Gestütsmeister in Piber: „Ich könnte nicht ohne die Pferde“
Vom Stallausmisten bis zum Gestütsmeister: Franz Krugfahrt hat seine berufliche Heimat im Lipizzanergestüt gefunden. Am Samstag steht mit dem Almabtrieb der Junghengste auch für ihn ein Highlight an.

Ob Geburten von Fohlen, Besuche vom Tierarzt und vom Hufschmied oder der Almabtrieb der Stuten von der Brendl- sowie jener der Hengste von der Stubalm: Bei allem, was im Lipizzanergestüt Piber passiert, ist Gestütsmeister Franz Krugfahrt vorne dabei.
Dass er einmal jeden Tag mit Lipizzanern zu tun haben würde, hat er quasi seinem Vater zu verdanken. Als Krugfahrt, der in Afling aufgewachsen ist, 14 Jahre alt war, bekam er 20 Schilling Taschengeld pro Woche. „Ich habe dann um eine Gehaltserhöhung gebeten“, erinnert er sich schmunzelnd zurück. Sein Vater entgegnete: Dann müsse er eben arbeiten – im Gestüt sei immer genug zu tun, zum Beispiel beim Stall ausmisten.

Seit 2025 Gestütsmeister
„Dort habe ich dann meine Liebe zu Pferden entdeckt“, sagt Krugfahrt. Davor hatte er keine Berührungspunkte mit den Tieren, „und ich kann bis heute nicht sagen, was genau mich an Pferden so fasziniert – es ist einfach da.“
Im Jahr 2002 startete er eine Lehre zum landwirtschaftlichen Facharbeiter im Gestüt. Später war er als solcher auch in der Privatwirtschaft tätig, 2016 kehrte Krugfahrt zurück nach Piber. Neun Jahre war er dort als Pferdepfleger angestellt, seit vergangenem Sommer ist der 39-Jährige Gestütsmeister.
Er ist damit verantwortlich für die Haltung und Pflege der Lipizzaner und kümmert sich auch um viele organisatorische Anliegen, bestellt etwa Futter oder schreibt Dienstpläne für die rund 40 Pferdepfleger und -pflegerinnen. Auf die Frage, ob er sich beruflich auch etwas anderes vorstellen könnte, schüttelt Krugfahrt entschieden den Kopf: „Nein, eigentlich nicht. Ohne die Pferde könnte ich nicht.“
„Kulturgut, das man schätzen und erhalten muss“
Besuchern des Gestüts war Krugfahrt aber schon ein Begriff, bevor er Gestütsmeister wurde. Er war schon lange davor einer der Mitarbeiter, die regelmäßig durch das Gestüt führen. „Das war und ist ein Privileg für mich, den Leuten zu zeigen, was und wie wir hier arbeiten“, sagt er. „Ich finde es wichtig, dass man auch sieht, was hier jeden Tag geleistet wird.“
Welche Fragen ihm bei den Führungen gestellt werden, sei zumindest bei den Erwachsenen ganz unterschiedlich, erzählt der Aflinger. „Bei den Kindern ist es aber immer dieselbe: Wann sehen wir die Pferde?“
Durch die Stallungen zu gehen, den Fohlen kurz beim Spielen zuzuschauen – das ist jeden Tag kostbar und einzigartig für mich
— Gestütsmeister Franz Krugfahrt
Für Besucher, selbst für Stammgäste, sind das Gestüt und seine besondere Atmosphäre ein Highlight. Verändert sich das, wenn es zum Alltag gehört? „Überhaupt nicht“, winkt Krugfahrt ab. „Im Gegenteil. Jeden Tag, wenn ich in der Früh von Bärnbach nach Piber fahre und nach der Kurve das Schloss im Morgengrauen auftaucht, denke ich, was das für ein schöner und besonderer Ort ist.“ Das Gestüt und die rund 300 Lipizzaner, die hier leben, seien ein Kulturgut, das es zu schätzen und zu erhalten gilt, sagt Krugfahrt, der alle Pferde bei ihrem Namen kennt.
Der Almabtrieb am 12. September
Purer Sonnenschein und ein Höchsttemperatur von 23 Grad sind für den Almabtrieb der Lipizzaner am Samstag vorausgesagt. Los geht das Programm traditionell mit der heiligen Messe inklusive Kirchen- und Schatzkammerführung in Maria Lankowitz um 10 Uhr. Um 11 Uhr folgt „PS trifft PS“ mit der Vespa-Segnung am Schlossplatz. Die Pferde selbst werden kurz nach 12 Uhr beim Gasthaus Wiendl erwartet, wo sie mit Wiesenblumen geschmückt werden. Danach geht es auf den Hufen in Richtung Schlossplatz, wo um 13 Uhr die Pferdesegnung am Programm steht. Zudem gibt es ein umfangreiches Musik- und Kulturprogramm.
In Köflach startet das Programm um 10 Uhr mit einer Radio-Grün-Weiß-Wunschsendung, einer Lipizzania-Filmvorführung in der Bibliothek sowie Musik- und Kulturprogramm am Rathausplatz ab 11 Uhr. Am Hans-Kloepfer-Platz gibt es auch wieder ein Kinderprogramm und Kutschenfahrten. Die Lipizzaner werden dann um 14 Uhr in der Pferdestadt einziehen. Auch um 16 Uhr gibt es eine Lipizzania-Filmvorführung.
Im Gestüt Piber, wohin die Hengste für den Winter zurückkehren, gibt es um 9.45, 11, 13.30 und 14.45 Uhr Gestütsführungen und Kutschenfahrten. Ab 15.30 Uhr, wenn auch die Hengste im Gestüt erwartet werden, sorgt die Antenne Steiermark für DJ-Musik in der Arena. Um 16.30 Uhr wird der Film „Das Glück dieser Erde“ im Museum gezeigt, um 16 und 18 Uhr gibt es Filmvorführungen in den Prunkräumen. Um 18 und 20 Uhr werden Dokumentarfilme aus der Welt der Pferde in der Geschirrkammer gezeigt. Um 18 Uhr startet zudem das Gratis-Konzert von Matakustix und der Gruppe Tagtraeumer.
Parkplätze für Besucher gibt es beim Pibersteiner See, am Sportplatz Maria Lankowitzund im Lipizzanergestüt Piber. Zudem verbinden kostenlose Shuttlebusse die Veranstaltungsorte im 10-Minutentakt an folgenden Haltestellen: Pibersteiner See, FF Maria Lankowitz, Gasthaus Wiendl, Bahnhof Köflach, Quergasse-Rathauspassage, Therme Nova und Lipizzanergestüt Piber.
34 Junghengste werden von der Alm abgetrieben
In den Fokus gerückt wird dieses Kulturgut beim Almabtrieb der Junghengste von der Stubalm am Samstag. „Wir freuen uns alle auf den Abtrieb, das ist eine Veranstaltung, die hier in der Region tief verwurzelt ist“, sagt Krugfahrt.
Die 34 Junghengste waren nun rund drei Monate auf der Alm. „Das ist essenziell für sie“, erklärt Krugfahrt. „Pferde verbringen von Natur aus rund 15 Stunden pro Tag mit der Futtersuche, sie brauchen die Bewegung. Auf der Alm, auf rund 1500 Metern Seehöhe, werden neben der Muskulatur und der Trittsicherheit der Lipizzaner auch ihre Herz- und Lungenleistung gefördert.“
Dass die Tiere beim Abtrieb einem großen Publikum präsentiert werden können, ist ein zusätzliches Highlight. Wobei Krugfahrt auch die alltäglichen Höhepunkte in seinem Beruf zu schätzen weiß: „Durch die Stallungen zu gehen, den Fohlen kurz beim Spielen zuzuschauen – das ist jeden Tag kostbar und einzigartig für mich.“