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Immer mehr Klagenfurter wollen ihr eigener Chef sein

396 Betriebsgründungen verzeichnet der Großraum Klagenfurt im ersten Halbjahr 2026. Der Trend zur Selbstständigkeit hält damit an.

Immer mehr Klagenfurterinnen und Klagenfurter wagen den Schritt in die Selbstständigkeit
© (c) Gina Sanders - stock.adobe.com (Erwin Wodicka)
Immer mehr Klagenfurterinnen und Klagenfurter wagen den Schritt in die Selbstständigkeit
Petra Eggerer
Redakteurin Regionalredaktion Klagenfurt

Als Immobilienmaklerin in der deutschen Hafenstadt Hamburg bringt Katja Platzner Penthäuser und Villen im hochpreisigen Segment an den Mann oder an die Frau. In ihrer Heimatstadt Klagenfurt hat sich die 28-Jährige ein zweites berufliches Standbein aufgebaut.  Im Feber hat Platzner in der St. Veiter Straße 7 ihr „Matcha Mood“, ein Lokal, das sich ausschließlich mit der japanischen Teekultur beschäftigt, eröffnet. Nur wenige Monate später setzte sie bereits zum Expansionskurs an und bietet seit Mai ihre Matcha-Variationen auch im „Matcha moa“ in Velden an. Den Sprung in die Selbstständigkeit hat die Wahl-Hamburgerin nicht bereut: „Man kann dabei seiner Passion nachgehen und andere Leute damit inspirieren.“ Das Arbeitsvolumen als Unternehmerin sei zwar größer, dafür könne sie sich die Zeit aber freier einteilen.

Auch Patrick Stadler hat sich im ersten Halbjahr 2026 mit „Stadler Consulting“ beruflich auf eigene Beine gestellt. Der erst 24-Jährige beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz (kurz KI) und mit deterministischer Automatisierung in Unternehmen aller Branchen. „Ich sehe mir beispielsweise an, welche Software, Verträge, Geräte und Abläufe im Betrieb im Einsatz sind. Daraufhin wird eine Reihenfolge erstellt, was sich zuerst einsparen und modernisieren lässt“, erklärt der Jung-Unternehmer aus Klagenfurt. Nach der Matura an der HTL Mössingerstraße heuerte Stadler zunächst in diversen IT-Unternehmen als Angestellter an.

Beitrag für Wirtschaft und Gesellschaft

Der Schritt in die Selbstständigkeit war für ihn persönlich die einzig richtige Entscheidung. Neben der freien Zeiteinteilung schätzt der Einzelunternehmer, dass er für die Wirtschaft und Gesellschaft einen Beitrag leisten kann. Übrigens: Stadler zeigt sich auch für die Entwicklung der Spritbiene verantwortlich. Dabei handelt es sich um eine App, die Live-Diesel- und Super-95-Preise aller Tankstellen in der Nähe, alle 15 Minuten aktualisiert aus der offiziellen E-Control-Datenbank, anzeigt. „In Österreich gibt es nur eine Handvoll Apps, die die günstigsten Tankstellen in der Nähe zeigen, und die sind technisch wie bei den Daten auf einem Stand von vor zehn Jahren. Also habe ich meine eigene gebaut, mit haptischem Feedback, mit aktuellen Frameworks und mit Preisverläufen wie bei einer Aktien-App.“

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Katja Platzner erfüllte sich den Traum eines eigenen Matcha-Lokals im Feber
Katja Platzner erfüllte sich den Traum eines eigenen Matcha-Lokals im Feber © Privat/kk

Gerade in und rund um die Kärntner Landeshauptstadt stehen damit die Zeichen auf eine positive Entwicklung: 396 Unternehmensgründungen wurden im Bezirk im ersten halben Jahr angemeldet – 253 in Klagenfurt selbst, weitere 143 in den Umlandgemeinden. Das ergibt ein Plus von knapp einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Dass im ersten Halbjahr 2026 in Klagenfurt-Stadt und Klagenfurt-Land insgesamt 396 Unternehmen neu gegründet wurden und wir damit sogar eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnen, ist gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein starkes Signal“, erklärt WK-Bezirksobmann Franz Ahm. „Es zeigt, dass der Unternehmergeist in unserer Region ungebrochen ist und Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, zu investieren und ihre eigenen Ideen umzusetzen.“

Immer mehr Frauen

Die meisten Gründungen verbuchen die Branchen Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie, Werbung und Marktkommunikation, persönliche Dienstleistungen sowie Versand-, Internet- und allgemeiner Handel. 82,6 Prozent der Gründerinnen und Gründer starten als Einzelunternehmen. 42,5 Prozent aller Einzelunternehmen werden übrigens von Frauen gegründet. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sich immer mehr junge Menschen für die Selbständigkeit entscheiden. Die stärksten Zuwächse zeigen sich bei den unter 20-Jährigen sowie bei den 20- bis 30-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer liegt bei 36,6 Jahren.

Der Unternehmergeist in unserer Region ungebrochen ist, die Menschen sind bereit Verantwortung zu übernehmen.

— Franz Ahm, WK-Bezirksobmann

Die Gründe, ein eigenes Unternehmen zu gründen, sind mannigfaltig. „Selbständigkeit ist für viele eine bewusste Lebensentscheidung, keine Notlösung“, heißt es in einer aktuellen Motivumfrage des WKÖ-Gründerservice. Dabei wolle 68 Prozent in ihrer Zeit- und Lebensgestaltung flexibler sein, ebenso vielen bietet die Selbstständigkeit eine neue Berufsperspektive und weitere 62 Prozent wollen lieber ihr eigener Chef sein.

„Diese Gründerinnen und Gründer sind die Betriebe und Arbeitgeber von morgen. Umso wichtiger ist es, ihnen den Weg in die Selbstständigkeit und vor allem die ersten Jahre als Unternehmer so einfach wie möglich zu machen“, ergänzt Ahm und ist sich der Sache bewusst, dass Unternehmensgründer auch mit zahlreichen Hürden konfrontiert sind. Er fordert daher weniger Bürokratie, rasche und digitale Verfahren sowie gute Rahmenbedingungen für Investitionen und Wachstum. „Wer Unternehmertum fördern will, muss Freiräume schaffen statt zusätzliche Hürden aufzubauen.“