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Rendite, Steuern: Was ein staatliches Zukunftsdepot bringen soll

Vorsorge am Kapitalmarkt. Die Bundesregierung verhandelt über die Einführung eines „Zukunftsdepots“. Ist die angenommene Rendite realistisch und was gilt es rund um den Ausstiegszeitpunkt zu bedenken? Ein Überblick.

© IMAGO
Manfred Neuper
Wirtschaft

Auch wenn innerhalb der Bundesregierung noch keine finale Einigkeit darüber besteht, wann und wie genau das sogenannte „Zukunftsdepot“ eingeführt werden soll, sorgt das geplante Veranlagungsinstrument für Diskussionsstoff. Wie berichtet, sollen nach den Plänen der ÖVP Eltern ein steuerfreies Depot für ihre Kinder anlegen können. Zudem soll der Staat ab 2027 bei der Geburt eines Kindes ein Startguthaben von 500 Euro beisteuern. Bis zur Volljährigkeit bleibt es steuerfrei, davor sollen weder Kapitalertragssteuer (KESt) noch Kontoführungsgebühren anfallen, das Geld wird auf dem Kapitalmarkt angelegt. Jährlich können die Eltern bis zu 5000 Euro einzahlen. Während die NEOS auf eine möglichst rasche Einführung drängen, hieß es aus dem SPÖ-geführten Finanzministerium zuletzt u. a., dass eine Umsetzung mit Jahresbeginn 2027 schwierig werde.

Rechenbeispiele. Das Kanzleramt hat mehrere Modellrechnungen vorgelegt: Bei einer angenommenen Rendite von knapp sieben Prozent im Jahr über eine Laufzeit von 18 Jahren komme man bei einer monatlichen Einzahlung von 50 Euro – 600 Euro pro Jahr – auf einen Depotwert von rund 21.000 Euro. Die KESt-Befreiung sorge für eine Steuerersparnis von rund 2800 Euro. Wer 150 Euro im Monat für ein Kind in das Zukunftsdepot investiert, 1800 Euro pro Jahr, kommt bei der angenommenen durchschnittlichen Rendite nach 18 Jahren auf 63.000 Euro auf dem Konto, die Steuerbefreiung bringe bei Entnahme der Einlage rund 8500 Euro. Beim Höchstbetrag von 5000 Euro pro Jahr hat das Kind laut Modellrechnung zum 18. Geburtstag bei der angenommenen durchschnittlichen Rendite rund 175.000 Euro auf dem Zukunftsdepot, die Steuerbefreiung macht dann 23.700 Euro aus.

Rendite. Ist die angenommene Rendite realistisch? Der Finanzmarktexperte Josef Obergantschnig hat für die Kleine Zeitung nachgerechnet und kommt zum Ergebnis, dass „die rund sieben Prozent, mit denen das Kanzleramt rechnet, kein Wunschdenken sind". So liege der „historische Mittelwert eines monatlichen MSCI-World-Sparplans – über 18 Jahre – bei 8,7 Prozent, der Median bei 8,0 Prozent". Der MSCI World ist einer der weltweit wichtigsten Aktienindizes, der die Wertentwicklung von einem großen Teil des Weltaktienmarktes abbildet. 

Josef Obergantschnig
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Josef Obergantschnig

Laufzeit. Obergantschnig zieht für seine Bewertung das sogenannte „Renditedreieck“ des Deutschen Aktieninstituts heran. Dieses umfasse 33 abgeschlossene Achtzehnjahres-Perioden, von 1975 bis 1993 bis hin zu 2007 bis 2025. Obergantschnig: „Keine einzige davon war negativ. Die schlechteste brachte 1,6 Prozent pro Jahr, die beste 15,2 Prozent.“ Zum Vergleich: „Bei fünf Jahren Sparzeit waren 5 von 46 Perioden negativ, bei zehn Jahren 2 von 41, bei fünfzehn Jahren noch eine.“ Sein Fazit: „Der schlechteste Start aller Zeiten brachte immer noch 1,6 Prozent im Jahr. Der beste über 15.“

Ausstiegszeitpunkt. Obergantschnig gibt aber zu bedenken, dass das Risiko nicht in der Rendite, sondern im Stichtag liege. In dieser historischen Betrachtung zeige sich, „dass bei jeder Spardauer von zehn bis dreißig Jahren die schlechteste Periode im selben Jahr, nämlich 2008, endet“. Das war das Jahr der globalen Finanzkrise. Das bedeutet: „Nicht der Start entscheidet, sondern der Ausstieg. Ein Kind hat diesen Zeitpunkt nicht in der Hand. Es wird an einem bestimmten Tag 18", so Obergantschnig, der auch die Gegenprobe anstellt: „Wer 2007 begann, also unmittelbar vor der Finanzkrise, und bis 2025 durchhielt, erzielte 12,5 Prozent pro Jahr und lag damit über dem historischen Schnitt. Wer aber 2008 aufhören musste, hatte Pech.“ Das zeige, „wie nahe Glück und Pech innerhalb von ein paar Jahren beieinander liegen können“. Daher benötige das Modell des Zukunftsdepots aus seiner Sicht eine Regel für die letzten Jahre. Denkbare Lösungen könnten aus seiner Sicht „ein schrittweises Herunterfahren der Aktienquote ab dem 14. oder 15. Lebensjahr sein, oder die Möglichkeit, den Auszahlungszeitpunkt zu verschieben". Klar sei, „ohne Regel für die Schlussjahre entscheidet der Geburtstag über die Rendite".

Steuervorteil. Der Steuervorteil durch die KESt-Befreiung mache übrigens nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Ersparnis aus. „Die Steuerbefreiung bringt gut ein Zehntel. Den Rest bringt die Zeit", so Obergantschnig. Er verweist mit Blick auf die Inflation auch darauf, „dass nominal nicht real ist". Bei einer monatlichen Einlage von 150 Euro pro Monat und der angenommenen Depotsumme von 63.000 Euro nach 18 Jahren sollte dazu gesagt werden, „dass 63.000 Euro in achtzehn Jahren bei 2 Prozent Inflation rund 44.000 Euro in heutiger Kaufkraft entsprechen". Die Zahl klinge also „größer, als sie sich anfühlen wird“.