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Oberwölzerin Carmen Kaiser macht Schluss mit „Scheinheilig“

Seit einem Jahrzehnt macht sich Carmen Kaiser aus Oberwölz mit nachhaltiger Mode einen Namen. Nun widmet sie sich einem neuen Kapitel.

Carmen Kaiser aus Oberwölz gründete vor 10 Jahren ihr Modelabel „Scheinheilig“
© KLZ / Maria Steinwender
Carmen Kaiser aus Oberwölz gründete vor 10 Jahren ihr Modelabel „Scheinheilig“
Maria Steinwender
Redakteurin Regionalredaktion Murtal & Murau

Es begann mit Brennnesseln, Flachs und der Idee, Kleidung wieder näher an ihren Ursprung zu bringen. Carmen Kaiser gründete vor zehn Jahren ihr nachhaltiges Modelabel „Scheinheilig“ in Oberwölz. Nun hat sie auf Social Media bekannt gegeben, dass dieses Kapitel zu Ende geht, weil sie sich weiterentwickelt hat.

Kaiser machte sich mit „Scheinheilig“ einen Namen für nachhaltige, handgefertigte Mode. Sie arbeitete mit Naturmaterialien, beschäftigte sich mit regionalen Rohstoffen. Brennnesselfasern und alte Flachsfasern wurden dabei ebenso zum Ausgangspunkt wie zertifizierte Bio-Stoffe.

„Scheinheilig“ war dabei tatsächlich Pionierarbeit. Kaiser verarbeitete Materialien selbst und dokumentierte den Weg von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück. Später wurde ihr das Weitergeben dieses Wissens wichtiger: Auf ihrem Hof im Schöttlgraben bei Oberwölz bot sie Kurse an, in denen altes Handwerk vermittelt wurde.

2025 stand deshalb bereits weniger die fertige Kleidung als das Wissen dahinter im Mittelpunkt. Kaisers damaliger Gedanke: „Nicht die Asche anbeten, sondern das Feuer am Leben erhalten.“

Nun geht sie noch einen Schritt weiter. Die Entscheidung, „Scheinheilig“ nach zehn Jahren zu beenden, sei kein spontaner Entschluss gewesen, erzählt Kaiser im Gespräch. Rund ein halbes Jahr habe sie sich mit der Frage beschäftigt. Für sie selbst habe sich immer deutlicher gezeigt, dass die Geschichte erzählt sei.

Das Ende von „Scheinheilig“ versteht Kaiser deshalb nicht als Scheitern, sondern als logischen Entwicklungsschritt. „Die Energie dieses bisherigen Wesens“ wolle sie nicht in ihre Zukunft mitnehmen. Etwas aufzubauen, zu nähren und irgendwann wieder loszulassen, gehöre für sie zum weiblichen Kreislauf dazu. Erst dadurch könne Raum für Neues entstehen.

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Ein paar Privaterinnerungen aus dem Archiv von Carmen Kaiser
Ein paar Privaterinnerungen aus dem Archiv von Carmen Kaiser © Privat

Weniger produzieren, mehr weitergeben

Ganz verschwinden wird Carmen Kaiser aus der Welt des Handwerks nicht. Im Gegenteil. Nähen, Gestalten und Arbeiten mit den Händen bleiben Teil ihres Lebens. Nur die Rolle verändert sich. „Es ist für mich erfüllender geworden, Menschen zu inspirieren und zur Selbstermächtigung anzuleiten, anstatt primär Konsumgüter herzustellen“, sagt sie.

Menschen sollen wieder lernen, Dinge selbst zu machen. Genau hier setzt Kaisers Zukunftsplan an: Kurse, Workshops und die Weitergabe von Wissen. Geplant sind vor allem Tageskurse.

Es ist für mich erfüllender geworden, Menschen zu inspirieren und zur Selbstermächtigung anzuleiten, anstatt Konsumgüter herzustellen.

— Carmen Kaiser, Gründerin von „Scheinheilig“

Auch ihre beiden kleinen Kinder spielen eine Rolle. Eine große gewerbliche Eigenproduktion passe derzeit schlicht nicht mehr zu ihrem Alltag.

Letzte Stücke im Online-Shop

Vorerst heißt es dennoch: Platz schaffen für Neues. Der Online-Shop von „Scheinheilig“ bleibt bis 21. September geöffnet. Wer noch ein Stück aus den vergangenen zehn Jahren erwerben möchte, bekommt damit eine letzte Gelegenheit.

Danach soll im kommenden Herbst und Winter eine Findungsphase folgen. Eine neue Website unter Kaisers eigenem Namen ist geplant. Sie soll künftig als einfache Plattform für Kurse, Projekte und weitere Ideen dienen.

Die Gemeinschaft bleibt

Was von den zehn Jahren „Scheinheilig“ bleibt, sind für Kaiser aber ohnehin nicht nur Kleidungsstücke. Besonders in Erinnerung bleiben ihr die zahlreichen Kooperationen mit Fotografen, Models und anderen Herstellern sowie die Rückmeldungen von Menschen, die ihre Kleidung über viele Jahre getragen haben.

Auch die Erkenntnis, wie aufwendig handwerklich gefertigte Kleidung tatsächlich ist, gehört dazu. Einen Weg von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück zu gehen, lasse sich heute über den Verkaufspreis kaum noch finanzieren. Für den Eigenbedarf will Kaiser diese Arbeit aber weiterhin machen. Langfristig möchte Kaiser auch eigene Projekte und Stoffe wieder aufgreifen; allerdings ohne den Druck, Bestellungen erfüllen zu müssen.

Ein wichtiger Teil ihrer Zukunft ist außerdem die Gemeinschaft. Ob bei Handwerksrunden mit Seniorinnen oder im Austausch mit jüngeren Menschen: Das gemeinsame Tun und Weitergeben von Wissen soll bleiben.

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Fotos vom letzten Besuch am Hof im Schöttlgraben
Fotos vom letzten Besuch am Hof im Schöttlgraben © KLZ / Maria Steinwender

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