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Lukas Boandl nach Profi-Debüt: „Ein witziges, aber auch gutes Gefühl“

Lukas Boandl schlug zum ersten Mal als Berufsgolfer ab. Prompt landete er auf der „HotelPlanner-Tour“ auf Platz zehn.

Lukas Boandl schlägt nun auch in England ab
© GEPA pictures/ Alexander Solc
Lukas Boandl schlägt nun auch in England ab

Recht viel Zeit blieb Lukas Boandl nach der famosen 65er-Schlussrunde (-5) auf der Anlage des „Rosa GC“ in Konopiska (POL) nicht, um sich noch schnell einen Flug zu buchen. Denn mit dem zehnten Platz beim Turnier der „HotelPlanner-Tour“ (vormals Challenge Tour) hat er sich den Abschlag bei der „English Trophy“ im englischen Reading gesichert. Das Profi-Debüt des Burgenländers, der in Loipersdorf das Spiel mit dem kleinen Ball zu lieben gelernt hat, war somit perfekt. „Irgendwie spiele ich ja auch nur Golf, und es ist das Gleiche wie bisher. Andererseits fühlt es sich schon ein wenig anders an, weil es jetzt eben der Beruf ist. Ein witziges, aber auch gutes Gefühl.“ Vor dem ersten Tee fühlte er sich ob des Debüts zwar etwas nervös, doch war das mit dem ersten Schlag verflogen, erzählt er. Als Linkshänder – der Bälle nur „witzigerweise“ mit der rechten Hand wirft – hat er auf den Plätzen in Summe weder Vor- noch Nachteile. „Das ist sehr unterschiedlich. Manche spielen sich sicher ein bisschen leichter, andere wiederum nicht. Meist macht es nicht viel Unterschied.“

Doch zeigte das Debüt auch, woran er zu arbeiten hat. „Es wäre ja blöd, wenn ich schon am Maximum angelangt wäre“, sagt er und lacht. Fürs Erste ist es aber nicht das Spiel, das er optimieren muss. Er muss eine Routine entwickeln und sich an die neu aufziehenden Umstände gewöhnen. „Ich werde sicher doppelt so viele Turniere spielen wie noch als Amateur, und so wird der Reise- und Organisationsaufwand schon sehr groß. Auf der Uni wurde das alles organisiert, und da musste ich mich um relativ wenig kümmern.“

Die Uni in Houston, die Rice-Universität, hat er abgeschlossen. Sie war für den mittlerweile 24-Jährigen auch Lebensschule und würde ihn „erwachsen“ machen, sagte er noch als Student. Ist das gelungen? „Es lehrt einen viel, was auch die Disziplin anbelangt. Man braucht einen guten Plan und lernt so Sachen, die zum Erwachsenwerden dazugehören.“ Nach dem Abschluss und dem Wechsel ins Profilager sieht er das mit dem Wissen, mit diesem Beruf privilegiert zu sein. „Es ist noch immer surreal, dass ich auf den Golfplatz gehe und sage: Ich gehe jetzt arbeiten. Es fühlt sich noch nicht ganz echt an, und ich bin sehr glücklich“, sagt er und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Man sieht die Eltern, die in die Arbeit gehen, und das habe ich so ja nicht, und daher fühle ich mich noch nicht so richtig erwachsen, weil ich eigentlich im klassischen Sinn nicht wie andere arbeite. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Einen Caddie leistet er sich noch nicht

Dass man mit dem Profi-Werden nicht automatisch mit Dollar- und Euro-Scheinen überhäuft wird, liegt auf der Hand. Doch ist eher sogar das Gegenteil der Fall. „Es ist vor allem am Anfang ziemlich eng mit dem Geld. Wenn du dann einmal auf der PGA- oder European-Tour spielst und dort erfolgreich bist, dann verdienst du richtig viel Geld. Dann geht es dir nicht schlecht.“ Mit den 5760 gewonnenen Euro für den zehnten Rang hat er freilich ein finanzielles Plus gemacht, sagt er. „Anreise, Mietauto, Hotel muss man ebenso zahlen wie die Steuer. Dazu kommen Dinge, an die man in erster Linie nicht denkt.“ Trainer (Golf, Fitness, Mental) und Physiotherapeuten wollen ebenso entlohnt werden, und Versicherungen müssen bezahlt werden. Einen Caddie leistet sich der Burgenländer bisher nicht. „Alles unter der European Tour ist schwierig. Man kommt natürlich durch, braucht aber die Sponsoren.“ Das Netzwerk seiner Universität ist da hilfreich. So unterstützen „Alumni“ (Absolventen) der Rice University ihn aktiv. „Und sollte es mit dem Golf nichts werden, ist es durch das Netzwerk eine Option, in den USA zu arbeiten.“

Das große Ziel ist, auf eine der beiden großen Touren zu kommen. „Der Plan für heuer ist, dass ich beide Q-Schools spielen werde – in den USA und Europa. Das ist natürlich eine zähe Geschichte, denn es gibt sehr viele, die die Tour-Karte gerne hätten, aber es gibt nicht viele Plätze.“ Wenn das nicht fruchtet, will er kommende Saison auf der „HotelPlanner“- und der Alps-Tour abschlagen. Auch wenn er die weite Welt bespielt, sind Heimatort Königsdorf und Loipersdorf Kraftplätze für ihn, und das Heimkommen ist stets eine Riesenfreude. „Das Umfeld ist mit Abstand das Wichtigste, wenn es um die persönliche Entwicklung geht.“ Sein Spiel will er freilich auch entwickeln. „Ich habe aktuell keine große Schwäche im Spiel, die schnell besser werden muss. Ich muss mich in allen Bereichen Stück für Stück weiterentwickeln. Wenn das gelingt, werden aus den Top zehn einmal die Top fünf, die Top drei und vielleicht einmal ein Sieg.“