Das sind die schrägsten Ortsnamen in Klagenfurt und Umgebung
Waren Sie schon einmal „Am Teller“, in „Blasendorf“ oder in „Kosasmojach“? In der Region Klagenfurt gibt es einige Ortsnamen, bei denen man zweimal nachfragen muss. Oft stecken dahinter aber interessante Geschichten.

Wo sind die Gondeln? Mehr als einmal wurde diese ironische Frage den Bewohnern von „Klein Venedig“ bei Grafenstein gestellt - sogar einmal von einer österreichischen Satiresendung. Circa 300 Kilometer nordöstlich der weltbekannten Lagunenstadt Venedig liegt das beschauliche „Klein Venedig“ in Grafenstein. Die Unterschiede der 60-Einwohner-Ortschaft mit dem italienischen Vorbild könnten wohl nicht größer sein. Der Name wurde zuerst ironisch vergeben und dürfte dann einfach gelassen worden sein. „Es war zuerst ein Feuchtgebiet, bevor das Gebiet entwässert wurde. Trotzdem haben noch vor der Entwässerung dort Leute gebaut. Der Name dürfte so entstanden sein. Die Leute werden aber nicht belästigt, der Name ist bei uns ganz normal. Ich finde Venedig natürlich sehr schön, aber wer Ruhe und Entspannung sucht, ist in Klein Venedig besser aufgehoben“, sagt Bürgermeister Stefan Deutschmann.

Kurios aber mit viel Geschichte
Auch die Nachbargemeinde Ebenthal kann mit kuriosen Ortsnamen aufwarten, wie etwa „Kosasmojach“, zwischen Rottenstein und Kohldorf. „Der Ortsname ist seit 1357 überliefert. Er ist durch eine Wortzusammensetzung entstanden, das slowenische Wort „kosez“ wird im Deutschen mit Edling übersetzt und „smoja“ bezeichnet eine Brandrodung. Hier dürfte es also einmal eine Brandrodung gegeben haben“, erklärt Sprachwissenschaftler und bekannter Ortsnamen-Experte Heinz-Dieter Pohl im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.


Ortsnamen – ein Beleg für Mehrsprachigkeit
Generell sei der Einfluss der slowenischen Sprache klar in den Ortsnamen erkennbar. „Die meisten Namensüberlieferungen haben wir aus dem Mittelalter zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert. In Kärnten lebten zuerst romanisierte Kelten und danach gab es immer schon die deutsche und die slowenische Sprache bei uns. Das zieht sich bis nach Osttirol“, schildert Pohl. Alle Sprachen, die es in Kärnten gegeben hat, sind etwa im Namen der Landeshauptstadt Klagenfurt* festgehalten. „Der Schlüssel zur Erklärung des Namens liegt in seiner slowenischen Entsprechung Celovec. Es hat mit l‘aquiliu einen romanischen Ursprung. Das bedeutet so viel wie Platz am Wasser. Es folgten sprachliche Entlehnungen und Übersetzungen ins Slawische und Frühslowenische bis das Wort Cviljovec entstand. Da slowenisch cvilja zufällig Klage bedeutet, wurde dies im Deutschen mit Klage übersetzt und es entstand, die der Lage des Ortes entsprechende deutsche Bezeichnung Klagenfurt. Mitgespielt hat, dass die Gegend um Klagenfurt eine mühsame Gegend mit viel Sumpfgebiet war. Auch die mythologische Figur der ,Klage‘, die an der unfallträchtigen Furt ihr Unwesen getrieben haben soll, hat sicher eine Rolle gespielt bei der Namensfindung“, sagt Pohl.
*Detaillierter kann man das auch im „Kleinen Kärntner Namenbuch“ nachlesen von Heinz-Dieter Pohl.
Krummer Baum und Tellerform
Die meisten Orte seien nach der Beschaffenheit oder nach einer Person benannt. Krumpendorf wurde im Grunde nach einem krummen Baum benannt und „Am Teller“ in Köttmannsdorf ist auf die Form der Gegend zurückzuführen. „Teller kommt hin und wieder in der Namensgebung vor“, erklärt Pohl.

Religion, Tiere und Landschaft spielten eine Rolle
Zahlreiche Klagenfurter Ortschaften haben einen religiösen Ursprung, wie etwa Ehrental (Klagenfurt), Gottesbichl (Magdalensberg), Opferholz (Klagenfurt), Pfaffendorf (Ebenthal), Kreuzbichl (Magdalensberg), Ehrensdorf (Maria Rain). Andere haben beim ersten Hinschauen tierische Namensgeber: Bärental und Hundsdorf (Feistritz im Rosental), Froschendorf (Grafenstein), Ameisbichl (Poggersdorf), Vögelitz (Moosburg) und Wölfnitz. Wobei es bei Wölfnitz keine urkundlichen Belege gibt, dass es dort einmal Wölfe gegeben hat. „Der Ursprung dürfte im slawischen Namen Wolowitza liegen, was mit Ochsenbach übersetzt wird. Es könnte ins Deutsche mit Wolf übersetzt worden sein. Nicht bei allen Ortsnamen kann man den Ursprung genau festlegen, oft gibt es mehrere Theorien“, schildert Pohl. Die meisten Orte mit sch- oder tsch-Lauten seien aus dem Slowenischen übersetzt worden. Herrliche Klagenfurter Zungenbrecher sind beispielsweise die Keutschacher Orte: Plaschischen, Plescherken und Pertitschach sowie Strantschischach (Maria Rain).
Von Poppichl nach Blasendorf
Fest stehe aber, dass es bei „Poppichl“ keinen sexuellen Bezug gibt. Der Ortsname hat einen slowenischen Ursprung und bedeutet im Grunde „das untere Feld“, erklärt Pohl. Ebenso „Blasendorf“ in Klagenfurt, der Name bedeutet „Dorf des blag“, also des Richters oder Verwalters. „Dieser Ort war Sitz des ,Herzogbauern‘, der bei der Zeremonie der Herzogeinsetzung auf dem Zollfeld als Repräsentant des Volkes auftrat“, klärt Pohl auf.
