„Gold-Garant“: Steirischer Floristik-Coach auf WM-Mission in China
Johann Obendrauf ist mitverantwortlich für drei Siege in Folge bei den World Skills in der Floristik. Auch heuer ist bei der WM in China das Ziel, mit Teilnehmerin Julia Gschwandtner Gold zu holen.

Um bei den Berufsweltmeisterschaften erfolgreich zu sein, ist neben Leidenschaft für den Beruf, Talent und Kampfgeist auch eine umfangreiche Vorbereitung nötig. Rund 800 Trainingsstunden in einem Dreivierteljahr sind für jeden Skills-Starter vorgesehen, um bei den Wettbewerben – heuer in China – Bestleistungen zu erbringen.
Trainiert werden die jungen Fachkräfte von qualifizierten Coaches. Gar von einem „Gold-Quintett“ wird das Team Austria, das heuer mit 48 WM-Starterinnen und -Startern (davon zwölf aus der Steiermark) nach Shanghai reist, begleitet. Michael Tobisch (Maler), Christoph Pessl (Maler) und Herbert Gabauer (Sanitär- und Heizungstechnik) wurden selbst Weltmeister, Andreas Stiegler (Fliesenleger) und Johann Obendrauf (Florist) führten als Experten bereits mehrere junge Fachkräfte zu WM-Gold.
Dreimal Gold für die Floristen
Obendrauf ist mitverantwortlich für die aktuell längste WM-Siegesserie: Der 46-jährige Landesinnungsmeister und Bundesinnungsmeister-Stellvertreter der Gärtner und Floristen coachte Julia Leitgeb 2019 in Kazan, Nicola Hochegger 2022 in Helsinki und Manuel Bender 2024 in Lyon zu Gold. Drei WorldSkills-Ausgaben in Folge – drei Weltmeistertitel.
Nach drei WM-Titeln in Folge gehört Österreich in der Floristik zu den Favoriten. Für Obendrauf ist klar, dass er mit der aktuellen Gold-Anwärterin Julia Gschwandtner aus Salzburg auch Gold holen will, betont aber: „Es ist mir wichtig, dass man nicht nur die Medaille sieht, sondern sein Bestes gibt – das andere kommt von alleine.“
Dem Druck standhalten
Um seinen Schützling zu Bestleistungen anzuspornen, ist Obendrauf neben dem fachlichen insbesondere der mentale Zugang wichtig. Bedeutet: im Wettkampf dem Druck standzuhalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen. „Das Können und Talent bringen alle mit, aber die Erwartungshaltung und der Stress hier sind eine ganz andere Dimension“, betont Obendrauf. Die Konkurrenz ist groß: „Es gilt immer, die Asiaten zu schlagen – das ist in vielen technischen Berufen so und auch in der Floristik. Die führenden Länder sind Taiwan, China und Korea gewesen, bevor wir es geworden sind“, schmunzelt Obendrauf.
Was Schnelligkeit und Tempo betrifft, seien die Asiaten gut, weil sie darauf hintrainieren würden, weiß der Experte. Im Spontanen können die Europäer überzeugen, weil sie in ihrem Berufsalltag die unterschiedlichsten Kundenwünsche umsetzen müssen. Auch Kreativität werde in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich gelebt: „Weiß ist in Asien die Trauerfarbe, das muss man berücksichtigen. In manchen Ländern wird floraler Körperschmuck getragen, bei uns ist das gar kein Thema“, nennt Obendrauf zwei Beispiele dafür, welche Informationen er seiner Skills-Starterin weitergibt.
Zur Person
Johann Obendrauf stammt aus St. Georgen an der Stiefing im Bezirk Leibnitz. Seine Eltern führten einen landwirtschaftlichen Betrieb, er selbst absolvierte zunächst eine Gärtnerlehre und arbeitete in Produktion und Gartenbau. Danach folgte die Floristiklehre. 2005 machte er sich in Graz selbstständig, heute beschäftigt Floristik Obendrauf rund 50 Mitarbeiter in acht Filialen. Seit 2005 wirkt er etwa an der floralen Gestaltung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker mit.
Trainings vor Ort und Hausaufgaben
Zweimal im Monat für je drei bis vier Tage trainiert Obendrauf mit Gschwandtner in seiner Gärtnerei in Gleisdorf. Für die Zeit dazwischen gibt es Hausaufgaben und WhatsApp-Calls am Abend. „In diesem Dreivierteljahr musst du dem alles unterordnen.“ Was ihm besonders wichtig ist: die jungen Erwachsenen zu erreichen und ein Vertrauen aufzubauen: „Wir sind ein Team, das funktionieren muss. Der Teilnehmer muss wissen, dass er bei Fragen immer zu mir kommen kann.“
Die Kompetenz von Handwerk wird unterschätzt und so ein Wettbewerb kann zeigen, was hinter den Berufen steckt
— Johann Obendrauf, Skills-Coach in der Floristik
Obendrauf ist Trainer aus Leidenschaft – seit 2011: „Die jungen Leute ein Stück weit zu formen, finde ich spannend und cool. Es ist schön, wenn man das Potenzial wecken und sie auf ihrem Lebensweg begleiten kann.“ Dass Obendrauf bereits seit 15 Jahren im Skills-Team coacht, hat sich durch Zufall ergeben: „Eigentlich habe ich immer gesagt, wenn ich einmal Gold habe, höre ich auf. Aber man kommt dann so in den Flow“, schmunzelt Obendrauf. Deshalb will Obendrauf auch weiterhin junge Fachkräfte trainieren, vorausgesetzt, es passt auf menschlicher Ebene. Denn was ihm am Herzen liegt: dass das Handwerk mehr Aufmerksamkeit bekommt. „Die Kompetenz von Handwerk wird unterschätzt und so ein Wettbewerb kann zeigen, was hinter den Berufen steckt.“
Zum Skills-Bewerb in der Floristik
Fest steht, dass eine Pflanzung, ein Strauß, ein Arrangement mit Schnittblumen, Brautschmuck und eine Objektdekoration gemacht werden müssen. Zusätzlich gibt es drei Überraschungsboxen mit Aufgabenstellungen.

Steirisches WM-Team
Konstantin Hauser (aus Graz) und Marwin Kremser (aus Seiersberg-Pirka), WM-Bewerb: Autonomous Mobile Robotics, Arbeitgeber: Knapp AG (Hart bei Graz).
Paul Zadravec (aus Leitring), WM-Bewerb: Speditionslogistik, Arbeitgeber: Kühne + Nagel (Wundschuh).
Paul Bürki (aus Fürstenfeld), WM-Bewerb: Grafik-Design, Schüler der HTBLVA Graz-Ortweinschule.
Anna Tritscher (aus Schladming), WM-Bewerb: Retail-Sales (Einzelhandel), Arbeitgeber: Sport Tritscher (Schladming).
Julia Kaufmann (aus Hart bei Graz), WM-Bewerb: Mode-Technologie, Schülerin der Modeschule Graz
Jennifer Lueger (aus St. Jakob im Walde), WM-Bewerb: Bäckerei, Arbeitgeber: Bernhard Arbesleitner GmbH (Miesenbach bei Birkfeld).
Jonas Leitner (aus Hönigsberg), WM-Bewerb: Stuckateur und Trockenausbau, Arbeitgeber: STRABAG.
Kristijan Hrdzic (aus Graz), Arbeitgeber: Magna Steyr, und Gabriel Aldrian (aus Eibiswald), Arbeitgeber: Knapp AG. WM-Bewerb: Robot Systems Integration.
David Seidl (aus Mariahof) und Paul Wohlesser (aus Neumarkt), WM-Bewerb: Mechatronik, beide arbeiten bei Flex (Althofen in Kärnten).
Kärntner WM-Team
Noah Trettenbrein (aus St. Paul), WM-Bewerb: Hochbau, Arbeitgeber: BM-Haus GmbH