue und die Kapazitäten ständig erweitere: Im Februar 2025 seien noch 13.000 OP-Termine offen gewesen, im März 2026 noch 11.500, aktuell sind es etwas über 10.700 (jährlich werden über 11.000 Operationen durchgeführt).

Wartezeiten bis 2028 oder 2029 seien ein Irrtum – und die Patienten würden darüber informiert. Ziel sei es, dass niemand, der die OP braucht, länger als ein Jahr warten müsse. Landesrat Karlheinz Kornhäusl sagt: „Unsere Maßnahmen zeigen erste positive Auswirkungen, aber es gibt noch viel zu tun.“