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Obmann Verein Peršman: „Antifaschismus ist eine Geisteshaltung“

Der Wolfsberger Markus Gönitzer (34) ist seit 2021 Vorsitzender des Verein/Društvo Peršman. Ein Gespräch über den umstrittenen Polizeieinsatz, Demokratie und Kulturarbeit.

Gönitzer mit schwarzem T-Shirt, Kappe und Brille vor dem Museum
© Dieter Kulmer
Markus Gönitzer arbeitet seit zehn Jahren in der Vermittlung des Museum/Muzej Peršman
Eva Kapeller
Redakteurin der Regionalredaktion Völkermarkt/Lavanttal

Sie sind im Lavanttal aufgewachsen und leben seit Jahren in Graz. Was unterscheidet die Kulturarbeit in einer Großstadt von jener in einer kleinen Stadt?

In Graz gibt es natürlich eine größere Dichte an Angeboten und ein Publikum, das mit unterschiedlichen Formaten vertrauter ist. Im ländlichen Raum braucht es manchmal mehr Vermittlungsarbeit. Generell kann man aber nicht einfach etwas veranstalten und davon ausgehen, dass die Leute kommen. Man muss Orte einladend gestalten, Beziehungen aufbauen und Menschen persönlich ansprechen. Das ist für mich überhaupt ein zentraler Teil von Kulturarbeit.

Sie haben Lehramt studiert. Wie kamen Sie zur Erinnerungskultur?

In meiner Schulzeit habe ich relativ wenig über die Geschichte der Kärntner Sloweninnen und Slowenen oder den Widerstand gegen den Nationalsozialismus gelernt. Erst in Graz bin ich mit Veranstaltungen und Initiativen dazu gekommen. Ich war verwundert, dass ich nichts über den Peršmanhof wusste, nur 60 Kilometer von meiner Heimat entfernt. Zum Peršmanhof bin ich über eine antifaschistische Bildungsfahrt gekommen. Dort gab es ein Gespräch mit einer Zeitzeugin. Das hat mich sehr bewegt. Am Peršmanhof fasziniert mich bis heute die Verbindung von Gedenken und Widerstandsgeschichte. Widerstand zeigt auch, dass Menschen in schwierigen Situationen den Mut haben können, für bestimmte Werte einzustehen. Es ist eine große Ehre diesen Ort mitgestalten zu dürfen und das, obwohl ich nicht Teil der slowenischen Volksgruppe bin. Ich bin ihnen dankbar für das Vertrauen.

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Markus Gönitzer im Gespräch mit Redakteurin Eva Kapeller
Markus Gönitzer im Gespräch mit Redakteurin Eva Kapeller © Dieter Kulmer

Ihr Bruder Daniel und Ihr Vater Ingo sind Teil der Kulturinitiative „Container 25“. Ist die Erinnerungskultur ein Familienthema?

Ja, es verbindet uns. Unsere Eltern haben uns natürlich mit deren politischen Werten geprägt. Als Familie haben wir im Urlaub oft Orte besucht, die auch die Geschichte von Nationalsozialismus und Widerstand betreffen.

Im Juli 2025 kam es am Peršmanhof zu einem umstrittenen Polizeieinsatz. Damals haben Sie von großer Ignoranz und fehlender Sensibilität gesprochen.

Der Einsatz hat alte Wunden aufgerissen. Menschen aus der slowenischen Volksgruppe haben gefragt: „Fängt das jetzt alles wieder an?“ Das zeigt, welche historische Erfahrung dahintersteht. Mir ist aber wichtig zu sagen, dass ich nicht für die Betroffenen sprechen kann. Für mich war der Einsatz ein Tabubruch im Umgang mit der Volksgruppe und mit Gedenkorten in Österreich. Gleichzeitig hat das Ereignis eine größere Öffentlichkeit erreicht. Es hat auch positive Reaktionen ausgelöst, auch wenn wir besorgt waren, dass das aufgebaute Vertrauen dadurch verloren gegangen ist. Die Erinnerungsgemeinschaft ist aber enger zusammengerückt. Auch politisch und institutionell gibt es inzwischen mehr Sensibilität. Mit Polizei und Innenministerium werden erste Fortbildungsangebote umgesetzt. Das sind wichtige Schritte, aber keine schnelle Lösung für strukturelle Probleme, die über Jahrzehnte gewachsen sind.

Ist für Sie alles geklärt?

Nein. Eine zentrale Frage ist für mich weiterhin das Motiv. Auch die Frage nach Konsequenzen ist noch nicht abgeschlossen. Besonders problematisch war, dass das Museum davor nicht kontaktiert wurde. Bei einem Ort mit dieser Geschichte hätte man sich erwarten können, dass zunächst das Gespräch gesucht wird. Es gab eine Entschuldigung gegenüber Nachkommen der Opfer, das war sehr wichtig, aber keine offizielle Entschuldigung beim Museum und auch keine gegenüber betroffener Aktivistinnen und Aktivisten. Das finde ich nach wie vor schade.

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Markus Gönitzer
Markus Gönitzer © Radeschnig

Was ist bei kritischer Kultur- und Diskursarbeit wichtig, damit nicht nur eine bereits aufgeklärte Personengruppe zu erreichen ist?

Kultur kann Begegnungen ermöglichen, Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen. Man darf nicht nur etwas produzieren und darauf warten, dass das Publikum es versteht. Man muss überlegen: Wen möchte ich erreichen? Was braucht diese Person, um Zugang zu finden? Gerade im ländlichen Raum ist Beziehungsarbeit wichtig. Gleichzeitig braucht es klare Haltungen: Über kontroverse Positionen kann man diskutieren. Dort, wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder anderer Merkmale die gleiche Würde oder gar ihre Existenz abgesprochen wird, darf Kultur nicht neutral bleiben.

Antifaschismus wird häufig als störend wahrgenommen. Warum?

Antifaschismus ist zunächst eine Geisteshaltung. Eine Positionierung gegen Faschismus. Er kann sehr unterschiedliche Formen annehmen – von Gedenkarbeit und über Kunst und Kultur bis zu Demonstrationen. Demonstrationen sprechen nicht jeden an. Aber Aktivismus ist wichtig. Gerade in Kärnten haben antifaschistische Initiativen lange auf rechtsextreme und NS-bezogene Veranstaltungen aufmerksam gemacht und Wissen darüber geschaffen. Das Antifaschismus auf das Bild des „Störenfrieds“ reduziert wird, ist eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung.

Wo versagt die historische Bildung?

Oft fehlt schon das Grundwissen. Am Peršmanhof müssen wir sehr viel historische Basisinformation vermitteln, bevor wir überhaupt über Bezüge zur Gegenwart sprechen können. Regionalgeschichte sollte früher und stärker in den Unterricht integriert werden. Wenn man Rechtsextremismus verhindern will, reicht ein einmaliger Gedenkstättenbesuch aber nicht. Es braucht eine kontinuierliche, kritisch-reflektierende Bildung. Mit Eva Hartmann und Jasmina Deljanin-Hudelist haben wir ein tolles Team für die Bildungsarbeit von dem ich viel lernen darf.

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Der Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla
Der Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla © Dieter Kulmer

Wie blicken Sie auf den unübersehbaren Rechtsruck?

Der Rechtsruck bedroht nicht nur Minderheiten, sondern auch soziale, kulturelle und bildungspolitische Errungenschaften. Wir müssen gleichzeitig klar gegen menschenfeindliche Positionen auftreten und positive Alternativen stärken. Nur den Rechtsextremismus zu skandalisieren, hat in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich nicht gereicht.

Was bedeutet Demokratie für Sie?

Demokratie ist nicht nur eine Form, sondern hat auch einen Inhalt. Ein Mehrparteiensystem allein garantiert noch keine demokratische Gesellschaft. Demokratie beginnt für mich mit der Gleichheit und Freiheit aller Menschen. Es ist eine globale Frage. Historisch waren viele Menschen von demokratischer Teilhabe ausgeschlossen. Auch heute gibt es Menschen, die hier leben und Teil der Gesellschaft sind, aber nicht dieselben politischen Möglichkeiten haben. Demokratie muss deshalb immer wieder neu ausgehandelt und erweitert werden.

Und Heimat?

Der Begriff ist wegen seiner Geschichte schwierig, aber ich möchte ihn nicht den Falschen überlassen. Heimat ist für mich ein Ort, an dem man sich verbunden fühlt – weil Menschen dort sind, die einem wichtig sind, oder weil man eine Gegend schön findet. Man kann mehrere Heimaten haben, das hat meiner Meinung nach nichts mit Herkunft zu tun. Für mich gehören Graz, Kärnten und andere Orte dazu.

Wie blicken Sie auf die nächsten zehn Jahre?

Ich hoffe, dass ich weiterhin in diesem Bereich arbeiten und mich für Erinnerungskultur und demokratische Bildung einsetzen kann. Für die Erinnerungskultur wird es Herausforderungen und Rückschläge geben. Geschichte verläuft nicht geradlinig. Aber ich glaube daran, dass engagierte Menschen und Initiativen weiterhin viel bewegen können.

Zur Person

Markus Gönitzer (34) wurde in Wolfsberg geboren und ging dort auch zur Schule. In Graz studierte er Geschichte und Englisch auf Lehramt, übte den Lehrberuf jedoch nie aus. Während seines Studiums war er bereits in der Kulturarbeit tätig, unter anderem im SUB und Forum Stadtpark in Graz sowie im Container 25 in Wolfsberg. Seit zehn Jahren arbeitet er in der Vermittlung des Museum/Muzej Peršman, seit 2021 als Obmann des Vereins Peršman in Bad Eisenkappel/Železna Kapla. Gönitzer lebt gemeinsam mit seiner Partnerin in Graz.