Ein Jahr nach Schicksalsschlag am Pichlmayrgut: „Papa war mein Idol“
Im Sommer 2025 starb der Schladminger Hotelier Christian Steiner bei einem tragischen Unfall. Sein Sohn führt das Pichlmayrgut nun weiter, sein erstes Jahr war ein schwieriges.
Es gibt Situationen, in die eine Person vom Leben hineingeworfen wird und die man niemandem wünscht. In so eine kam Christian Steiner (25) vor etwas mehr als einem Jahr. An einem Sonntagnachmittag Ende Juni 2025 starb sein Vater, Christian Steiner, bei einem tragischen Arbeitsunfall am Bauernhof oberhalb des Hotels der Familie, dem Pichlmayrgut in Schladming. Der 50-Jährige stand mitten im Leben, hatte große Projekte in Planung und sich dementsprechend wenig Gedanken über seine Nachfolge gemacht.
„Zuerst bist du wie in Trance, du checkst eigentlich nichts, es ist wie in einem Film“, erzählt sein Sohn über die ersten Wochen. Das Begräbnis, bei dem Hunderte dabei waren, gleichzeitig blieb das Hotel offen und musste natürlich geführt werden. „Das war schon einschneidend, du hast keine Kontoberechtigungen, kannst keine Löhne auszahlen. Die Mitarbeiter waren extrem einsichtig, sie mussten schon eine Zeit lang auf ihr Geld warten.“
Keine Kontoberechtigung, kein Detailwissen
Ohne Zugänge, ohne Detailwissen stand Steiner da. „Mein Vater war vom Typ her so einer, der viel intuitiv getan hat, viel im Kopf hatte und wenig aufgeschrieben hat. Das hat die Situation natürlich noch schwieriger gemacht.“ Auch mehr als ein Jahr nach seinem Tod sei die Familie noch dabei, die Verlassenschaft zu regeln. Was ist dabei das Schwierigste? „Sowohl der bürokratische Part als auch der familieninterne“, sagt Steiner. Was er aus dem ersten Jahr für sich mitgenommen hat: „Dass es nicht schadet, sich etwas aufzuschreiben“, kann er heute aber schon mit etwas Augenzwinkern sagen.
Auf der positiven Seite stehen der Zusammenhalt in der Familie und die viele Hilfe von Nachbarn, aber auch von Freunden, wie zum Beispiel beim ersten Mal Heuarbeiten. Was aber bereits vorher immer klar war: Der Hotelkaufmann mit Praxiserfahrung in Topbetrieben in Österreich wird das Pichlmayrgut einmal von seinem Vater übernehmen. „Das ist mir schon in die Wiege gelegt worden. Mein Papa war immer mein Idol, ebenso wie mein Opa. Natürlich war es nicht klar, dass es so früh eintritt.“
Gut zu wissen
Im Jahre 1117 wurde das „Gut am Puhel“ erstmals urkundlich erwähnt. Lange bevor an dieser Stelle ein Hotel stand, war es der Amtssitz des Stiftes St. Peter zu Salzburg. Noch heute erzählen zwei Symbole des Wappens aus dieser Zeit: die Schlüssel und die Bischofsmütze.
Die Familie Steiner kam 1711 in Besitz des Anwesens. Bis 1919 blieb das so, dann gab es mehrere Besitzer, 1938 wurde es enteignet und unter anderem zur Unterkunft für Besatzungstruppen umfunktioniert. 1949 kaufte es Cyriak Steiner, der Urgroßvater des jungen Hotelchefs, zurück in den Familienbesitz.
Große Besitzungen und Verantwortung
Jetzt ist der 25-Jährige also sehr jung Geschäftsführer des Hotels Pichlmayrgut, zu dem nicht nur der Tourismusbetrieb mit – je nach Saison – bis zu 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 139 Zimmern gehört, sondern auch eine Landwirtschaft mit Mutterkuhhaltung und rund 100 Stück Rindern. Außerdem wurden ihm auch die Anteile seines Vaters an drei prominenten Tourismusbetrieben der Region übertragen: der Hohenhaus Tenne (33 Prozent), der Almarena Hauser Kaibling (50 Prozent) und der Reiteralm Bergbahnen (22,73 Prozent).
Nicht zuletzt hat Steiner auch den Spitznamen übernommen. „Papa hat schon immer Chrilli geheißen. Wenn man bei uns Christian schreit und sich drei umdrehen, dann war das blöd. Jetzt heiße ich halt Chrilli.“ Die Tradition, dass alle den gleichen Namen bekommen, startete Großvater Christian Steiner, jetzt 89 Jahre. Apropos Familie: Da helfe man zusammen, betont der 25-Jährige. Bei der Geschäftsführung werde er von Tante Marina Steiner unterstützt, Mutter Andrea Steiner greife im Restaurantbetrieb unter die Arme.
Zukunftsprojekte müssen warten
Dementsprechend voll sind die Tage des jungen Hotelchefs mit dem Alltäglichen, für die Projekte und Visionen seines Vaters bleibt wenig Zeit (wir berichteten). Das Chaletdorf oberhalb des Hotels, da sei „noch alles im Entstehen“, dementsprechend wolle er dazu noch nicht konkreter werden. Und das Dreistern-Hotel neben dem Badesee Pichl, der auch der Familie gehört? „Das ist momentan stillgelegt.“
Was er aber definitiv von Christian Steiner gerne übernommen hat: „Das Improvisieren, das Reagieren im Moment. Das gehört zu unseren Stärken.“ Seine andere Leidenschaft, das Kochen, das müsse momentan hintangestellt werden. „Wenn man etwas macht, dann soll man es auch gescheit machen“, ist die Devise des 25-Jährigen. Pläne und Visionen für die Zukunft, die habe er naturgemäß auch: „Ich werde dabei meinen eigenen Weg gehen“, betont er.