Sparen für die Kinder: Das steckt hinter Stockers „Zukunftsdepot“
Eltern sollen bis zu 5.000 Euro jährlich für jedes Kind anlegen können: Kanzler Christian Stocker will damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

ÖVP-Obmann Stocker hat im ORF-Sommergespräch ein „Zukunftsdepot“ vorgeschlagen. Was sind die Eckpfeiler und welche Ziele sollen damit erreicht werden?
Antwort: Bis zu 5.000 Euro pro Jahr sollen Eltern für jedes Kind in Anleihen, Aktien oder Fonds bei einem heimischen Bankinstitut anlegen können. Das Depot soll bis zum 18. Geburtstag des Kindes gesperrt bleiben. Bei der Entnahme soll keine Kapitalertragssteuer (derzeit 27,5 Prozent) fällig werden. Stocker will damit einen Beitrag zum Vermögensaufbau junger Menschen schaffen und den darbenden Kapitalmarkt in Österreich beleben. Bisher ist es eher üblich, dass Eltern für ihre Kinder einen Bausparvertrag anlegen, den der Staat mit einer jährlichen Prämie von derzeit maximal 18 Euro fördert.
Ist das in der Koalition bereits akkordiert?
Antwort: Ja, zumindest in den groben Zügen sind sich ÖVP, SPÖ und Neos einig, heißt es dazu aus dem Kanzleramt. Nun gilt es jedoch, sämtliche Details auszuarbeiten. In Kraft treten soll die Maßnahme ab dem kommenden Jahr.
Das Depot soll spesenfrei sein. Was sagen die Banken dazu?
Antwort: Die Finanzinstitute begrüßen den Vorschlag: „Wenn die Politik beginnt, den Kapitalmarkt als Vorsorgeinstrument zu begreifen, ist das ein erfreulicher und notwendiger Schritt“, sagt dazu Michael Höllerer, Obmann der Bundessparte Banken und Versicherungen in der WKO. Allerdings wollen die Banken eine möglichst bürokratiearme Ausgestaltung.
Beim Maximalbetrag von 5.000 Euro pro Jahr über 18 Jahre soll am Ende ein Betrag von 175.000 Euro stehen. Ist das realistisch?
Antwort: Dazu muss man wissen, dass dieser Endbetrag nur nominell ist, also nicht um die Inflation bereinigt. Die durchschnittliche historische Rendite eines global gestreuten Aktienfonds liegt bei langfristiger Veranlagung bei 7 bis 8 Prozent pro Jahr. Ein Endbetrag von 175.000 Euro wäre dann durchaus realistisch. Entscheidend sind: Risikobereitschaft – je mehr, desto höhere Zinsen –, die Professionalität des Portfoliomanagements sowie die Entwicklung der Anleihe- und Aktienmärkte.
Was kostet das den Staat?
Antwort: Der Entfall der Kapitalertragssteuer geht zu Lasten der Staatseinnahmen, doch konkrete Berechnungen dafür liegen noch nicht vor.