Wenn der Job zur Belastung wird: Neue Anlaufstelle in Villach
Wer in sozialen Berufen arbeitet, bleibt mit den eigenen Belastungen oft allein. Zwei Frauen aus Kärnten wollen das ändern und haben mit „Du im Zentrum“ in Villach eine neue Anlaufstelle gegründet.

„Ich habe mich wie ein Pinguin in der Wüste gefühlt. Ich bin mit Bauchschmerzen und Herzrasen in die Arbeit gegangen und habe mich erst nach meiner Kündigung wieder wie ich selbst gefühlt“, erzählt Marion Zdesar über ihre Erfahrung mit einem Job im Sozialbereich. Die Arnoldsteinerin ist überzeugt, dass es ihr mit der passenden Unterstützung damals besser ergangen wäre und eine Kündigung möglicherweise nicht nötig gewesen wäre. „Ich wusste damals – trotz netter Kolleginnen und Kollegen, Freunden, Familie und Betriebsrat – einfach nicht wohin mit meinen Sorgen.“
Gemeinsam mit der Villacherin Martina Klein gründete sie deshalb die Anlaufstelle „Du im Zentrum“ in der Bertha-von-Suttner Straße in Villach. Sie richtet sich an Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten und Unterstützung bei beruflichen oder persönlichen Belastungen suchen. Die beiden wollen damit eine Lücke zwischen bestehenden Angeboten schließen. Am 9. September wird „Du im Zentrum“ eröffnet.
Oft reichen schon kleine Schritte, um wieder mehr Freude, Gelassenheit und Leichtigkeit im Arbeitsalltag zu erleben.
— Marion Zdesar, Gründerin „Du im Zentrum“
Klein war lange im Elementar- und Sonderpädagogikbereich tätig. „Ich habe es geliebt. Ich schaue aber auch gerne in die Tiefe und hinterfrage, warum es Kindern so geht, wie es ihnen geht. Wenn ich sehe, was fehlende Ressourcen bewirken, tut mir das Herz weh“, so Klein über wachsende Belastungen im Berufsalltag. „Die Situation im Beruf wird immer herausfordernder, die Belastung immer größer, die Handlungsmöglichkeiten immer eingeschränkter.“ Klein will Menschen, die trotz aller Herausforderung gerne in sozialen Berufen arbeiten, dabei unterstützen, ihre Berufung weiterleben zu können.
Eine Stufe „unter“ Psychotherapie
Ihr neues Angebot soll zwischen klassischer Beratung und Psychotherapie angesiedelt sein. In Einzelgesprächen geht es unter anderem darum, vorhandene Ressourcen sichtbar zu machen, neue Perspektiven zu entwickeln und sich selbst besser kennenzulernen und gezielte Übungen zum Stressmanagement zu erlernen. Darüber hinaus bieten Klein und Zdesar, Einzel- und Gruppensupervision, Workshops und „Walk and Talk“-Gespräche an, bei denen sich Menschen aus sozialen Berufen in ungezwungener Atmosphäre austauschen können.
Langfristig wollen die beiden weitere Expertinnen und Experten einbinden. Termine können per E-Mail oder über eine Online-Buchungsplattform vereinbart werden: Für aktuelle Anliegen sind zudem sogenannte SOS-Termine vorgesehen, die kurzfristig buchbar sind. Ein erstes Kennenlernen ist am 9. September im Rahmen der Eröffnung möglich.