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Was denkt Österreich wirklich über Migration?

Eine Studie zeigt: Die Österreicherinnen und Österreicher sorgen sich um den Zusammenhalt. Migranten sind dabei ein Problem, solange sie fremd sind.

Integrationsministerin Claudia Bauer von der ÖVP
© APA / Roland Schlager
Integrationsministerin Claudia Bauer von der ÖVP
Tobias Kurakin
Redakteur Steiermark-Ressort

In Österreich hat man kein Problem mit Migrantinnen und Migranten. Zumindest nicht, wenn man sie kennt. Das ist eine Deutung, die man aus dem aktuellen „Was denkt Österreich?“-Bericht des Österreichischen Integrationsfonds ablesen kann. Im am Dienstag von Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) und Sozialwissenschaftler Rudolf Brettschneider präsentierten Papier steht nämlich: „Die meisten Befragten werten persönliche Erfahrungen mit Migrantinnen und Migranten je nach Lebensbereich überwiegend positiv.“ 73 Prozent der 1016 Befragten sprechen von guten Erlebnissen mit Migranten im Freundes- und Bekanntenkreis, 70 Prozent an den Ausbildungsstätten oder Universitäten. Auch in der Nachbarschaft habe mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) positive Erfahrungen mit Zuwanderern gemacht. „Es ist nichts Ungewöhnliches, dass man das Bekannte sympathisch findet“, sagt Brettschneider.

Bauer sagt: „Das ist eine echte Chance.“ Österreich würde demnach für alle Möglichkeiten bieten, man müsse sie nur auch ergreifen. Wie das gelingen kann? „Durch ein Maßnahmenpaket von Deutsch-Arbeit-Werte“, sagt die ÖVP-Politikerin. Die Zahlen seien demnach ein klarer Indikator dafür, dass Integration im kleinteiligen Bereich gut gelingen könne und sie seien aber auch – so Bauer – ein Auftrag dafür, das Integrationspflichtgesetz auf den Weg zu bringen. Ein im April präsentierter Entwurf des Gesetzes sieht vor: Werden Werte- oder Sprachkurse nicht abgeschlossen oder eine Werte-Charta abgelehnt, sollen teils empfindliche Verwaltungsstrafen möglich werden. Beschlossen wurde das Gesetz bisher noch nicht. Die SPÖ kritisierte damals den Alleingang Bauers, die ohne Abstimmung mit den Koalitionspartnern an die Öffentlichkeit ging. Zuletzt hieß es aus dem Sozialministerium, dass die Verhandlungen über das Gesetz laufen würden.

Was macht gute Integration aus?

Es gibt noch andere Zahlen im Bericht. Zahlen, die ebenso wenig Spaltung erkennen lassen. Eine überwältigende Mehrheit misst mit denselben Maßstäben. 77 Prozent sehen demnach die Anerkennung von Gesetzen und Regeln als wesentliches Merkmal gelungener Integration, 75 Prozent den Respekt vor Werten und Umgangsformen, 71 Prozent gute Deutschkenntnisse.

Zur Studie:

Im Rahmen der Umfrage 2026 wurden 1.016 Personen mittels Online-Befragung über ein Online-Panel befragt. Zielgruppe war die österreichische Wohnbevölkerung ab 16 Jahren. Die Feldarbeit fand zwischen 26. Februar und 09. März 2026 statt.

Nicht ganz. Denn während sich die Österreicherinnen und Österreicher bei der Frage nach persönlichen Erfahrungen mit Zuwanderern weitgehend einig sind und auch gelungene Integration ähnlich bewerten, spießt es sich im Land bei der Frage nach Zuwanderung generell. 51 Prozent sehen in großen Migrationsbewegungen einen negativen Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die kulturelle Identität des Landes – elf Prozentpunkte weniger als noch im Jahr 2018. Exakt die Hälfte bewertet Migration ohnehin als kritisch in Bezug auf das Sozialsystem, 47 Prozent sehen darin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit, 45 Prozent als Belastung für das Bildungssystem. Das sind keine absoluten Mehrheiten, aber jedenfalls relative. Mehr als die Hälfte – 55 Prozent – bewertet Begegnungen mit Migranten im öffentlichen Raum (Straße, Parks & Co.) als negativ.

Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt

„Die Österreicherinnen und Österreicher haben eine ganz klare Vorstellung von Integration und erwarten auch von der Politik, dass sie handelt“, sagt Bauer. In der Bundesregierung würde man demnach auch bereits regieren. Das Integrationspflichtengesetz sei dabei ein wichtiger Hebel, das Verbot des politischen Islams, das die ÖVP nun auf den Weg bringen will, sowieso. „Wir dürfen nicht aus falsch verstandener Toleranz Rücksicht auf Extreme nehmen“, erklärte die Integrationsministerin.

Wir dürfen nicht aus falsch verstandener Toleranz Rücksicht auf Extreme nehmen.

— Claudia Bauer, Integrationsministerin ÖVP

Die Studienergebnisse zeigen auch, dass sich 75 Prozent der Bevölkerung um die Entwicklung der österreichischen Gesellschaft Sorgen machen. Gleichzeitig befürwortet eine Mehrheit eine homogene Gesellschaft stärker als eine kulturell vielfältige. Bauer sagt dazu: „Die Ergebnisse zeigen uns, dass Integration kein Angebot sein darf, sondern eine Pflicht.“