Offener Brief beklagt Medizin-Defizite in Radkersburg, Landesrat kontert
Ein anonymes Schreiben von besorgten Radkersburgern macht die Runde, Landesrat Karlheinz Kornhäusl widerspricht in mehrseitigem Antwortbrief. Auch ein Gerücht rund um die Orthopädie-Verlegung regt auf.
Über den Sommer ist die Aufregung um das Orthopädie-Aus am LKH-Standort Bad Radkersburg abgeflaut. Nun nehmen Kritiker die Causa rund um die gesundheitliche Versorgung in der Kurstadt wieder ins Visier: Ein anonymes Schreiben, unterzeichnet von besorgten Einwohnerinnen und Einwohner von Bad Radkersburg und Umgebung, macht die Runde. Darin wollen sie einen „Hinweis auf die stark eingeschränkte und sich zunehmend verschlechternde medizinische Versorgung in Bad Radkersburg“ geben.
Im Brief, der auch der Kleinen Zeitung vorliegt, wird etwa bemängelt, dass es an Wochenenden und Feiertagen in Bad Radkersburg keinen ärztlichen Bereitschaftsdienst und keinen diensthabenden Arzt geben soll, die Tagesklinik am LKH stark überlastet sei, es in der Kurstadt an einer verlässlichen Kontinuität der hausärztlichen Betreuung fehle und die slowenische Nachbarstadt Gornja Radgona ihr gesundheitliches Angebot laufend weiterentwickle, während es auf österreichischer Seite immer weiter eingeschränkt werde. Als Folge wird genannt, dass Menschen, die ihren Ruhestand in Bad Radkersburg verbringen wollten, ihre Wohnungen wieder verkaufen und langjährige Einwohner sogar überlegen würden, wegzuziehen.
Bürgermeister überrascht
Das Schreiben wurde neben zahlreichen Institutionen auch an den Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl und Bürgermeister Karl Lautner (beide ÖVP) geschickt. Lautner habe das Schreiben überrascht: „Ich wüsste keinen aktuellen Anlass dafür. Ich wüsste nicht, wo sich die ärztliche Versorgung so verschlechtert hätte. In Bad Radkersburg ordinieren insgesamt 85 Ärzte pro Tag.“ Was Lautner auch nicht klar ist: „Ich verstehe nicht, warum der Brief anonym geschrieben wird. Wenn ich Sorgen habe, kann ich ja deklarieren, wer ich bin.“
Der Landesrat reagiert mit einem drei Seiten langen Antwortschreiben, das er an den Bürgermeister adressiert hat – weil eine direkte Replik aufgrund des fehlenden Absenders nicht möglich ist, wie er schreibt. Im Dokument, das der Kleinen Zeitung vorliegt, dementiert Kornhäusl die Vorwürfe. In Bad Radkersburg stehe sehr wohl über das Gesundheitstelefon 1450 ein hausärztlicher Bereitschaftsdienst zur Abdeckung von Nachtstunden, Wochenenden und Feiertagen zur Verfügung. Dabei verweist Kornhäusl auch auf den Notarztstützpunkt, der 24/7 betrieben werde.
Ärztezentrum soll noch heuer vergeben werden
Was die niedergelassene Versorgung anbelangt, zählt der Landesrat die zwei besetzten Kassenstellen für Allgemeinmedizin auf und verweist auf eine vakante. Dazu ergänzt Lautner, dass jene vakante und eine zusätzliche Kassenstelle für das geplante Ärztezentrum im LKH Bad Radkersburg vorgesehen seien. Das Ärztezentrum soll übrigens noch heuer in trockene Tücher gebracht werden: „Eine Ausschreibung und Vergabe der PVE in Bad Radkersburg ist bis Ende 2026 geplant“, schreibt Kornhäusl.
Dass „natürlich überall viele Leute in den Ordinationen“ sind, bestätigt Lautner, legt aber nach: „Wo nicht?“ Auch den Vorwurf, die Tagesklinik im LKH sei „bereits stark überlastet“, lässt Kornhäusl nicht auf sich sitzen: Die Frequenz betrage rund drei Kontakte pro Stunde. Auch Betriebsratsvorsitzender Paul Fischer hört das erste Mal von Überlastung: „Das kann nicht stimmen. Ich habe noch nie von Beschwerden gehört.“
Kornhäusl schließt sein Schreiben damit ab, dass er die Behauptung, es liege eine äußerst besorgniserregende medizinische Unterversorgung der Bevölkerung von Bad Radkersburg vor, nicht nachvollziehen könne. Übrigens habe zum Bürgermeister auch noch niemand gesagt, dass er wegen der medizinischen Versorgung Bad Radkersburg verlassen wolle, sagt Lautner.
Gerüchte um Orthopädie-Verlegung
Was die Debatte zusätzlich verschärft, ist ein Gerücht rund um das Orthopädie-Aus. Demnach soll die Abteilung erst 2032 oder gar 2034 nach Deutschlandsberg verlegt werden. „Das Gerücht ist einfach falsch“, antwortet die Kages auf Nachfrage der Kleinen Zeitung. Ob das im Umkehrschluss bedeutet, dass die Orthopädie bis 2030 endgültig von Bad Radkersburg abwandert? Dazu heißt es nur: „Die Kages arbeitet an der Umsetzung des RSG 2030, man muss immer das Gesamtpaket sehen.“