Hitze und Trockenheit: So verläuft die Honigsaison in Völkermarkt
Die Bedingungen seien keineswegs durchgehend ideal gewesen. Während der Obstblüte habe es auch Frost gegeben, später sei es lange heiß und trocken gewesen.

„Sehr, sehr gut“, bringt Anton Hinterer, Bezirksobmann der Imker in Völkermarkt, die Saison auf den Punkt. „Die Ernte ist praktisch von Mai bis Mitte oder Ende Juli durchgegangen.“ Das sei alles andere als selbstverständlich. Normalerweise gebe es zwischen der Obstblüte und der Waldtracht ein „Loch“ von zwei bis drei Wochen. „Es hat Jahre gegeben, in denen die Imker sogar füttern mussten, damit die Bienen bis zur Waldtracht überleben“, erklärt Hinterer.

Besonders bemerkenswert: Die Honigtauerzeuger seien heuer bereits Mitte Mai in ausreichender Menge vorhanden gewesen. In der Regel beginne diese Phase erst Ende Mai oder Anfang Juni. „Wir wissen nicht genau, warum das so war. Das würden wir alle gerne wissen“, sagt Hinterer mit einem Lachen. Denn eigentlich seien die Bedingungen keineswegs durchgehend ideal gewesen. Während der Obstblüte habe es immer wieder Frost gegeben, später sei es lange heiß und trocken gewesen.
Normalerweise müsste sich Hitze und Trockenheit negativ auf die Nektar- und Honigtauproduktion auswirken
— Anton Hinterer, Bezirksobmann
„Normalerweise müsste sich Hitze und Trockenheit negativ auf die Nektar- und Honigtauproduktion auswirken. Heuer war das scheinbar nicht der Fall“, zeigt sich Hinterer erfreut. Die außergewöhnlich gute Saison sei auch kein rein regionales Phänomen. „Soweit ich weiß und nachdem ich mit vielen Imkerkollegen gesprochen habe, war das nicht nur im Bezirk so. Zumindest kärntenweit war die Situation sehr ähnlich.“
Ganz ohne Herausforderungen verlief die Saison aber nicht. Teilweise sei Melizitose aufgetreten – ein Dreifachzucker der durch Insekten produziert wird, was den Honig extrem schnell kristallisieren lässt. „Damit müssen wir aber auch leben. Irgendetwas ist immer“, meint Hinterer.

Auch Erich Ročnik von der Imkerei Ročnik in Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela zieht eine positive Bilanz. „Ausgezeichnet. Eines der besten Jahre, die wir hatten“, sagt der Imker. Eine zeitige Frühjahrsentwicklung und eine gute Überwinterung hätten für starke Bienenvölker gesorgt. „Die Wiesenblumen und die Obsttracht haben für den Aufbau gereicht. Und die Waldtracht hat früher angefangen.“ Während diese in normalen Jahren rund um den 20. Juni einsetze, habe sie heuer deutlich früher begonnen. „Schon voriges Jahr war ein gutes Jahr und leicht über dem Durchschnitt. Heuer war es bei uns aber bedeutend mehr.“
Jetzt beginnt für Ročnik die Vorbereitung auf den Winter. „Die Sommerbehandlung ist abgeschlossen, die Fütterung ebenfalls. Es folgen noch Nachkontrollen und je nach Wetter im November die Winterbehandlung.“ Danach sei das Bienenjahr im Wesentlichen abgeschlossen.

Ähnlich positiv fällt die Bilanz von Eduard Kerbitz von PetzenBiene – Imkerei in St. Michael ob Bleiburg/Šmihel nad Pliberkom aus. „Es war ein sehr erfreuliches Jahr – noch besser als im Vorjahr“, sagt er. Der Ertrag sei deutlich höher ausgefallen als erwartet. Gerade deshalb habe ihn das Ergebnis überrascht: „Der Juni war ja schon ziemlich trocken.“ Zwölf Wirtschaftsvölker standen bei Kerbitz heuer für die Honigernte bereit. Insgesamt betreut er derzeit rund 30 Völker für die kommende Saison. Nun stehen die Herbstarbeiten an. „Es geht um die Behandlung gegen die Varroamilbe und bei jenen, die noch nicht aufgefüttert haben, um das Auffüttern. Die Völker sollen startklar für den Winter sein.“

Auch Verena Lobnig vom Bienenzuchtverein Griffen zeigt sich zufrieden: „Sehr gut, man darf sich nicht beschweren.“ Ausschlaggebend sei vor allem das große Blütenangebot gewesen. „Es war zwar extrem heiß, was nicht unbedingt förderlich ist. Aber die Tracht war recht gut.“ Lobnig betreut 13 Bienenstöcke und befindet sich derzeit mitten in den Arbeiten nach der Honigschleuderung. „Nachdem alles abgeschleudert wurde, werden die Bienen gefüttert und behandelt.“ Ihr persönlicher Ertrag sei in etwa mit dem Vorjahr vergleichbar gewesen. „Das hängt aber stark von der Lage ab, in der man wohnt“, betont Lobnig. Sie blickt weiterhin optimistisch nach vorne: „Man muss immer positiv denken.“
Den Bienen ist es egal, ob eine Pflanze heimisch oder ausländisch ist
— Anton Hinterer, Bezirksobmann
Auch Anton Hinterer weiß, dass die Bienensaison noch nicht vollständig vorbei ist. Solange die Temperaturen passen und die Bienen Nahrung finden, werde weiter gesammelt. Besonders Schlingknöterich und Springkraut, zwei Neophyten, seien derzeit gute Nektar- und Pollenspender. „Den Bienen ist es egal, ob eine Pflanze heimisch oder ausländisch ist. Sie sammeln, was sie finden.“ Erst wenn die Temperaturen dauerhaft unter rund acht Grad fallen, endet der Flugbetrieb weitgehend. Das sei meist Mitte bis Ende Oktober der Fall. Bis dahin freuen sich die Imkern über ein außergewöhnliches Jahr – und die Hoffnung, dass die Natur auch in der kommenden Saison wieder ähnlich großzügig ist.